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Vollbild | Beitrag vom 04.07.2015

VorgespultVon Männern in Extremsituationen

Von Noemi Schneider

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Die Regisseurinnen Annika Blendl (links) und Leonie Stade mit dem Protagonisten ihres Dokumentarfilms: Gustl Mollath. (dpa / picture alliance / Felix Hörhager)
Die Regisseurinnen Annika Blendl (links) und Leonie Stade mit dem Protagonisten ihres Dokumentarfilms: Gustl Mollath (dpa / picture alliance / Felix Hörhager)

Ein bayerischer Justizskandal, der Drogenboss Escobar und eine Flucht durch das Atlasgebirge - das sind die Themen der Filme in unserer Kino-Rubrik "Vorgespult". Unserer Rezensentin Noemi Schneider haben alle drei Werke gut gefallen.

"Jedem anständigen Bürger kann in einer Konfliktsituation so übel und so grausam mitgespielt werden. Deshalb rufen wir: Wir sind alle Mollath!"

In "Mollath – und plötzlich bist du verrückt" nehmen sich die beiden Münchner Filmhochschulstudentinnen Annika Blendl und Leonie Stade den bayerischen Justizskandal "Mollath" vor und begleiten den aus der Psychiatrie entlassenen Gustl Mollath bis zum Beginn des Wiederaufnahmeverfahrens und während des Prozesses.

"Wenn sie den Wahrheitsfindungsprozess im Strafprozess betrachten, können sie es vergleichen mit einer Uhr. Wenn sie das Segment zwischen 11 und 12 betrachten, dann ist das der kleine Ausschnitt, der im Strafprozess abgehandelt wird, nicht die gesamte Wahrheit."

So sagt es Mollaths Anwalt, der Hamburger Strafverteidiger Gerhard Strate, an einer Stelle des Films. Die absolute Wahrheit gibt es nicht – der Zuschauer muss sich sein eigenes Urteil bilden."Mollath – und plötzlich bist du verrückt" ist ein Dokumentarfilm im besten Sinne, weil er die Fragen an den Zuschauer weiterreicht, anstatt ihn zu belehren.

Die "Familie" von Drogenboss Pablo Escobar 

"Entschuldige bitte, darf ich dich was fragen?"
"Ja, sicher."
"Also ich …, können wir vielleicht deinen Truck mieten?

Der kanadische Surfer Nick Brady und sein Bruder Dylan wollen sich in Kolumbien den Traum von einer eigenen Surfschule erfüllen. Am Strand begegnet Nick der schönen Kolumbianerin Maria, die ihm ihren Truck umsonst zur Verfügung stellt.

Nick und Maria verlieben sich ineinander. Allerdings ist Maria die Nichte des berühmt berüchtigten  Drogenbosses Pablo Escobar, der Nick in die „Familie“ aufnimmt, was dem smarten Surfer ganz und gar nicht behagt, je mehr er über Escobars Machenschaften herausfindet. 
 
"Wir sind alle eine große Familie, richtig? Also dann nehmt Platz. Niko setz dich dahin, ja. Ich werde mich morgen den Behörden stellen, Freunde. Ich habe euch alle hierher gerufen, weil ich eure Hilfe brauche, wisst Ihr!"

Nick muss einen Auftrag ausführen, bevor er mit seiner Geliebten Maria das Land für immer verlassen will, doch Escobar trachtet auch dem jungen Kanadier nach dem Leben. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt.

In "Escobar – Paradise lost", zeichnet der italienische Regisseur Andrea di Stefano ein furchterregendes Porträt des kolumbianischen Drogenbosses, der sich gerne als Wohltäter und Mann der kleinen Leute inszenierte. Beeindruckend bestialisch verkörpert von Benicio del Toro, dem der 23-jährige Josh Hutcherson als naiver Surfer Nick gegenüber steht. Ein packendes Drama, das kein gutes Ende nimmt, soviel sei verraten.

"Den Menschen so fern" nach Motiven einer Novelle von Camus
 
Als sich Mitte der 50er Jahre in Algerien eine arabische Rebellion gegenüber den französischen Besatzern zusammenbraut, soll der zurückgezogen lebende Französischlehrer und ehemalige Soldat Daru einen arabischen Gefangenen zu dessen Prozess in die nächstgelegene Stadt eskortieren. Der Humanist Daru weigert sich und kümmert sich um den kranken Gefangen Mohamed in seinem Schulhaus.

Als jedoch die Dorfbewohner das Schulhaus angreifen, um die Herausgabe des Gefangenen zu fordern, beschließt Daru gemeinsam mit Mohamed vor ihren Verfolgern über die Berge zu fliehen. Die gefährliche Reise durch das Atlasgebirge im eisigen Winter bringt die beiden ungleichen Männer einander näher.

Wenig Dialog, atemberaubende Bilder und Musik von Nick Cave und Warren Ellis sind die Zutaten des Films "Den Menschen so fern", in dem der französische Regisseur David Oelhoffen Motive aus Camus Novelle "Der Gast" verarbeitet.

Viggo Mortensen und Reda Kateb verkörpern die beiden Hauptdarsteller dieses preisgekrönten atmosphärischen Wüsten-Western-Kammerspiels. Die Stärke des Films, der in der Originalfassung mit Untertiteln zu sehen ist, liegt in seiner sprachlosen, musikalischen Bildgewalt, auf die man sich als Zuschauer einlassen muss.

Mehr zum Thema:

Urteil - Freispruch für Mollath - allerdings zweiter Klasse
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 14.08.2014)

Gustl Mollath - Ende einer juristischen Farce(Deutschlandradio Kultur, Kommentar, 14.08.2014)

Kolumbien - Der Hofmusikant von Pablo Escobar
(Deutschlandfunk, Eine Welt, 30.11.2013)

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