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Interview / Archiv | Beitrag vom 10.09.2018

Vor der Offensive in Idlib "Die Menschen haben Angst"

Kilian Kleinschmidt im Gespräch mit Ute Welty

Einige Personen durchsuchen die Trümmer nach den Luftangriffen der syrischen Regierung. Die syrische Regierung hat zusammen mit ihrem Verbündeten Russland Menschenrechtlern zufolge die schwersten Luftangriffe auf die Rebellenprovinz Idlib seit einem Monat geflogen.  (dpa/ picture alliance/ Anas Alkharboutli)
Syrische und russische Luftangriffe erschüttern die Region Idlib und sind Vorboten der drohenden Offensive (dpa/ picture alliance/ Anas Alkharboutli)

In der Region Idlib blicken viele Menschen mit Panik der drohenden Offensive entgegen, sagt der Syrien-Kenner Kilian Kleinschmidt. Drei Millionen Menschen sitzen in der Region fest, weil die Grenzen in die Türkei und nach Jordanien zu sind. Syrien und Russland flogen bereits wiederholte Luftangriffe.

Russische und syrische Kampfflugzeuge haben ihre schweren Luftangriffe gegen Ziele in der syrischen Provinz Idlib fortgesetzt. Dabei seien ein Krankenhaus getroffen und ein Kleinkind getötet worden, teilten Beobachter und Retter mit. Nach Angaben von Augenzeugen sollen syrische Armee-Hubschrauber auch Fassbomben auf Dörfer im Süden abgeworfen haben.

Kilian Kleinschmidt, ehemaliger Leiter des Flüchtlingslagers Zaatari in Jordanien (picture alliance / dpa / Supova Tereza)Kilian Kleinschmidt hat sich auf den Aufbau von Flüchtlingslagern spezialisiert. (picture alliance / dpa / Supova Tereza)

Die Region Idlib mit rund drei Millionen Menschen sei voll mit Menschen, die aus anderen Teilen Syriens dorthin geflüchtet seien, sagte der Unternehmer und Syrien-Kenner Kilian Kleinschmidt, der in vielen Krisengebieten dieser Welt Flüchtlingslager aufgebaut hat, im Deutschlandfunk Kultur. Sie lebten in überfüllten Quartieren, Wohnungen und Häusern. "Da kommt jetzt diese Offensive und die Menschen haben Angst", sagte Kleinschmidt. Er habe selbst persönlich Kontakte zu Geflüchteten in Idlib, die in Panik warteten. 

Alle Grenzen dicht

Viele Aktivisten fürchteten auch die Zeit nachdem die Region überrannt worden sei und es zu Vergeltung, Verhaftungen und Folter kommen werde. Diese Erfahrungen hätten viele schon in Aleppo und anderswo gemacht. "Sie wissen genau, dass die Grenzen dicht sind, dass man nicht mehr Flüchtling werden kann, dass man nicht mehr ins sichere Exil kommen kann." Die Türkei und Jordanien hätten die Grenzen geschlossen. "Man kommt aus Syrien gar nicht mehr heraus und das ist, glaube ich, das schreckliche."    

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