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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 16.05.2017

Vorbild AsterixDie Mini-Nationen Australiens

Von Andreas Stummer

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Grenzschild Hutt River - Mini-Nation in Australien.  (Andreas Stummer)
Grenzschild Hutt River - Mini-Nation in Australien. (Andreas Stummer)

So wie sich bei Asterix die Gallier nichts von den Römern vorschreiben lassen wollen, gibt es auch Gegenden in Australien, die nach ihren eigenen Vorstellungen leben. Die Rede ist von Mikro-Nationen. Kein anderes Land der Welt hat davon mehr als Australien.

Mini-Staaten, die feste Territorien beanspruchen und deren Bürger ihre eigenen Gesetze und Regeln aufgestellt haben und damit der konstitutionellen Demokratie Australiens den Rücken kehren. Diese Mini-Nationen haben oft ihre eigenen Pässe, ihre eigene Währung, eine eigene Hymne, meist steuerfreien Status und natürlich ihre eigenen Regierungen.

Australien - Mini-Nation: George der Zweite.  (Andreas Stummer)Australien - Mini-Nation: George der Zweite. (Andreas Stummer)

Die Gründe für das "Abspalten" vom Mutterland reichen von politischer Abgrenzug und Weltverbesserei bis zum ultimativen Protest gegen das Establishment.

Australien - Mini-Nation: Büste Prinz Leonard Hutt River. (Andreas Stummer)Australien - Mini-Nation: Büste Prinz Leonard Hutt River. (Andreas Stummer)
Bestes Beispiel ist Australiens älteste, größte und bekannteste Mikro-Nation, die Hutt River Provinz in Westaustralien: Eine 75 Quadratkilometer große Farm, die sich 1970 von Australien für unabhängig und zu einem freien Fürstentum erklärt hat. Grund war zunächst ein Protest des Weizenfarmers Leonard Casley gegen die verordneten Weizen-Verkaufsquoten der Regierung.

Zwar wird das Fürstentum nicht offiziell von der australischen Regierung als unabhängiger Staat anerkannt - aber geduldet. Es werden keine Steuern mehr von den Einwohnern einbehalten und alle staatlichen Leistungen - vom Kindergeld bis zu Rentenzahlungen - wurden eingestellt. Auch wählen darf man in Hutt River nicht mehr. Dafür haben die 23 ständigen Einwohner 18.000 "Gleichgesinnte" in aller Welt, die einen Pass des Fürstentums tragen.

Australien - Währung der Mini-Nation Atlantium. (Andreas Stummer)Australien - Währung der Mini-Nation Atlantium. (Andreas Stummer)

Australiens kleinste Mikro-Nation ist "Atlantium", gegründet 1981, Größe: nicht einmal ein Quadratkilometer. Der Mini-Staat hat seine eigene (Mini-)Pyramide, eigene Briefmarken, Münzen, ein Postamt und ist stolz darauf nicht ans australische Gas-, Wasser oder Stromnetz angeschlossen zu sein. Atlantium ist es bierernst mit progressiver, liberaler Politik vom Recht auf Abtreibung und Sterbehilfe bis zum internationalen Recht, sich frei überall auf der Welt bewegen zu dürfen. Ein säkulares, humanistisches Utopia, das mehr als 3.000 Menschen in aller Welt, die online Bürger von Atlantium geworden sind, unterstützen.

Obwohl Australien Mikro-Nationen auf dem eigenen Staatsgebiet rechtlich nicht anerkennt, dürfen sie weiter existieren. Voraussetzungen: eine ständige Einwohnerschaft, ein abgestecktes Territorium, eine eigene Regierung und der Wille und die Kapazität mit anderen Staaten diplomatische Beziehungen zu haben.

Es gilt australisches Recht auf den Sezessionsgebieten, aber sonst werden die "Abtrünnigen" alleine gelassen. Die Pässe, die sie ausstellen, dürften bei Grenzbeamten und am Flughafen eher Schmunzeln auslösen. Die Länder sind Kuriositäten, echte Randerscheinungen. Auch wenn sich die Gründer selbstbewusst mit Monaco oder dem Vatikan vergleichen - mit dem großen Unterschied, dass diese Zwergstaaten völkerrechtlich anerkannt sind.

Aber Träumen von einer besseren Welt darf ja wohl erlaubt sein...

Das Manuskript der Sendung in pdf-Format finden Sie hier

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