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Wortwechsel / Archiv | Beitrag vom 01.09.2017

Vor der BundestagswahlWas ist uns Bildung wert?

Moderation: Elke Durak

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Eine junge Lehrerin schreibt am 17.08.2016 an eine Schultafel im Mathematikunterricht einer 8. Klasse an einer Integrierten Gesamtschule in Hannover (Niedersachsen).  (dpa/ picture alliance/ Julian Stratenschulte)
Schülerinnen und Schüler beim Mathematikunterricht. (dpa/ picture alliance/ Julian Stratenschulte)

Bildung ist eines der zentralen Themen im Bundestagswahlkampf. Handlungsbedarf gibt es hinreichend: marode und schlecht ausgestattete Schulen, zu große Klassen, überlastete Lehrer. Was sind die größten Baustellen in unserem Bildungssystem?

Sie ist eines der Themen im Bundestagswahlkampf: die Bildung. In Umfragen steht sie bei den Bürgerinnen und Bürgern ganz weit oben. Schließlich liegt auch genug im Argen: marode und schlecht ausgestattete Schulen, zu große Klassen, überlastete Lehrer. Unterschiedliche Bildungsstandards erschweren einen Schulwechsel von einem ins andere Bundesland. In keinem europäischen Land hängen zudem Herkunft und Bildungschancen so stark miteinander zusammen wie hierzulande: Während 77 Prozent der Akademikerkinder studieren, schaffen es nur 23 Prozent der Arbeiterkinder an eine Universität. Bei den Bildungsausgaben gehört Deutschland zu den europäischen Schlusslichtern. Ausreichend Angriffspunkte für die Parteien, die sich mit Versprechen und Forderungen überbieten.

Was sind die größten Baustellen in unserem Bildungssystem? Wie können sie bewältigt werden? Liegt es nur am mangelnden Geld? Und wie können Bund und Länder bei dem Thema besser kooperieren?

Über diese und andere Fragen diskutieren im Wortwechsel

Robert Rauh, Lehrer und Autor:

"Wir steuern, wenn das so weitergeht, auf eine Bildungskatastrophe zu, weil wir in den nächsten Jahren wahrscheinlich Zehntausende von neuen Lehrern brauchen – und wir haben sie einfach nicht. Und wir behelfen uns mit Quereinsteigern – und das führt zu einer Entqualifizierung des Lehrerberufs."

Heike Schmoll, Frankfurter Allgemeine Zeitung / "Bildungswelten":

"Da ich täglich mit dem Bundesbildungsministerium zu tun habe, weiß ich gar nicht, wie man auf die Idee kommen kann, dass ein zentrales Ministerium in Berlin die Schule besser machen könnte, als eine zugegebenermaßen zuweilen etwas ärgerliche Kultusministerkonferenz. Wenn man die Länder der Bildungspolitik beraubt, macht man nicht nur die Länderparlamente überflüssig, sondern ich glaube, man hebt auch einen Wettbewerb auf, der an manchen Stellen in Deutschland auch gut ist."

Dr. Dieter Dohmen, Leiter des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FIBS):

"Das, was es geben muss, dass es in Teilen eine Kooperation insoweit geben muss, dass der Bund den Ländern, den Kommunen unter die Arme greifen muss. Wir haben ein Auseinanderdriften der wirtschaftlichen Entwicklung zwischen Nord und Süd oder zwischen Süd und Nord und Ost. Und diese Rahmenbedingungen, besonders auf kommunaler Ebene, bestimmen ganz entscheidend, was eine Schule beziehungsweise, was Bildung leisten kann in den Rahmenbedingungen. Und da müssen sie kooperieren. Wir haben Kommunen, die können gar nicht in Bildung investieren."

Suat Yilmaz, stellvertretender Leiter des NRW-Zentrums für Talentförderung:

"Es gibt manchmal kleine Lösungen: Wir experimentieren in Nordrhein Westfalen gerade mit der RAG-Stiftung zusammen: Wir haben ein Schülerstipendienwerk aufgebaut, da bekommen Schüler ab der 8. Klasse eine Förderung. Das heißt, sie bekommen nicht das Geld ausbezahlt, sondern können ins Theater gehen, Sprachkurse machen, bekommen einen Laptop usw. – vier Jahre lang, kann auch länger dauern. Jetzt stellen Sie sich mal vor, wir machen das für 200 Schüler im Ruhrgebiet: Was könnte ein Land wie Deutschland investieren, wenn man davon ausgeht, dass ein Stipendium 6000 Euro in vier Jahren kostet. (…) Wie viele Kinder könnten wir mit 100 Millionen Euro erreichen!"

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