Sonntag, 20.10.2019
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 24.07.2018

Waldbrandgefahr in Deutschland"Da löschen ganz viele, aber ineffektiv"

Alexander Held im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Ein Schild an einer Straße in Sachsen warnt vor Waldbrandgefahr (picture alliance / Monika Skolimowska / dpa-Zentralbild / dpa)
Ein Schild an einer Straße in Sachsen warnt vor Waldbrandgefahr (picture alliance / Monika Skolimowska / dpa-Zentralbild / dpa)

Waldbrände könnten auch in Deutschland verheerend wüten wie derzeit in Griechenland, glaubt der Waldbrand-Experte Alexander Held vom European Forest Institute: Man sei nicht ausreichend vorbereitet, um schnell und effektiv reagieren zu können.

Momentan sei eine besondere Situation, so Held: Zum einen gebe es Bereiche, in denen es seit Wochen nicht mehr geregnet habe, zum anderen hätten die Sturmtiefs zu Beginn des Jahres dafür gesorgt, dass noch jede Menge Sturmholz im Wald lagere, wodurch es mehr Borkenkäfer gebe.

Eine Ausnahme-Wettersituation

Einen Standard-Waldbrand hätten die Einsatzkräfte gut im Griff, aber solch eine Ausnahme-Wettersituation wie derzeit überfordere sie: "Da tauchen Feuer auf, die unsere Einsatzkräfte nicht gewöhnt sind und nicht trainiert haben."

Feuerwehrleute bei Löscharbeiten auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose (Lieberoser Heide). Insgesamt war eine Fläche von etwa 400-500 Hektar betroffen.  (dpa / picture alliance / Andreas Franke)Löscharbeiten auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose (Lieberoser Heide). Insgesamt war eine Fläche von etwa 400-500 Hektar betroffen. (dpa / picture alliance / Andreas Franke)

Zu einem Brand kann es innerhalb von Minuten kommen. Wenn dann die Feuerwehr innerhalb der ersten halben Stunde da ist, ist die Chance sehr hoch, dass sie das Feuer eindämmen und kontrollieren kann, sagt Held. Doch über dieses Zeitfenster hinaus und wenn noch Wind hinzu kommt, wird es problematisch:

"Dann erreichen wir sehr schnell Intensitäten, bei denen wir mit unseren Mitteln relativ machtlos sind."

Vegetationsbrand kein Thema in der Ausbildung

Wenn es zu solchen ungewöhnlichen Bränden komme, entstehte rasch Chaos. In diesem Fall müssten die Einsatzkräfte kreisübergreifend oder länderübergreifend zusammenarbeiten. Dies aber werde zu selten trainiert. Auch eine großw Menge an Feuerwehrleuten würde dann nicht viel helfen, so Held:

"Wir hatten jetzt sechs Hektar große Waldbrände in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg. Da sind 700 Einsatzkräfte über eine Woche tätig. Da löschen ganz viele, aber ineffektiv. Mit besser ausgebildeten Leuten bräuchte man einen Bruchteil der Ressourcen."

Das deutsche Feuerwehrwesen sei zwar Weltspitze, aber Vegetationsbrand sei kein Thema in der Ausbildung. Und das, obwohl entsprechende Vorhersagen der Klimaforschung vorlägen: "Wir stehen eigentlich nicht besser da als 1975", erklärt Held. Damals gab es große Waldbrände in Niedersachsen.

Er plädiert für einen länderübergreifenden Wissenstransfer und dafür, Feuerwehrleute anderen Feuersituationen in anderen Ländern auszusetzen. Dies käme ihrem Training zugute.

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