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Im Gespräch | Beitrag vom 19.05.2021

Waldliebhaber und Fotograf Wolfgang SchreilDer Tierversteher

Moderation: Tim Wiese

Porträt des Waldliebhabers und Fotografen Wolfgang Schreil, der sich im Wald befindet und einen Steinmarder auf der Schulter hat. (Wolfgang Schreil)
Selfie mit Steinmarder: Wolfgang Schreil liebt den Wald. (Wolfgang Schreil)

Mit Büchern und Fernsehauftritten ist der Waldführer Wolfgang Schreil inzwischen über Bayern hinaus bekannt. Seine Fotos von gefährdeten Tieren verhinderten einst den Bau einer Gondelbahn. Selbst wenn er krank ist, zieht sich Schreil in den Wald zurück.

"Vergesst das Schleichen!" Wenn man mit Wolfgang Schreil bei einer seiner Waldführungen unterwegs ist, dann ist das meist sein erster Tipp: "Schleichen tut draußen im Wald ein Beutegreifer. Jedes Tier ist also sofort gewarnt. Kein Tier ist so blöd und denkt, dass Du kein Mensch bist."

Filzhut, Rauschebart und Wanderstock

Mit Filzhut, Rauschebart und Wanderstock ist der ehemalige Kraftsportler eine imposante Erscheinung und entspricht dem gängigen bayerischen Klischeebild von einem Mann. Zuhause ist der 46-Jährige in Bodenmais, einem kleinen Ort im Bayerischen Wald. Niemals würde er von hier weggehen.

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"Ich gehöre in den Wald. Es hat noch niemals einen Ort gegeben auf dieser Welt, wo ich mich so sicher, geborgen und wohlgefühlt habe. Ich kann das Handeln der Tiere verstehen, egal wie grausam es manchmal erscheint. Das ist mir bei den Menschen bis heute nicht geglückt. Und ich denke, das wird auch niemals der Fall sein."

Vor Jahren zog es Wolfgang Schreil, den alle nur "Woid Woife" nennen, auf Hochdeutsch "Wald Wolfi", in einen Bauwagen im Wald. Eine Frau hat er, auch ein Haus, aber viele Stunden des Tages verbringt der 46-Jährige hier.

Naturfotograf und Walddoktor

Über die Zeit entwickelte sich Schreil dabei zum passionierten Naturfotografen, und zu einer Art Walddoktor. Denn der "Woid Woife" kümmert sich auch um verletzte Tiere. Eine ganz besondere Verbindung entstand dabei zu einem Marderweibchen, Schreil hat sie großgezogen und Mathilde getauft: "Sie hat mich, glaube ich, genauso geliebt, wie ich sie geliebt habe. Und wir haben uns immer wieder im Wald getroffen."

Um mit den Tieren zu kommunizieren, hat Wolfgang Schreil einen besonderen Pfiff entwickelt, eine Art Erkennungszeichen. Das lockt vom Marder bis zur Meise viele Tiere an seinen Bauwagen. Für Schreil ist der Wald alles. "Er hat auch schon geholfen, wenn es um Krankheiten ging."

Drei Schlaganfälle hatte der 46-Jährige seit 2014, ausgelöst durch Herzrhythmusstörungen. Statt in die Reha zog er sich in seinen Bauwagen zurück. "Es hat sich alles ganz gut gegeben, in rasender Schnelligkeit. Und auch der Doktor hat gesagt: 'Das gibt es nicht'."

Seine Liebe zum Wald hat Wolfgang Schreil aber auch schon eine Menge Ärger eingebracht. Als in einem Waldgebiet in seiner Nähe eine Gondelbahn auf den Berg gebaut werden sollte, konnte er mit Fotos belegen, dass dort gefährdete Tierarten leben. Tatsächlich wurde die Bahn nicht gebaut.

Ein Smartphone als Höchststrafe

Für Wolfgang Schreil keine einfache Zeit. Vielen galt der gelernte Kfz-Mechaniker und ehemalige Totengräber als "Spinner" und "Sonderling". Doch das hat sich geändert. Heute ist der ehemalige Kraftsportler und Deutsche Meister im Steinheben eine prominente Persönlichkeit im Ort, über die Grenzen von Bodenmais bekannt. Zu seinen Waldführungen kommen Menschen aus der ganzen Bundesrepublik.

Zuletzt stand Wolfgang Schreil sogar für die ausgezeichnete Kinderserie "Anna und der wilde Wald" vor der Kamera, er schreibt Bücher und postet regelmäßig Naturfotos. Inzwischen besitzt der "Woid Woife" sogar ein Smartphone. Aber nicht freiwillig, seine Frau wollte es so: "Sie hat immer Angst um mich. Für mich ist es eigentlich eine Höchststrafe."

(ful)

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