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Vollbild | Beitrag vom 18.06.2016

Webserie "Con Man"Serien-Fantum als Ersatzreligion

Von Christian Alt

Cosplayer während der "Fantasy Basel 2016". (dpa / KEYSTONE / Georgios Kefalas)
Cosplayer bei der "Fantasy"-Messe in Basel: Die Serie "Con Man" blickt hinter die Kulissen von Fan-Conventions. (dpa / KEYSTONE / Georgios Kefalas)

Sie verkleiden sich wie Serienhelden, diskutieren Alien-Technologie oder unterhalten sich auf Klingonisch: In der grauen Mehrzweckhallen-Welt von Fan-Conventions spielt die Webserie "Con Man". Entwickelt wurde sie von Alan Tudyk, der seit Jahren über Conventions tingelt.

Alan Tudyk muss ein ganz schönes Convention-Trauma haben. Gemeinsam mit Nathan Fillion war Tudyk Teil der Kult-Serie "Firefly". Die wurde zwar schon 2002 nach nur 14 Folgen abgesetzt, aber die Fans lieben "Firefly" noch heute. Fans schreiben Blogs, Romane und Comics über "Firefly". Und auf Conventions wird das "Firefly"-Fantum zur Ersatzreligion: Hier verkleidet man sich wie die Serienhelden, diskutiert über den Einsatz von Alien-Technologie und am Ende des Tages wankt man mit Tüten voller Action-Figuren und einem Grinsen aus den Messehallen. Denn im besten Fall konnte man seinem Serienstar noch die Hand schütteln.

In dieser grauen und stickigen Mehrzweckhallen-Welt spielt "Con Man". Alan Tudyk verarbeitet hier seine Jahre, die er auf Fan-Conventions verbracht hat. Sein Alter Ego heißt Wray Nearly. Und genau wie er war Wray in einer erfolgreichen Science-Fiction-Serie "Spectrum", die nach einer halben Staffel abgesetzt wurde. Heute macht Wray nur noch eins: Auf Conventions mit "Spectrum"-Fans abhängen, Autogramme geben und sich selbst bemitleiden.

Wray sucht nach dem einen Gig, der ihn aus seinem Loch rausholt. Stattdessen hangelt er sich von einer Convention zur nächsten. Jack, sein alter Kollege aus "Spectrum"-Tagen, hat es besser erwischt. Er ist durch die Sci-Fi-Serie zum internationalen Megastar geworden.

Kurzfilme aus dem Leben eines Convention-Stars

Jack bietet Wray einen Job an: Wray soll an seiner Seite in einem Hollywoodfilm mitspielen. Als sich dann aber rausstellt, dass sein Freund "Spectrum" verfilmen will, bricht Wray endgültig zusammen.

"Con Man" erzählt die Geschichte von Wray in kurzen, zehnminütigen Vignetten. Kurzfilme aus dem Leben eines Convention-Stars. Es geht ums Autogramme schreiben, die Anziehungskraft von Action-Figuren, Sex mit Fans. Dieses Konzept geht auf: Serienschöpfer Alan Tudyk versteht genau, was er in zehn Minuten erzählen kann - und was eben nicht.

Jede Folge wirft ein kurzes Schlaglicht auf das Geschäft mit den Conventions. Aber eine Frage bleibt offen: Für wen wurde Con Man eigentlich produziert? Die Serie ist grandios komisch, aber eben nur für Hardcore-Fans. Sie funktioniert nur für das sehr spitze Zielpublikum der Science-Fiction-Ultras, die jede wichtige Serie, Film und Comic kennen und dazu noch fließend Klingonisch sprechen.

Nahezu jede Rolle in Con-Man ist mit einem Fan-Convention-Star besetzt: Felicia Day, Star der Webserie "The Guild", spielt Wrays Assistentin. Tricia Helfer, bekannt aus "Battlestar Galactica", spielt Wrays Love Interest. Sean Astin, Samweis Gamdschie aus dem "Herrn der Ringe", spielt sich selbst.

Vollgestopft mit Referenzen

Die gesamte Staffel ist bis oben vollgestopft mit Referenzen auf die Welt der Fan-Conventions - das reicht vom Verweis auf "Star Trek" bis hin zur obskuren Anime-Serie "Black Heaven". Die ist in Fanzirkeln für ihre furchtbare Synchronisation, gerade von Afroamerikanern, berüchtigt. Und genau in dieselbe Falle tappt auch Wray.

Wer solche Referenzen versteht, freut sich. Alle anderen gehen im Referenzstrom baden. Die Frage, für wen "Con Man" eigentlich gemacht wurde, beantwortet die Serie auch selbst. Denn um "Con Man" zu produzieren hat sich Tudyk Geld von seinen Fans geholt: Crowdfunding.

Am Ende jeder Folge rauschen zu verspulter Latin-Musik 46992 Namen über den Bildschirm: eine Produzentenliste, so groß wie das Melderegister von Elmshorn oder Soest. Von A wie Aaron Adams bis Z wie ZombieApok. Sie alle haben auf der Seite "Indiegogo" Geld gespendet, damit "Con Man" entstehen kann, von fünf bis 25000 Dollar.

Immerhin: Abgesetzt wird "Con Man" bei so einem Investorenpool nicht mehr. Die zweite Staffel wird gerade gedreht.

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