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Interview | Beitrag vom 03.08.2021

Weisheit Am Leben wachsen

Judith Glück im Gespräch mit Nicole Dittmer

Ein knorriger Baum mit roten Blättern. (Unsplash / Faye Cornish)
Offenheit und die Bereitschaft, andere Perspektiven einzunehmen - zwei Faktoren, die zur Weisheit dazugehören. (Unsplash / Faye Cornish)

Je älter, je weiser? Das trifft nicht zu, sagt Judith Glück. Die Psychologin forscht seit Jahren über Weisheit, die mit dem Alter nicht unbedingt zunehme. Damit aus Wissen wirklich Weisheit werde, müsse eine bestimmte Haltung zum Leben dazu kommen.

"Die Jugend ist die Zeit, die Weisheit zu lernen. Das Alter ist die Zeit, sie auszuüben." Dieser Satz des französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau deckt sich nicht unbedingt mit den Erkenntnissen der modernen Weisheitsforschung. 

"Weisheit ist wahrscheinlich in keinem Alter sehr häufig, und es ist leider auch nicht so, dass sie im hohen Alter noch mal generell deutlich ansteigen würde", sagt die Weisheitsforscherin Judith Glück, Professorin für Psychologie an der Universität Klagenfurt. 

Zur Weisheit gehört Wissen

Ganz altersunabhängig sei Weisheit aber nicht, sagt Glück. Denn zur Weisheit gehöre auch sehr viel Wissen: "Wissen über das Leben, über die Menschen, Wissen über einen selbst, auch Wissen darüber, dass andere Menschen anders sind als man selbst", erklärt sie. "Dieses Wissen wird natürlich primär durch Lebenserfahrung erworben und die sammelt man natürlich auch mit dem Alter an."

Hier geht es zum Literatursommer von Deutschlandfunk Kultur. ( imago / fStop Images / Malte Müller)

Damit aus Wissen Weisheit wird, müsse aber noch eine bestimmte Haltung dem Leben und anderen Menschen gegenüber hinzukommen: "Eine Offenheit, eine Neugier, auch auf andere Perspektiven, ebenso die generelle Bereitschaft, aus dem Leben zu lernen und sich immer weiterzuentwickeln."

Weise Menschen sind nicht automatisch glücklicher

Natürlich gebe es sehr alte, hochweise Menschen, doch deuteten die neuesten Studien darauf hin, "dass der Höhepunkt der Weisheit vielleicht eher so im Alter von 60 bis 75 liegt", so die Weisheitsforscherin. "Da scheint es am meisten Menschen zu geben, die einerseits viel Lebenserfahrung angesammelt haben und andererseits optimal in der Lage sind, mit Komplexität, auch mit komplexen Gefühlen gut umzugehen."

Glücklicher seien weise Menschen übrigens nicht. Aber es falle ihnen zum Beispiel leichter, das Älterwerden zu akzeptieren, sagt die Psychologin. "Weise Menschen sind sehr mit sich selber im Reinen und auch mit ihrer Lebensgeschichte. Die haben ihren Frieden damit, wer sie sind, und wohl auch stark ihren Frieden damit, dass das Leben auch beinhaltet, dass man älter wird, dass sich Dinge verändern, dass nichts so bleibt, wie es ist. Die sehen das auch einfach als Wachstums- und Lerngelegenheiten."

(uko)

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