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Interview | Beitrag vom 15.05.2018

WelthungerhilfeEine App gegen Mangelernährung

Jochen Moninger im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Eine Frau mit ihrem unterernährten Kind in einem Rehabilitationszentrum in Khalwa im indischen Madhya Pradesh (picture alliance / dpa / Sanjeev Gupta)
Eine indische Mutter mit ihrem unterernährten Kind: weltweit hungern 160 Millionen Kinder. (picture alliance / dpa / Sanjeev Gupta)

Weltweit leiden 160 Millionen Kinder unter Hunger. Die Welthungerhilfe hat eine Vermessungs-App entwickelt, mit deren Hilfe sie diese Zahl bis 2030 drastisch reduzieren will. Mitarbeiter Jochen Moninger erklärt, wie sie funktioniert.

Künstliche Intelligenz ist derzeit eines der Buzz Words im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Die Welthungerhilfe hat nun eine App mit dem Namen "Child Growth Monitor" entwickelt, mit deren Hilfe Fehl- beziehungsweise Mangelernährung bei Kindern festgestellt werden kann. Die Organisation stellt sie bei einer internationalen Konferenz zu Künstlicher Intelligenz in Genf vor.

Von 160 Millionen auf Null bis 2030

Mit einem 3D-Scan per Smartphone wird dabei Größe und Gewicht des Kindes erfasst. Das Argument der Entwickler: Vor allem in armen ländlichen Gebieten sei die App eine große Hilfe. Sie sei mobil, das Verfahren geht schneller, kostet weniger, und das selbstlernende Programm setzt die Messungen visuell um, setzt die Daten in Beziehung zu anderen Körpermaßen und gibt gegebenenfalls auch Empfehlungen. Das Ziel: Die aktuelle Zahl von 160 Millionen hungernden Kindern soll bis 2030 auf mehr oder weniger Null reduziert werden.

Bei der üblichen manuellen Messung durch Gesundheitshelfer könne es beispielsweise in einem Land wie Indien mehrere Jahre dauern, ehe die Daten aus einen kleinen Dorf bei den zuständigen zentralen Behörden ankämen und entsprechende Konsequenzen gezogen werden könnten, sagt Jochen Moninger, der bei der Welthungerhilfe für den Bereich Innovation zuständig ist. Zudem gebe es dabei eine Fehlerquote von 20 Prozent.

40 Prozent der Kinder hungern

Wenn man bedenke, welche Folgen Mangelernährung von frühester Kindheit an unter anderem für die Entwicklung der Knochen und des Gehirns haben könne, sei es umso wichtiger, diese so früh wie möglich zu erkennen und die weitere Entwicklung zu prognostizieren.

Immerhin 40 Prozent der Kinder im ländlichen Indien sind von Mangelernährung betroffen. Dennoch: Wie sinnvoll ist eine solche App wirklich – ist sie effektiver als eine manuelle Bestandsaufnahme? Lässt sich Mangelernährung nicht relativ einfach schon äußerlich erkennen? Vielen Eltern fehle der Bildungshintergrund, um zu erkennen, welche Folgen dies für ihre Kinder letztlich habe, sagt Moninger. Manche Mutter sehe dies erstens, "vielleicht auch als normal an, dass ihre Kinder ein bisschen zurückhängen. Und zweitens findet sie den Weg nicht heraus – es fehlen ihr die Handlungsmöglichkeiten zu reagieren."

Nicht genug geschultes Personal

Zudem sei das jetzige, auf Krankenpflegern aufgebaute System sehr aufwändig und teuer im Unterhalt – und viele Regionen verfügten nicht über ausreichend geschultes Personal.

"Was wir hoffen ist, eine große Zahl von hungrigen Kindern – jedes Jahr, jeden Tag – zu identifizieren. Und über die Identifizierung – wir haben dann ja GPS-Daten und andere Daten von den Kindern – dann auch eine Hilfe zu erbringen."

(mkn)

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