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Studio 9 | Beitrag vom 18.02.2018

Vor 75 Jahren fliegt die Weiße Rose aufSpäte Helden

Wolfgang Benz im Gespräch mit Oliver Thoma

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Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst (v.l.n.r.) von der Münchner Widerstandsbewegung "Weiße Rose" (AP Archiv)
Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst (v.l.n.r.) von der Münchner Widerstandsbewegung "Weiße Rose" (AP Archiv)

Genau an dem Tag als Goebbels fragte: "Wollt Ihr den totalen Krieg?", warfen Hans und Sophie Scholl die Flugblätter der "Weißen Rose" von der Balustrade der Münchner Universität. Eine mutige Aktion, die zu ihrer Verhaftung und vier Tage später zu ihrer Hinrichtung führte.

Ein unglücklicher Zufall besiegelte am 18. Februar 1943 das Schicksal der Geschwister Scholl. Gerade in dem Moment als die beiden einen Stapel Flugblätter in die Eingangshalle der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) hinabstießen, erblickte sie der Hausmeister Jakob Schmidt. Der Mann meldete die Aktion dem regimetreuen Rektor der Universität. Die Geschwister wurden von der Gestapo verhaftet. Nur vier Tage später wurden sie und ihr Freund Christoph Probst mit dem Fallbeil hingerichtet. Heute erinnert ein Mahnmal aus steinernen Flugblättern an der LMU an die mutigen Studenten. 1943 sah das natürlich anders aus, sagt der Historiker Wolfgang Benz, der ein Buch über die "Weiße Rose" geschrieben hat:

"Die Universität hat sich strikt von ihnen distanziert. In einer Veranstaltung haben der Rektor und alle ihnen den Studentenstatus aberkannt und sie mit Schmähungen überschüttet."

Blick in den Lichthof der Münchner Universität (undatiert). Hier liessen Hans und Sophie Scholl am 18.02.1943 Flugblätter gegen das Nazi-Regime flattern. Der Hausmeister alarmierte die Gestapo und am 22.02.1943 wurden die Geschwister, Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose, nach einem Schuldspruch durch den gefürchteten Volksgerichtshof in München-Stadelheim hingerichtet. Die Orgel (rechts) erklang erstmalig zum 20. Todestag der Geschwister Scholl und ist allen Widerstandskämpfern gewidmet. (dpa / Klaus Heirler)Lichthof der Münchner Universität (dpa / Klaus Heirler)

Während des dreitägigen Verhörs in der Münchner Gestapo-Zentrale versuchten die Geschwister Scholl die anderen Widerstandskämpfer der "Weißen Rose" zu schützen, indem sie sich als Hauptakteure präsentierten. Auch als Sophie Scholl ihr Leben hätten können, indem sie ihre Überzeugungen verriet, tat sie dies nicht. Kurz vor ihrem Tod schrieb sie:

"So ein herrlicher sonniger Tag, und ich soll gehen. (...) Was liegt an meinem Tod, wenn durch unser Handeln Tausende von Menschen aufgerüttelt und geweckt werden."

Sophie und Hans Scholl stammten aus einem liberalen und regimekritischen Elternhaus. Dass sie aber, wie die Protokolle der Verhöre zeigen, auch im Angesicht des Todes so entschlossen für ihre Überzeugungen eintraten, beeindruckt Menschen bis heute.

"Die Weiße Rose, das waren lebenslustige, freundliche, junge Menschen. Sophie Scholl war 21 Jahre alt. Der Älteste war gerade 26. Und sie waren vollkommen auf sich allein gestellt. Es gab also nicht wie bei Stauffenberg eine militärische Elite, die monate-, jahrelang darüber nachgedacht hat. Das zögernde und zaudernde, konservative, elitäre Bürgertum und die Aristokratie, die sich nur unglaublich spät, als schon längst alles verloren war, dazu durchringen konnten, ein Zeichen zu setzen. Da waren die Münchner Studenten mit ihrem Mentor Kurt Huber sehr viel hellsichtiger und schneller. Das macht ihren Rang aus."

(mw)

 

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