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Sonntag, 26.09.2021
 
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Kulturnachrichten

Freitag, 4. Juni 2021

Weltkulturerbe-Bergwerk ist noch älter als gedacht

Das Weltkulturerbe Bergwerk Rammelsberg bei Goslar im Harz ist noch älter als bisher bekannt war. In einem als abgeschlossen geltenden, tatsächlich aber zugänglichen Schacht sei zufällig ein Lederstück gefunden worden. Damit hätten Wissenschaftler festgestellt, dass der Abschnitt bereits im 9. bis 10. Jahrhundert genutzt wurde - also 300 Jahre früher als bisher vermutet. Das teilte das niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege mit. Damit handele es sich um den ältesten heute noch zugänglichen Stollen eines mittelalterlichen Bergwerks in Deutschland und eine "montanhistorische Sensation". Das Bergwerk am Nordrand des Harzes gehört seit 1992 zum Weltkulturerbe.

Brandenburg will Antisemitismus-Kampf als Staatsziel

Die Bekämpfung des Antisemitismus und die Stärkung jüdischen Lebens sollen in Brandenburg in die Verfassung aufgenommen werden. Ein entsprechender gemeinsamer Vorschlag der Koalitionsfraktionen von SPD, CDU und Grünen sowie der oppositionellen Linken-Fraktion zur Änderung der Landesverfassung wurde heute im Landtag in Potsdam vorgestellt. Auch das Ziel der Vertiefung der Freundschaft zum Nachbarland Polen soll Verfassungsrang bekommen. Die Verfassungsänderung könnte im Herbst, voraussichtlich im November, in namentlicher Abstimmung beschlossen werden, hieß es. Die Stimmen der vier Fraktionen reichten dafür aus.

Publizist Wolffsohn kritisiert deutsche Medien

Der Publizist und Historiker Michael Wolffsohn hat die deutschen Medien scharf kritisiert. Nur im Journalismus gebe es in demokratisch verfassten Staaten "diese analytische, politische und moralische, säkularisiert quasi göttliche Multifunktionalität", sagte er in seiner Festrede bei der Verleihung des Wächterpreises der Tagespresse am Freitag. Niemand kontrolliere die vierte Gewalt. Darum sei es kein Wunder, dass sich seit Jahren Unmut zusammenbraue. Die Medien neigten zur Bevormundung, so Wolffsohn. Selbst im Qualitätsjournalismus würden sich manche nicht selten anmaßen, "ihre persönliche Darstellung und ihre eigene Meinung für die einzig richtige zu halten." Umfragen dokumentierten seit Jahren "die grün-rote Hegemonie unter Journalisten", die die Gesamtgesellschaft jedoch nicht abbilde. Wolffsohn wurde 2016 als Hochschullehrer des Jahres ausgezeichnet, 2018 erhielt er den Franz-Werfel-Menschenrechtspreis.

Hongkong unterbindet Tianan'men-Mahnwache

Nach der Verschärfung der chinesischen Kontrollen über Hongkong hat die Sonderverwaltungszone das traditionelle Tianan'men-Gedenken weitgehend unterbunden. Die Behörden riegelten den Victoria Park ab, in dem sonst Tausende an die Niederschlagung der chinesischen Protestbewegung auf dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni 1989 erinnerten. Die Polizei nahm die Aktivistin Chow Hang Tung fest, die an der Organisation der jährlichen Mahnwache beteiligt war. Dieses Jahr wurde das Gedenken wie schon 2020 unter Verweis auf die Corona-Ansteckungsgefahr verboten. Doch während vergangenes Jahr dennoch Tausende auf die Straßen gingen und Kerzen anzündeten, verhinderten Polizisten jetzt größere Versammlungen. Das Gedenken am 4. Juni in Hongkong war sonst das größte weltweit. Es galt als Symbol dafür, dass es in der ehemaligen britischen Kolonie mehr Freiheitsrechte gibt als in der Volksrepublik.

Dalai Lama aus Zauberwürfeln wird in Paris versteigert

Mit einem Kunstwerk aus Zauberwürfeln will der französische Künstler Franck Slama alias Invader erneut einen hohen Erlös erzielen. Sein Werk "Rubik Dalai Lama" wird am 5. Juli in Paris versteigert, wie das Auktionshaus Artcurial mitteilte. Es zeigt das geistliche Oberhaupt der Tibeter und besteht aus 225 Zauberwürfeln. Der Wert wird auf bis zu 400.000 Euro geschätzt. Schon vormals hatte Invader bereits zwei ähnliche Kunstwerke versteigern lassen. Eine Mona Lisa aus Zauberwürfeln ging im Februar 2020 für 480.000 Euro an einen Bieter, im Dezember erzielte das Werk "Rubik Space" mit einer abstrakten Landschaft aus Zauberwürfeln sogar rund 490.000 Euro. Invader nennt seinen Kunststil "Rubikubismus". Der Name spielt auf den Erfinder des Zauberwürfels an, den ungarischen Designer Ernö Rubik. Das Würfelspiel war in den 1980er Jahren besonders beliebt.

Gestürzte Sklavenhalter-Statue wird in Bristol ausgestellt

Rund ein Jahr nach dem Sturz der Statue eines Sklavenhalters in Bristol kann sich die Öffentlichkeit die demolierten Überreste der Statue anschauen. Die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston (1636-1721), die seit ihrem Sturz ins Hafenbecken bei den "Black Lives Matter"-Protesten im vergangenen Jahr nicht mehr stehen kann, ist seit Freitag liegend im M Shed-Museum in Bristol zu sehen - neben Protestplakaten und Informationen zu den Vorfällen im Juni 2020. Man nutze die Gelegenheit, um herauszufinden, was die Menschen vor Ort denken würden, sagte der beteiligte Wissenschaftler Shawn Sobers von der University of the West of England der britischen Nachrichtenagentur PA. Die Aktion biete die Möglichkeit, die größere Geschichte zu thematisieren und Menschen zu ermutigen, darüber zu sprechen. Der gewaltsame Abriss hatte im vergangenen Jahr eine Debatte über den Umgang Großbritanniens mit seiner Vergangenheit als Kolonialmacht entfacht.

EU-Kommission startet Untersuchung gegen Facebook

Die EU-Kommission startet eine förmliche Untersuchung gegen Facebook wegen des Verdachts auf Wettbewerbsverstößen beim Kleinanzeigendienst "Facebook Marketplace". Dies teilte EU-Wettbewerbskommissarin Vestager in Brüssel mit.
Über den "Marketplace" können Nutzer des sozialen Netzwerks privat Waren von einander kaufen und verkaufen. Die EU-Kommission will nach eigenen Angaben klären, ob Facebook seine Stellung auf anderen Märkten für diesen Dienst wettbewerbswidrig ausnutzt. Wenn Konkurrenzunternehmen bei Facebook für ihre Dienste Werbung trieben, könnte Facebook in Besitz wirtschaftlich wertvoller Daten gelangen und diese dann gegen Wettbewerber nutzen, so lautet der Verdacht.

Kardinal Marx bietet seinen Rücktritt an

Kardinal Reinhard Marx hat Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten. In einem Brief vom 21. Mai habe er ihn gebeten, "seinen Verzicht auf das Amt des Erzbischofs von München und Freising anzunehmen", teilte das Bistum heute mit.
Im Kern gehe es ihm darum, "Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten", schrieb Marx. Die Untersuchungen der zurückliegenden zehn Jahre zeigten, dass es "viel persönliches Versagen und administrative Fehler" gegeben habe, aber "auch institutionelles Versagen", schrieb der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Die katholische Kirche sei an einem "toten Punkt" angekommen. Mit seinem Amtsverzicht könne vielleicht ein persönliches Zeichen gesetzt werden für einen neuen Aufbruch der Kirche. Er wolle zeigen, dass nicht das Amt im Vordergrund steht, sondern der Auftrag des Evangeliums."

Neuer Tonali-Musikpreis wird in Hamburg verliehen

Der Schweizer Musiker Elia Rediger und das Ensemble "The String Archestra" sind die Gewinner der ersten Tonali-Awards. Der neue Kulturpreis für Musiker, die sich auf besondere Weise gesellschaftlich engagieren, wird am Sonntag erstmals in der Hamburger Elbphilharmonie verliehen, teilte die Hamburger Initiative Tonali mit. Rediger ist bekannt für sein politisches Engagement im Spannungsfeld zwischen Oper und der Welt der Popmusik: er wird mit 25.000 Euro in der Rubrik "Mut zur Utopie" geehrt. "The String Archestra" aus Berlin erhält den mit 10.000 Euro dotierten Preis in der Kategorie "Aufbruch". Das Ensemble setzt sich besonders beispielhaft für die Rezeption von People-of-Color-Komponisten und die angemessene Repräsentation von People-of-Color-Musikern in der Klassik ein. Die Preisverleihung umfasst auch ein Konzertprogramm und wird live am Sonntag ab 20Uhr von der Elbphilharmonie und NDR Kultur gestreamt.

