Freistil, vom 09.08.2009

Von Dieter Jandt

Neid ist gelb. Er hat einen scheelen Blick und ist immer nach außen gerichtet. Er lenkt von der eigenen Person ab, raubt Kraft und blockiert die Entwicklung. Stattdessen versucht man, die Beneideten zu entwerten, um sich selbst - zumindest moralisch - überlegen fühlen zu können.

Neidisch auf die Nachbarn? (Stock.XCHNG / Nicole McDaniel)
Neidisch auf die Nachbarn? (Stock.XCHNG / Nicole McDaniel)

In der Bibel wird allenthalben vom Neid abgeraten: Er sei Zeichen der Habgier und der Mißgunst, ein lästiges, lasterhaftes Streben nach weltlichen Werten. Der Neid sei eine durchs Christentum pervertierte Tugend, die sich nicht weiterentwickeln durfte, sagt dagegen Friedrich Nietzsche und betont den kreativen Umgang: Neid als Ansporn zu mehr Leistung. Ähnliches empfehlen neoliberale Geister jenen, die sich sozial benachteiligt fühlen. Man möge sich "ins Zeug legen" anstatt eine Neiddebatte vom Zaun zu brechen. Für den englischen Philosophen Francis Bacon war Neid ein "Zügel für die Großen der Welt". Für jene also, die sich maßlos bereichern. Schließlich gibt es Menschen, die frohgemut erklären, von Neid frei zu sein. Und es gibt jene, die behaupten, das seien die Schlimmsten ...