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Kompressor | Beitrag vom 09.07.2019

"We are all astronauts" von Henry KeazorDer Astronaut in Kunst und Medien

Henry Keazor im Gespräch mit Timo Grampes

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Coverabbildung "We are all astronauts". Vor einer geblümten Tapete steht ein Mann von trauriger Gestalt im Raumanzug. (Coverabbildung: Neofelis-Verlag)
Einer von uns? Für den Kunsthistoriker Henry Keazor bündelt die Figur des Astronauten in Kunst und Medien unsere Ängste und Hoffnungen. (Coverabbildung: Neofelis-Verlag)

Pionier, Engel, Psychopath: das Bild des Astronauten in Kunst und Medien ist zwiespältig, sagt der Kunsthistoriker Henry Keazor. Sein Buch "We are all astronauts" zeigt die Figur des Astronauten als Projektionsfläche für gesellschaftliche Konflikte.

Der Held der Moderne, mit Hightech als Pionier an der "new frontier". Der lonesome Cowboy - melancholisch, ausgeliefert, verlassen im Outer Space. Zwei Bilder des Astronauten. Henry Keazor hat in seinem Band "We are all astronauts" diese Figur des Astronauten in Kunst und Medien untersucht.

"Bereits der Song und das Video von David Bowie von 1969 zeigt ja eigentlich ein sehr gespaltenes Bild des Astronauten, weil dieser Major Tom ja eigentlich scheitert", sagt Keazor. "Der geht im Weltraum verloren. Löst sich von der Erde, kehrt nicht wieder zurück und ist damit ja in gewisser Weise ein Schiffbrüchiger im Weltraum."

Und das im Jahr der Mondlandung, wo man eigentlich ein durch und durch positives Bild des Astronauten erwartet hätte. Keazor zufolge gab es aber immer parallel zu dieser positiven Erzählung negative Untertöne. Bis hin dazu, dass auch der Horrorfilm sich der Figur der Astronauten ermächtigt habe, "die dann reihenweise entweder Psychopathen oder Opfer von schrecklichen Monstern werden".

Chris Hadfield, der singende Astronaut

Einen erneuten Wandel zum Positiven in der Wahrnehmung der Astronauten sieht Keazor in Chris Hadfields Coverversion von David Bowies "Space Oddity" von 2013. Die Aufnahme des damaligen Kommandanten der Raumstation ISS ist das erste im All gedrehte Musikvideo überhaupt.

Im Einflussbereich der ehemaligen Sowjetunion wurde der "Kosmonaut" hingegen nur positiv dargestellt - von den Astronautenfiguren bei Stanislaw Lem einmal abgesehen. "Das geht bis heute durch", sagt Keazor. "Wenn Sie sich einen Film von 2017 wie Salyut-7 anschauen, wo also zwei Kosmonauten die Weltraumstation Salyut-7 retten."

Letztlich, so Keazor, seien Astronauten "in gewisser Weise Verständigungsfiguren". Denn anhand ihrer machten wir uns klar, wie wir uns eigentlich selber sähen: "Was weisen wir uns selber als Rolle zu? Und auch so ein bisschen die Frage: Was für eine Zukunft stellen wir uns eigentlich vor?" In der Figur des Astronauten bündelten sich Ängste, Hoffnungen und Konflikte:

"Der Astronaut, die Astronautin ist eigentlich immer so eine Spielfläche, auf der man gesellschaftliche Konflikte auch ganz gut verhandeln kann, seien das Rassenkonflikte, seien das Geschlechterkonflikte."

 (uko)

Henry Keazor (Hrsg.): "We Are All Astronauts. The Image of the Space Traveler in Arts and Media"
Neofelis-Verlag 2019
250 Seiten mit 105 S/W- und farbigen Abbildungen, 26 Euro
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