Die Dichterin Friederike Mayröcker ist tot

Die österreichische Schriftstellerin Friederike Mayröcker ist tot. Die Grand Dame der experimentellen Literatur starb im Alter von 96 Jahren am Freitag in Wien, wie der Suhrkamp Verlag in Berlin unter Berufung auf den engsten Umkreis Mayröckers mitteilte. In ihrem rund 100 Titel umfassenden Werk, darunter Gedichte, Text-Collagen, Romane, Kinderbücher und Bühnentexte, hatte Mayröcker gängige Erzählmuster abgelehnt. Kritiker sahen in der Schriftstellerin eine "ausgefeilte Technikerin des Überblendens und Ausblendens, Sichtens und Schichtens, Zitierens und Plünderns". Ihr jüngster Band "da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete" stand auf der Shortlist für den erst vor wenigen Tagen vergebenen Preis der Leipziger Buchmesse. Mayröcker wurde unter anderem mit dem Georg-Trakl-Preis (1977), dem Hölderlin-Preis (1993), dem Lasker-Schüler-Preis (1996) und dem Büchner-Preis (2001) ausgezeichnet.

Opfer-Angehörige von 1989 in China wollen Gerechtigkeit

Zum Jahrestag der Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 in China haben Familien der Opfer eine gerechte Aufarbeitung dieses Kapitels der chinesischen Geschichte gefordert. Die im Netzwerk der "Mütter von Tian'anmen" zusammengeschlossenen Angehörigen forderten in einem offenen Brief die Offenlegung der Wahrheit über das Massaker. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, heißt es in dem Schreiben, das die Menschenrechtsorganisation Human Rights in China veröffentlichte. Auch nach 32 Jahren sehe man noch immer keinen offiziellen Versuch, die Informationen über das Blutbad zu entsiegeln und zu enthüllen, so die Kritik in dem Brief - es bleibe "ein Tabu für die Regierung". Bei dem Einsatz der Armee gegen Demonstranten um den Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) in Peking waren hunderte Menschen getötet worden. Die genaue Zahl ist bis heute nicht bekannt.

Karsten Jahnke erhält den Deutschen Jazzpreis

Der Konzertveranstalter Karsten Jahnke hat am Abend den Deutschen Jazzpreis für sein Lebenswerk erhalten. Mit der Auszeichnung werde "das jahrzehntelange Wirken eines großen Musikliebhabers für den Jazz in Deutschland" gewürdigt, teilte die Jury mit. Neben der Schaffung von Konzertreihen wie den "JazzNights" habe Jahnke auch als Festival-Veranstalter wichtige Impulse gegeben, zum Beispiel beim Hamburger "Elbjazz". Der heute 83-Jährige veranstaltet seit mehr als 60 Jahren Konzerte. Der Deutsche Jazzpreis prämiert herausragende künstlerische Leistungen in 31 hauptsächlich musikalischen Kategorien. Der Preis ist mit jeweils 10.000 Euro dotiert und wird unter anderem aus dem Etat von Kulturstaatsministerin Grütters bestritten.

Hongkong schließt das "Tian'anmen"-Museum

Kurz vor dem jährlichen Gedenktag zur Niederschlagung der Proteste auf dem Tian'anmen-Platz in Peking haben die Behörden in Hongkong die Schließung eines Museums, das sich damit beschäftigt, veranlasst. Sie hätten der vor zehn Jahren erstmals geöffneten Einrichtung vorgeworfen, keine Betriebserlaubnis zu besitzen. Das teilten die Betreiber der Hongkonger Allianz zur Unterstützung der demokratischen Bewegungen in China mit. Das Büro für Lebensmittel- und Umwelthygiene habe nach einer entsprechenden Beschwerde Ermittlungen aufgenommen. Man werde rechtlichen Rat einholen und bis auf Weiteres schließen, um die Sicherheit von Personal und Besuchern zu schützen, so die Betreiber. Im Juni 1989 hatte das chinesische Militär im Zentrum Pekings Proteste der Bevölkerung nach mehr Demokratie gewaltsam niedergeschlagen. Nach Quellen des chinesischen Roten Kreuzes wurden damals mehr als 2000 Menschen getötet.

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Fazit

50. Art BaselEin nachgeholtes Jubiläum und mehr Ruhe
Auf zwei Holzbooten sind übergroße schwarz-weiß Porträts angebracht. (Art Basel)

Die 50. Art Basel hätte eigentlich letztes Jahr stattfinden sollen. Nun läuft sie, und immer noch ist Corona ein Thema: Nur wenige Sammler aus Amerika und Asien sind zugegen. Die Messe fühle sich an wie vor 15 Jahren, so die Kritikerin Elke Buhr.Mehr

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