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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.01.2012

Von Oppas und Mörchen

Karl-Valentin-Preis für Helge Schneider

Von Wolfgang Meyering

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Helge Schneider freut sich über den Karl-Valentin-Preis (dpa / picture alliance / Peter Kneffel)
Helge Schneider freut sich über den Karl-Valentin-Preis (dpa / picture alliance / Peter Kneffel)

Merkwürdige deutsche Sätze wie jenen über die "Mörchen" haben wir im Alltag schon tausendmal gehört und ihnen weiter keine Aufmerksamkeit geschenkt. Doch einem Multitalent wie Helge Schneider entgeht nichts. Und er kann nahezu alles gebrauchen.

Besonders aber natürlich das, was er eingehend untersucht hat, seine Heimat Mülheim an der Ruhr. Beim Kaffee in der Fußgängerzone studierte er die Menschen, die "Oppas", wie sie sprechen und wie sie sich benehmen, und formte aus all den Erfahrungen die Figur des "Helge Schneider", die als "Singende Herrentorte" Anfang der 1990er-Jahre auch überregional bekannt wurde mit einer Mischung aus Schlagerparodien, verrückten Geschichten und Jazz.

Aber nur Musiker zu sein, das ist nichts für Helge Schneider, da wäre seine schräge Kreativität einfach nicht ausgelastet. Also ist er auch Komiker, Drehbuchautor, Schauspieler, Clown, Entertainer, Regisseur und was sonst noch gerade so anfällt. Aber am liebsten steht er doch auf der Bühne mit seinen Kollegen Buddy Casino und Peter Thoms von "seiner kleinen Band" – "Hardcore", mit der Rockband "Helge & the Firefuckers" und auch schon mal mit bekannten Kollegen wie Udo Lindenberg, den er auch gerne parodiert – stimmt, Parodist ist er ja auch noch. Und Udo mag es tatsächlich, wenn er von Helge nachgemacht wird, oder wenn sie gemeinsam auf der Bühne stehen.

Doch das, was Helge Schneider in erster Linie auszeichnet, ist seine Freude an der Improvisation und die hat er zum Grundprinzip erklärt. Nicht nur in seiner vom Jazz geprägten Musik, sondern auch in den Texten der Lieder, in den Geschichten, die er erzählt, und in den Ansagen, die er macht. Immer gibt es ein Thema, das variiert wird. Bei der Wahl der Mittel ist er ziemlich gnadenlos und sucht den Sinn im Unsinn. Dabei erkennt der Zuhörer die kleinen Alltäglichkeiten des Lebens, die aber in einen aberwitzigen Kontext gestellt werden. Mal eben so, wie aus dem Stehgreif. Und selbst die tägliche Nahrungsaufnahme kann für einen Mann wie Helge Schneider schnell zum Thema einer Improvisation werden. Lieder eines überdrehten Beobachters.

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Interview mit Helge Schneider in "Fazit" nach der Entgegennahme des Karl-Valentin-Preises in München

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