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Lesart / Archiv | Beitrag vom 21.12.2016

Von New York bis BerlinWarum man über den Terror schreiben muss

Thomas Lehr im Gespräch mit Frank Meyer

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Beide Türme des brennenden World Trade Center in New York stürzen nach dem Terror-Anschlag am 11.9.2001 in sich zusammen.  (picture-alliance / dpa)
11.9.2001: Angriff auf das World Trade Center in New York (picture-alliance / dpa)

Der Schriftsteller Thomas Lehr hat über den Terror geschrieben. Er meint, dass die Literatur in der Auseinandersetzung mit dem Thema Besonderes leisten kann: eine Sprache finden, die tröstlich ist.

Der Schriftsteller Thomas Lehr hat in seinem Buch "September. Fata Morgana" vom Angriff auf das New Yorker World Trade Center 2011 und einem Bombenattentat in Bagdad erzählt. Derzeit gehe es ihm schlecht, sagte er im Deutschlandradio Kultur mit Blick auf den Anschlag in Berlin. Auch wenn man sich jahrelang mit dem Terror auseinandergesetzt habe, sei ein solches Ereignis schockierend und gehe an die Substanz.

Der Schriftsteller Thomas Lehr bei Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio/ Sandra Ketterer)Der Schriftsteller Thomas Lehr im Studio von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio/ Sandra Ketterer)

Lehr glaubt, dass der islamistische Terrorismus noch mindestens 10, 15 Jahre andauern wird. "September" schrieb er, weil er eine "besondere Rolle" für die Literatur in der Auseinandersetzung mit dem Terror gesehen habe, so Lehr. Die Literatur könne tiefer blicken und eine andere Sprache finden als der Journalismus. Sie könne "Fassung" herstellen - mit einer Sprache, die auch tröstlich sei.

Zu der aktuellen Situation in Berlin sagte der Schriftsteller:

"Wir müssen immer noch sehen, auch wenn wir getroffen sind, auch wenn wir verletzt sind, passiert der Großteil des Schreckens im heutigen Nahen Osten. In Bagdad sind jede Woche Terrorattentate passiert, mit 40, 50 Toten, wir sind verletzt und getroffen, aber wir sind relativ sicher. Auch statistisch gesehen sind wir sehr sicher noch. Und man muss da - glaube ich - einen kühlen Kopf wahren und versuchen, längefristige und perspektivische Lösungen und Lösungsansätze zu sehen. Und das scheint mir sehr wichtig, eine Gefasstheit und Ruhe, obwohl und gerade man so direkt verwundet und verletzt ist."

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(Deutschlandradio Kultur, Literatur, 22.11.2015)

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