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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 03.04.2019

Vor den Wahlen in IndienDie Geschichtswissenschaft im Fadenkreuz der Hindu-Nationalisten

Moderation: Philipp Schnee

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Narendra Modi steht an einem Rednerpult und gestikuliert. (imago/Hindustan Times/Santosh Kumar)
"Diskurs der verletzten Gefühle": Der indische Premierminister Narendra Modi bei einer Wahlkampfveranstaltung im April 2019. (imago/Hindustan Times/Santosh Kumar)

Die hindu-nationalistische Regierung Indiens macht mit der Geschichte Politik. Die Konsequenzen spüren kritische Historiker: Sie werden mitunter tätlich angegriffen.

In den Ländern, in denen die Demokratie in den letzten Jahren einen autoritäreren Drall bekommen hat, gibt es den Trend, mit Geschichte wieder anders Politik zu machen. Die Geschichte, die eigene Geschichte, soll wieder vornehmlich der Erbauung der Nationalkultur dienen.

So auch in Indien. Dort regieren seit 2014 die Hindu-Nationalisten der BJP unter Premierminister Narendra Modi. Diesen Monat stellen sie sich zur Wiederwahl. Bernd Musch-Borowska berichtet über die eigenwillige Geschichtspolitik der Hindu-Nationalisten - und deren Folgen für die muslimische Bevölkerung.

"Eine anti-intellektualistische Regierung"

Außerdem sprechen wir mit dem Historiker Ravi Ahuja, der zu verschiedenen Aspekten der indischen Sozialgeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts geforscht hat. "Die jetzige Regierung sieht die Geschichtswissenschaft als einen Ort der Unruhe. Es ist eine anti-intellektualistische Regierung", sagt er: Alternative oder gar überzeugende Geschichtsnarrative hätten die konservativen Kräfte, anders als früher, momentan nicht anzubieten.

Nach Ahujas Ansicht werde von den hindu-nationalistischen Kräften ein "Diskurs der verletzten Gefühle" bedient. Für die Historiker in Indien habe dies konkrete Folgen: Selbst an exponiertesten Universitäten gebe es tätliche Angriffe und manipulierte Strafanzeigen seitens rechter Studenten zu verzeichnen. 

"Wir finden aber auch Eingriffe, die sehr viel wirksamer und nachhaltiger sein könnten, wenn sich diese Entwicklung fortsetzt. Es gibt für die zentralen indischen Universitäten eine Richtlinie, derzufolge alle Doktorarbeitsthemen von der Hochschulverwaltung auf ihre Nützlichkeit für nationale Belange überprüft werden sollen." Auch würden in manchen Regionen bereits Schulbücher verändert, um auf den Nachwuchs mehr Einfluss auszuüben.

Allerdings gebe es auch Anlass zur Hoffnung: "In Indien gibt es eine stark entwickelte kritische Meinung."

(Onlinefassung, thg)

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