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Studio 9 | Beitrag vom 23.01.2019

Vor 30 Jahren starb Salvador Dalí "Wer seine Werke sieht, hasst oder liebt sie"

Von Oliver Neuroth

ST PETERSBURG, RUSSIA - MAY 23, 2018: An exhibition of sculptures by Spanish surrealist Salvador Dali, takes place at the Erarta Museum of Contemporary Art in St Petersburg. Yuri Smityuk/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY TS080C87  (imago stock&people)
Auch heute noch versprechen Dali-Ausstellungen glänzende Besucherzahlen, wie hier in St. Petersburg 2018. (imago stock&people)

Für die einen war er ein Genie, für die anderen ein Verrückter: der spanische Künstler Salvador Dalí. Heute vor 30 Jahren starb der Maler und Surrealist. Als sein Leichnam exhumiert wurde, war der ikonische Bart noch immer am rechten Platz.

Salvador Dalí führt eine nackte Blondine an einem Hundehalsband durch ein spanisches Dorf. Er entwirft Damenschuhe mit Sprungfedern, was nach seinen Worten den Genuss des Gehens erhöht. Und gibt einem seiner Gemälde den Namen: "Manchmal spucke ich voller Freude auf das Bild meiner Mutter".

"Dalí hat permanent provoziert. Wer seine Werke sieht, hasst oder liebt sie, bleibt aber niemals unentschieden."

Das sagt Montse Aguer, die Direktorin des Dalí-Museums in Figueres, im Norden Kataloniens. In dem Ort wird Dalí 1904 geboren als Sohn wohlhabender Eltern.

Rasiermesser im Auge

Schon früh interessiert er sich für Malerei, studiert an der Madrider Kunstakademie. Mit 24 dreht Dalí gemeinsam mit Luis Buñuel seinen ersten Film: "Ein andalusischer Hund".

Der Streifen ist eine Aneinanderreihung surrealistischer Bilder und Szenen ohne wirkliche Handlung. Man sieht einen Mann, der ein Rasiermesser schärft, eine Wolke, die vor dem Vollmond vorbeizieht und schließlich wieder den Mann, der mit dem Rasiermesser durch ein Auge schneidet.

Eine Frau schaut sich die Wandtapete "Autumnal Cannibalism, 1936" des Künstlers Salvador Dali an. (Silas Stein/dpa )Eine Frau schaut sich die Wandtapete "Autumnal Cannibalism, 1936" des Künstlers Salvador Dali an. (Silas Stein/dpa )

"Zerrinnende Zeit" und "Die brennende Giraffe" heißen Dalís wichtigste Bilder der 30er-Jahre. Ein anderes trägt den Titel "Weiche Konstruktion mit gekochten Bohnen – Vorahnung des Bürgerkriegs".

In Paris gelingt Dalí sein internationaler Durchbruch. Dort lernt er auch seine Muse Gala kennen, die er 1935 heiratet. Sie inspiriert und managt ihn. Nach der Rückkehr nach Spanien restauriert Dalí für Gala eine alte Burg, in der sie die Herrin ist und sogar er selbst vor jedem Besuch um Audienz bitten muss.

Sein Schnurrbart blieb erhalten

Dalí soll nicht nur Audienzen bei Gala haben. Eine Frau aus Katalonien behauptet jahrelang, die Tochter des Künstlers zu sein, ihre Mutter die Ex-Geliebte von Dalí. 2017 ordnet ein Madrider Gericht an, dass der Leichnam des Künstlers für einen DNA-Test exhumiert wird. Die Dalí-Stiftung scheitert mit Einsprüchen dagegen. Ihr Generalsekretär Luis Peñuelas ist den Tränen nahe, als er vor Journalisten von dem Moment spricht, wie er Dalís Gesicht sieht.

"Sein Schnurrbart ist exakt erhalten. Die Spitzen stehen immer noch wie eine Uhr auf zehn nach zehn. Als wir das sahen, war das für uns ein sehr emotionaler Moment."

Der Grabstein von Salvador Dali im Theater-Museum Dali in Figueras. (AFP / LLUIS GENE)Der Grabstein von Salvador Dali im Theater-Museum Dali in Figueras. (AFP / LLUIS GENE)

Der DNA-Test ergibt, dass die Katalanin nicht Dalís Tochter ist und damit keinen Anspruch auf einen Teil seines Erbes hat. Somit lebt Dalí nur in seinen Kunstwerken weiter, die er selbst als herausragende Leistungen sieht.

"Ich halte Dalí für das Genie unserer Epoche. Seine Malerei, seine Texte und all das sind grenzenlose Beweise meines enormen Talentes."

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