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Lesart / Archiv | Beitrag vom 26.02.2015

Wanda aus WienDie Rettung des Schlagers

Von Gesa Ufer

Fiaker vor der Kirche am Hof in Wien (dpa / picture alliance / Andy Bernhaut)
Wien ist bekannt für Schlösser und Fiaker - und für gute Musik (dpa / picture alliance / Andy Bernhaut)

"Ja, Panik", "Bilderbuch" und jetzt auch noch eine Band aus Österreich. Aus unserem Nachbarland kommt derzeit jede Menge gute deutschsprachige Musik. Die derzeit größten Abräumer aber sind die fünf Jungs von Wanda. Ob's auch an den Texten liegt?

Schon ihr Name gibt klar die Richtung vor: Wanda haben sich nach der in den siebziger Jahren zu zweifelhaftem Ruhm gekommenen Wiener Zuhälterin Wanda Kuchwalek benannt. Die Tochter einer Schlangentänzerin war die erste Frau überhaupt, die es in Österreich zur Königin der Unterwelt brachte. Mit der liederlichen „Wilden Wanda" verbindet die Band viele ihrer Lieblingsthemen: Liebe, Verrat, Trennung und Tabu, aber auch Schnaps und das gepflegte Laster im Allgemeinen.

Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen, obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht!
Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine reden, obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht!

Inzest gehört auch dazu, wie schon weiland bei den feinen Habsburgern. Überhaupt spielt die österreichische - genau gesagt - die Wiener Herkunft eine wichtige Rolle fürs Selbstverständnis der Band. Reinhard Fendrich und Falco sind wichtige Vorbilder, und der Wiener Schmäh, dieser leicht grantelnd-schlitzohrige Humor gibt die Grundstimmung vor.

Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht! Amore, meine Stadt
Tante Ceccarelli hat einmal in Bologna Amore gehabt! Bologna, meine Stadt.

Erst beim genauen Hinhören wird dieses seltsame Kauderwelsch aus Italienisch und Wienerisch verständlich. Was genau die begehrte Cousine mit der unbekannten Tante Ceccarelli zu tun hat, bleibt im Dunkeln. Egal. Bei Wanda zählt vor allem die halbstarke Pose. „Verschwende Deine Jugend" lautet das radikale Credo des charismatischen, ständig rauchenden Frontmanns mit dem Künstlernamen Marco Michael Wanda. Der verkörpert mit seinen Anfang 20 und dem verknitterten Anzug ungefähr so viel Charme, Coolness und Schlitzohrigkeit wie der junge Jean Paul Belmondo in "Außer Atem".

Und eins merk dir genau

Wenn jemand fragt wohin du gehst, sag nach Bologna!
Wenn jemand fragt wofür du stehst, sag für Amore, Amore!
Wenn jemand fragt wohin du gehst, sag nach Bologna!
Wenn jemand fragt wofür du stehst, sag für Amore, Amore!

Texte sind selten jugendfrei

Anders etwa als ihre österreichischen Diskursrocker-Kollegen von "Ja, Panik" versuchen sich Wanda gar nicht erst an raffinierten Reimen oder mehrdeutigen Bildern. Ihre Texte sind selten jugendfrei sind, mitsingen lassen sie sich so simpel und gut wie Kinderlieder. Wanda kokettieren sogar mit ihrer prolligen Schlichtheit.
"Sag nicht alles so kompliziert / Weil ich versteh' das garantiert nicht"

Zu Wanda gehört auch das Spiel mit dem Morbiden.

Schickt mir die Post schon ins Spital
(Schickt mir die Post schon ins Spital)
Was sein muss muss auch wirklich sein
Besucht die Mama wenn sie schläft
(Schlag dir für mich den Schädel ein)
Schlag dir für mich den Schädel ein

Auch das hat bei den Wienern Tradition. "Der Tod, das muss ein Wiener sein", hat Georg Kreisler einmal gesagt, Wolfgang Ambros besang den Wiener Zentralfriedhof und auch Ludwig Hirschs Spezialität waren seine bizarr-makabren Lieder. Gestorben wird eben immer noch am schönsten in der österreichischen Hauptstadt, oder wie Wanda singen:

Leben willst Du in Rom, aber Sterben wirst Du in Wien.

Bevor es soweit ist, feiern die lässigen Schlawiner von Wanda aber erst einmal weiter – überschwänglich und mitreißend.

 

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