Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
Samstag, 16.01.2021
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Aktuell / Archiv | Beitrag vom 08.10.2015

Weissrussische AutorinLiteratur-Nobelpreis für Swetlana Alexijewitsch

Die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch bei einer Lesung in Prag im November 2014 (dpa / picture alliance / Michal Dolezal)
Die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch bei einer Lesung in Prag im November 2014 (dpa / picture alliance / Michal Dolezal)

Die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch erhält den Literatur-Nobelpreis 2015. Das gab die Stockholmer Akademie Donnerstagmittag bekannt.

Die weißrussische Journalistin und Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch, die mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet worden ist, gilt als Meisterin der literarischen Reportage und Collage. Die 67-Jährige werde für ihr "vielstimmiges Werk" geehrt, das "dem Leid und dem Mut unserer Epoche ein Denkmal setzt", teilte die Schwedische Akademie der Wissenschaften am Donnerstag in Stockholm mit.

"Empfinden des Menschen in existenziell schrecklichsten Momenten"

Die Entscheidung für die weißrussische Autorin sei "vor allem als politische Entscheidung, mehr vielleicht als eine ästhetische" zu werten, meint Barbara Wahlster, Literaturredakteurin des Deutschlandradio Kultur. Gleichwohl gilt Swetlana Alexijewtisch als Meisterin der literarischen Reportage und Collage.

Swetlana Alexijewitschs Literatur sei "ein Blick auf die menschliche Existenz, auf das Empfinden des Menschen in diesen existenziell schrecklichsten Momenten", wie etwa Kriegen oder der Tschernobyl-Katastrophe, .

Der Schriftsteller Ingo Schulze, der die diesjährige Literaturnobelpreis-Trägerin gut kennt, . Zuerst haben wir ihn nach seiner ersten Reaktion auf die Nachricht der Nobelpreis-Vergabe gefragt.

Swetlana Alexijewitschs Übersetzerin Ganna-Maria Braungardt .

Um die Wirkung von Alexijewitschs Literatur in Weißrussland geht es . 

Außerdem haben wir mit Katharina Narbutovic, Slawistin und Leiterin des Berliner Künstlerprogramms des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD), dessen Gast Swetlana Alexijewitsch war, . 

 Porträtfoto von Katharina Narbutovic (Deutschlandradio / A. Bräunlein)Katharina Narbutovic, Slawistin und Leiterin des Berliner Künstlerprogramms des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) (Deutschlandradio / A. Bräunlein)

Collagen aus gesammelten Stimmen

"Es ist enorm, diesen Preis zu erhalten", sagte Alexijewitsch dem Sender SVT. Aber "der Preis ist nicht für mich, sondern für unsere Kultur, für unser kleines Land, das im Laufe der Geschichte in ein Mahlwerk geraten ist", betonte sie bei einer Pressekonferenz in der weißrussichen Hauptstadt Minsk. Die Führung in Minsk sei nun "gezwungen", ihr zuzuhören.

Weißrussland wird seit 21 Jahren von Staatschef Alexander Lukaschenko gelenkt, der häufig als letzter Diktator Europas bezeichnet wird. Wegen ihrer Regierungskritik lebte Alexijewitsch immer wieder im westeuropäischen Ausland, auch in Deutschland; seit 2011aber wieder in Minsk.

Die Bücher von Swetlana Alexijewitsch befassen sich unter anderem mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und dem Afghanistan-Krieg. Sie sind Collagen aus von ihr gesammelten Stimmen. Die in mehrere Sprachen übersetzten dokumentarischen Romane sind in Weißrussland verboten, werden aber dennoch von vielen ihrer Landsleute gelesen. 2013 hatte sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.

Reaktionen auf Twitter

 

Haruki Murakami und Philip Roth unter den Mit-Favoriten

Im engeren Kreis der möglichen Gewinner waren auch der Japaner Haruki Murakami, der Kenianer Ngugi wa Thiong'o sowie Philip Roth und Joyce Carol Oates aus den USA. Bei den englischen Buchmachern waren auch der Norweger Jon Fosse und der Koreaner Ko Un hoch gehandelt worden.

Der Nobelpreis für Literatur geht auf das Testament des Schweden Alfred Nobel (1833-1896) zurück. Er ist mit acht Millionen Schwedischen Kronen dotiert (etwa 859.000 Euro). Die Verleihung findet am 10. Dezember in Stockholm statt. 

Im Vorjahr gewann der Franzose Patrick Modiano, 2013 die Kanadierin Alice Munro, 2012 der Chinese Mo Yan, 2011 der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer.

Herta Müller war 2009 die bis dato letzte Deutsche, die mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

 

Programmtipp:

Ab 23:05 Uhr sprechen wir in der Sendung "Fazit" mit dem Schriftsteller Ingo Schulze und Ganna-Maria Braungardt, die Bücher von Swetlana Alexijewitsch übersetzt hat, über die Literaturnobelpreis-Trägerin 2015.

Mehr zum Thema:

Geschichte - Das Afghanistan-Debakel der Sowjetunion
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 21.3.2014)

Gegen das Verschwinden von Lebensgeschichten kämpfen
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 13.10.2013)

Bekenntnisse enttäuschter Idealisten
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 30.9.2013)

Vergangene Zeiten literarisch verstehen
(Deutschlandfunk, Andruck - Das Magazin für Politische Literatur, 26.8.2013)

Moralisches Gedächtnis des zerfallenden Sowjetimperiums
(Deutschlandfunk, Kommentare und Themen der Woche, 20.6.2013)

Das Leiden der Panzerkommandantin
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 21.12.2012)

Studio 9

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur