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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 06.04.2016

Vor 75 JahrenWehrmacht greift Jugoslawien und Griechenland an

Von Volker Ullrich

Motorisierte Kolonnen der Wehrmacht auf dem Vormarsch in Jugoslawien während des Balkanfeldzuges im Jahr 1941. (picture-alliance/ dpa)
Die Wehrmacht auf dem Vormarsch in Jugoslawien während des Balkanfeldzuges im Jahr 1941. (picture-alliance/ dpa)

Am 6. April 1941 begann der deutsche Angriff auf Jugoslawien und Griechenland. Auslöser war ein Militärputsch in Belgrad, mit dem der zuvor vollzogene Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt rückgängig gemacht werden sollte.

"Das Deutsche Reich befindet sich seit heute Morgen im Kampf gegen die Usurpatoren von Belgrad und im Kampf gegen jene Verbände, die Großbritannien vom Balkan aus wieder versucht, gegen den Frieden Europas schicken zu können."

Mit dieser Proklamation, verlesen durch Propagandaminister Goebbels, machte Hitler am 6. April 1941 die deutsche Öffentlichkeit mit seiner Entscheidung bekannt, auf dem Balkan einen neuen Kriegsschauplatz zu eröffnen. Der Angriff auf Jugoslawien und Griechenland hatte eine längere Vorgeschichte. In seiner Weisung vom 18. Dezember 1940 – Deckname "Fall Barbarossa" – hatte der Diktator befohlen, die Sowjetunion in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen; die Vorbereitungen sollten bis Mitte Mai 1941 abgeschlossen sein.

Klärung der Machtverhältnisse auf dem Balkan

In der Zwischenzeit bemühte sich die deutsche Regierung darum, die Machtverhältnisse auf dem Balkan zu ihren Gunsten zu klären. Ungarn und Rumänien waren bereits im November 1940 dem Dreimächtepakt zwischen Deutschland, Italien und Japan beigetreten. Bulgarien folgte dem Beispiel am 1. März 1941. In Jugoslawien freilich standen die traditionell engen Bindungen vor allem der Serben zu Russland einem Anschluss an Deutschland im Wege. Erst nach schwierigen Verhandlungen stimmte die Regierung in Belgrad am 25. März dem Beitritt zum Dreimächtepakt zu.

"Das hätten wir also auch geschafft. War eine schwere Geburt",

notierte Goebbels in sein Tagebuch. Doch die Freude war verfrüht. Denn nur zwei Tage später putschten serbische Offiziere, stürzten die Regierung und setzten den noch minderjährigen Peter II. anstelle des Prinzregenten Paul als neuen König ein. Hitler reagierte prompt. Noch am Abend des 27. März ordnete er an, Jugoslawien so rasch wie möglich zu zerschlagen. Gleichzeitig sollte nun der schon seit Längerem geplante Feldzug gegen Griechenland stattfinden. Mit ihm wollten die Deutschen dem italienischen Verbündeten zur Hilfe kommen, der Griechenland im Oktober 1940 überfallen, seitdem aber einen Rückschlag nach dem anderen erlebt hatte.

Deutsche Luftwaffe bombadiert Belgrad

In den Morgenstunden des 6. April 1941 eröffnete die deutsche Luftwaffe die Offensive mit einem massiven Bombardement der jugoslawischen Hauptstadt. Große Teile Belgrads versanken in Schutt und Asche; Tausende Zivilisten fanden den Tod. Die deutsche Propaganda feierte die barbarische Aktion als verdientes "Strafgericht". Bereits in den ersten Tagen des Krieges zeigte sich, dass weder die jugoslawischen noch die griechischen Streitkräfte trotz tapferer Gegenwehr dem konzentrierten Angriff der Wehrmacht gewachsen waren. Überall durchbrachen die deutschen Panzerverbände die Abwehrstellungen. Am 17. April kapitulierte Jugoslawien; einige Tage später musste auch die griechische Armee die Waffen strecken. Am 27. April gab das Oberkommando der Wehrmacht bekannt:

"Nach rastlosen Angriffen und Verfolgungskämpfen sind die Spitzen einer deutschen Panzerdivision den fliehenden Engländern nachgestoßen und heute Morgen 9.25 in Athen eingedrungen. Auf der Akropolis wurde die Hakenkreuzfahne gehisst."

Auch die griechische Armee musste die Waffen strecken

Das Gros des britischen Expeditionskorps, das in den Monaten zuvor auf dem Peloponnes eingetroffen war, konnte sich allerdings dem Zugriff der Wehrmacht entziehen. Wie in Serbien, das unter deutsche Militärherrschaft gestellt wurde, sollte sich auch in Griechenland schon bald der Widerstand der Partisanen regen, gegen den die Besatzer mit zahlreichen Massakern an der Zivilbevölkerung vorgingen. Am 28. April kehrte Hitler nach Berlin zurück. Zwei Tage später legte er den Angriffstermin für das Unternehmen "Barbarossa" auf den 22. Juni fest. Die zeitliche Verzögerung, die durch den Balkankrieg entstanden war, betrachtete er nicht als gravierend. Im Gegenteil: Der neuerliche Triumph der Wehrmacht schien ihm eine Gewähr dafür zu bieten, dass er auch mit der Sowjetunion leichtes Spiel haben würde. In seiner Reichstagsrede in der Krolloper am 4. Mai erklärte er:

"Im Übrigen kann ich Ihnen, meine Abgeordneten, Männer des Reichstags, nun die Versicherung geben, dass ich mit voller Ruhe und höchster Zuversicht in die Zukunft blicke."

In acht bis zwölf Wochen, so rechneten Hitler und seine Generalität, würde man die Rote Armee besiegt haben, und danach würde das bolschewistische System wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Das aber sollte sich als eine grandiose Fehlspekulation erweisen.

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