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Studio 9 | Beitrag vom 15.10.2019

VorurteileFünf Gründe, warum die "Jugend von heute" ein Begriff von gestern ist

Von Vladimir Balzer

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Bei den Fridays-for-Future-Protesten hält eine Demonstrantin ein Schild mit der Aufschrift: Tut endlich etwas! Euer Versagen wird uns zum Verhängnis" in die Höhe. (imago / IPON)
Jugendliche kümmern sich um ihre Zukunft - zum Beispiel in Form von Klimaprotesten und -streiks. (imago / IPON)

Selbstgerecht seien die Alten gegenüber der "Jugend von heute", beklagt unser Kolumnist. Die sei nämlich viel differenzierter und vielfältiger als angenommen. Weshalb man ihnen auch mit 16 das Wahlrecht geben sollte, meint Balzer. Traut euch, Politiker!

Nummer eins: Zunächst mal frage ich mich, wie sich dieser abgedroschenste aller Altherren-Sprüche von "Der Jugend" so lange halten konnte. DIE Jugend. Wer soll das sein? Das konnte früher niemand definieren. Das kann heute keiner.

Punkt zwei: Über DIE Jugend sprechen nur Alte. Entschuldigung. "Alt" soll man ja nicht mehr sagen. Ich meine "im besten Alter". Also kurz: alle über 50. Einige von ihnen sprechen über "die Jugend", als sei sie eine unbekannte, wilde Art, die noch domestiziert werden muss. Und diese Nummer zieht jede ältere Generation einmal durch. Pauschalisierungen sind einfach nicht aus der Welt zu bekommen. Und die Selbstgerechtigkeit des Alters auch nicht.

Punkt drei ist ganz simpel. Es gibt "die Jugend" nicht. Die Jugend ist eine mindestens ebenso differenzierte soziale Gruppe wie die Alten oder die Neugeborenen. Schon Babys haben Charakter, der sie unterscheidet. Also, sogar die Aussage "Die Neugeborenen" ist zu pauschal.

Punkt vier: Die Gruppe der jungen Menschen - ich sag mal, alle zwischen 12 und 25 -  ist sogar vielfältiger als die Gruppe der älteren Menschen, also alle über 50. Es gibt junge Menschen, die gehen freitags nicht zur Schule oder blockieren Straßen, weil sie sich selbst um ihre Zukunft kümmern müssen. Anderen ist das wurscht, die leben bevorzugt bei Instagram und shoppen - über ihre Verhältnisse – bei Primark und Zara. Und dann gibt es wieder junge Menschen, die fühlen sich abgehängt. Die radikalisieren sich in Hass-Foren im Netz. Das ist die Bandbreite, von der wir reden. 

Und letzter Punkt: Die Politik stellt wieder eine neue Jugendstudie vor, beteuert aus diesem Anlass, wie wichtig es doch sei, die Interessen der Jugendlichen usw.… usf.…. Aber die Politik schafft es nicht einmal, das Wahlalter im Bund auf 16 zu senken. Traut euch mal! Dann werdet ihr sehen, wie unberechenbar "DIE Jugend" ist.

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