Das Feature, vom 26.06.2020, 20:05 Uhr

Warum Firmen mehr Demokratie wagenWeg mit den Chefs!

Sehr viel Zeit verbringen die Deutschen arbeitend, sehen die Kollegen oft häufiger als Familienmitglieder. Dafür haben sie auf das, was in der Firma passiert, erstaunlich wenig Einfluss. Die deutschen Unternehmen wirken wie die letzten Bastionen des Feudalismus.

Drei Menschen in Arbeitskleidung streiten. (imago images / Westend61)
Für viele Arbeitnehmer ist am Ende der Chef der Grund für die Kündigung. (imago images / Westend61)

In seinem Buch „Das Büro“ beschrieb der niederländische Autor J. J. Voskuil „das Gefühl von Einsamkeit, das man hat, das Gefühl, jeden Moment vor die Tür gesetzt werden zu können“. Er sprach damit all denen aus der Seele, die sich in ihrem Job ungehört fühlen.

Auch Waldemar Zeiler gehörte zu den Unzufriedenen. Als Mitarbeiter hielt er es in keiner Firma lange aus. Bei seinem neuesten Unternehmen, dem Berliner Kondomhersteller Einhorn, läuft deshalb alles anders: Die Mitarbeiter bestimmen selbst über ihre Arbeitszeiten, den Arbeitsort und die Gehälter - auch über die ihrer Chefs. Für Zeiler ist null Hierarchie die ideale Lösung: „Ziel jeder Chefin und jedes Chefs sollte es sein, sich langfristig selbst abzuschaffen.“

Auch in der Berliner Beratungsagentur Dark Horse verwalten sich die Mitarbeiter selbst. Ihr Motto: „Thank God it’ s Monday!“ Dass mehr Demokratie nicht nur in kleinen, jungen Start-ups möglich ist, sondern auch auf Konzernebene, zeigt die Frankfurter DB Systel GmbH mit ihren 4.500 Mitarbeitern. Der Umbruch habe die Deutsche Bahn-Tochter flexibler und schneller gemacht, sagt Christa Koenen, Vorsitzende der Geschäftsführung.

Weg mit den Chefs!
Warum Firmen mehr Demokratie wagen
Von Jessica Braun

Regie: Mathias Kapohl
Redaktion: Tina Klopp
Produktion: Deutschlandfunk 2020

Jessica Braun, geboren 1975 in Lahr, ist freie Journalistin und Buchautorin. Sie porträtiert Unternehmen, berichtet über Tech- und Gesellschaftsthemen und schreibt über Gesundheitsfragen. Zuletzt erschien ihr Sachbuch, der Spiegel-Bestseller "Atmen".

In insgesamt acht Sendungen sowohl im Feature als auch bei Essay & Diskurs widmet sich der Deutschlandfunk dem "Projekt Weltverbesserung", dem Traum von einer besseren und gerechteren Welt.

Den nächsten Beitrag zum Thema, "Mit der Schreibmaschine die Welt retten –
Neues Engagement in der Literatur" von Miriam Zeh, können Sie am Sonntag, dem 28.06., um 9.30 Uhr hören. 

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