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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 21.05.2019

Vor 75 JahrenPippi Langstrumpf erwacht zum Leben

Von Carola Zinner

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Lächelnd trägt die Schauspielerin Inger Nilsson in einem Film von 1968 als "Pippi Langstrumpf" ihr Äffchen "Herr Nilsson" auf der Schulter spazieren.  (picture alliance / dpa )
Rote Zöpfe, ein schelmisches Lächeln und den Affen "Herr Nilsson" auf der Schulter: Den Namen Pippi Langstrumpf hatte Astrid Lindgrens Tochter sich ausgedacht. (picture alliance / dpa )

Immun gegen jede Autorität: Mit "Pippi Langstrumpf" erschuf Astrid Lindgren eine Heldin, die den Verlagen anfangs nicht geheuer war. Entstanden war die Idee zu Pippi in Zusammenarbeit mit Lindgrens Tochter. Die bekam vor 75 Jahren die erste Fassung.

"Jetzt kommt die Pippi Langstrumpf, Pippi Lotta, Trallali trallala tralla hopsasa."

"Ich würde wirklich gerne mit ihr tauschen, weil dann hätte ich etwas mehr Kohle, ich hätte ein Pferd, ich hätte einen Affen, es wäre schon schön!"

Denn es gibt ja auch noch die eigene Villa, dazu Riesenkräfte und – den wunderbarsten Namen der Welt.

"Erzähl von Pippi Langstrumpf, sagte Karin - sie hatte den Namen in diesem Moment erfunden. Und ich fing an von Pippi zu erzählen. Es war ja ein merkwürdiger Name, und deshalb wurde es ein merkwürdiges Kind."

Die Tochter lag krank im Bett und langweilte sich

Viele Male schilderte Astrid Lindgren die Entstehungsgeschichte ihrer berühmten Hauptfigur: Pippi Langstrumpf - neun Jahre alt, Sommersprossen, rote Zöpfe und verrückte Kleidung.

1941 hatte Lindgren die freche Romanheldin erfunden, auf Wunsch ihrer siebenjährigen Tochter Karin, die krank im Bett lag und sich langweilte. Und als drei Jahre später Astrid Lindgren selbst nach einem Sturz mit verstauchtem Fuß das Bett hüten musste, nutzte sie die unfreiwillige Pause, um die Geschichten endlich aufzuschreiben.

Am 21. Mai 1944 bekam Karin das ordentlich abgetippte Manuskript von "Pippi Langstrumpf" zum 10. Geburtstag, samt kleiner Zeichnung, die die schlaksige Hauptfigur mit den langen, verschiedenfarbigen Strümpfen zeigte – halb Kind, halb Clown.

"Pippi zog ihre großen Schuhe aus und legte sie hübsch auf den Brotteller. Danach band sie zwei Scheuerbürsten an ihre bloßen Füße, und nun lief sie über den ganzen Fußboden, so dass es immer 'patsch' sagte, wenn sie durch das Wasser pflügte. 'Ich hätte eigentlich Schlittschuhprinzessin werden sollen', sagte sie und hob ein Bein in die Luft hoch, sodass die Scheuerbürste an ihrem linken Fuß ein Stück der Hängelampe kaputtschlug. 'Grazie und Anmut habe ich wenigstens.'"

Die verrückte Pippi passt nicht in die Pädagogik der Zeit

Witzig, verrückt und völlig immun gegen jede Art von Autorität: eine fast allmächtige Heldin, die die Ordnung der Welt permanent auf den Kopf stellt, das passte auch im einigermaßen toleranten Schweden Mitte der 1940er-Jahre nicht ins pädagogische Konzept. Entsprechend vorsichtig war die 37-jährige Lindgren, als sie das Manuskript schließlich einem Verleger anbot.

"Ich selber fand, dass Pippi eine gefährliche Sache war und ich unterzeichnete meinen Brief an den Verlag mit folgenden Worten, das erinnere ich: 'in der Hoffnung, dass Sie nicht das Jugendamt alarmieren.' Naja. Dieses taten sie glücklicherweise nicht, aber das Manuskript schickten sie mir zurück. Es sei gewiss humorvoll und originell, aber sie hatten ja schon so viele Bücher, haben sie geschrieben. Und das war ungefähr das, was ich erwartet hatte."

Lindgren aber blieb am Ball und reichte eine leicht entschärfte Version der ursprünglichen Fassung bei einem Wettbewerb für Kinderbücher ein. Und gewann den ersten Preis.

"Und da sagte ich zu meiner Tochter: Eigentlich sollte ich das Geld mit dir teilen, denn du hast ja den Namen erfunden. Aber da sagte Karin – sie war ja groß geworden: sei bitte so lieb und mische mich nicht in diese Dummheiten hinein!"

Der Verleger macht das Geschäft seines Lebens

Es fand sich bekanntlich dann auch noch ein Verleger, der sich für die "Dummheiten" interessierte, und er machte damit das Geschäft seines Lebens. Genau wie Heidi und Friedrich Oetinger, die 1949 nach einem Schweden-Besuch die deutschen Rechte von "Pippi Langstrumpf" erwarben.

"Astrid Lindgren wehrte zunächst fast ab und sagte: 'Ach Gott, fünf deutsche Verlage haben das schon abgelehnt, ich glaube nicht, dass das was für Deutschland ist.' Und dann lebten wir nur für Pippi."

Heute sind neben den drei Pippi-Langstrumpf-Bänden noch viele weitere Werke aus Lindgrens Feder Klassiker der Kinderliteratur. Der Meisterdetektiv "Kalle Blomquist", "Karlsson vom Dach", der tapfere "Mio" und "Ronja", die beste aller Räubertöchter: Eine ganze Karawane einzigartiger Figuren zieht durch die Phantasien, die die schwedische Schriftstellerin den Kindern dieser Welt hinterlassen hat – und allen voran tanzt mit viel zu großen Schuhen – doch stets bestens gelaunt – Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf.

"Wunderbar! Bezaubernd!"

"Was findest du so bezaubernd?", fragte Tommy.

"'Mich', sagte Pippi zufrieden."

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