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Im Gespräch | Beitrag vom 10.08.2019

Von Menschen und ihren HaustierenGeliebt, vermenschlicht, gequält

Mario Ludwig und Janine Sommer im Gespräch mit Gisela Steinhauer

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Eine Frau füttert ein Lama von Mund zu Mund. (imago images/ Westend61)
Haustiere sind beides zugleich: Tiere und Freunde des Menschen. (imago images/ Westend61)

Sie sind beste Freunde, Familienmitglieder, Partnerersatz: Haustiere. Über 34 Millionen leben in deutschen Haushalten, darunter fast 15 Millionen Katzen und über 9 Millionen Hunde. Sie werden oft vermenschlicht. Geht unsere Tierliebe zu weit?

"Hund und Katze haben heute ganz andere Aufgaben als früher", sagt der Biologe Dr. Mario Ludwig. "Katzen werden nicht mehr eingesetzt, um das Haus mäusefrei zu halten, oder Hunde, um das Anwesen zu bewachen. Sie sind mittlerweile so etwas wie vierbeinige Gefährten, vierbeinige Freunde geworden. Und sie leben heute – vor allem in der Stadt – viel enger mit uns zusammen, als sie das früher gemacht haben." Wie eng Haustier und Mensch verbunden sind, zeigt sich für den Autor mehrerer unterhaltsamer Sachbücher über die Tierwelt auch an den Namen:

"In den aktuellen Top Ten der Tiernamen finden sich auch Kindernamen wie 'Lilly', 'Emma', 'Bruno' oder 'Max'. Das heißt, du kannst auf dem Spielplatz oft gar nicht mehr unterscheiden: Wird jetzt ein Kind oder der Hund gerufen?"

Wenn die Tierliebe zu weit geht

Mario Ludwig beobachtet aber auch, dass die Tierliebe mitunter ins Gegenteil umschlägt: "Gerade Vegetarier stülpen ihren Hunden oder ihren Katzen eine vegane Lebensweise über, weil sie selbst so leben oder fälschlicherweise glauben, dass das gesund beziehungsweise moralisch korrekt ist." An Hunden zeigt sich zudem, wie weit die Vermenschlichung geht:

"Normalerweise hat ein Hund einen langen Schädel, eine lange schmale Nase und die Augenhöhlen stehen schräg nach außen. Heute werden Hunde so gezüchtet, dass sie menschlicher wirken: kurze Schnauze, hohe Stirn – und Augen, die nach vorne gucken; beispielsweise Möpse, französische Bulldoggen. Und das kann gesundheitliche Folgen haben: diese Hunde bekommen durch die angezüchteten kleinen Nasen einfach zu wenig Luft."  

Unterwegs mit dem Tierarztmobil

"Mit Tieren zu arbeiten, war schon immer mein Traum", sagt die Berliner Tierärztin Janine Sommer. Mit ihrer mobilen Praxis  behandelt sie ihre tierischen Patienten in ihrem jeweiligen Zuhause; aufwändigere Operationen erledigt sie in einer Tierklinik. "Wenn die Leute mit ihren Tieren in eine Praxis kommen, hat man nur einen kurzen Einblick, wie sie mit ihren Tieren umgehen. Zuhause bekommt man ein ganzheitliches Bild. Und wir haben das Gefühl, dass die Leute viel entspannter sind – und auch die Tiere."

Ihre Erfahrung: Die meisten Besitzer versuchen, ihre Tiere möglichst artgerecht zu halten. Allerdings sieht auch sie Hunde, die zu fett gefüttert und zu wenig bewegt werden oder Tiere, die in einer Raucherwohnung zugequalmt werden.  

Janine Sommer bricht eine Lanze für die Tierhalter in der Stadt: "Oft sind Stadthunde besser sozialisiert, und es wird sich oft mehr mit ihnen beschäftigt als mit einem Landhund. Die Besitzer gehen öfter und länger mit ihnen spazieren." Hundebesitzer auf dem Land hätten zwar oft große Gärten für ihre Tiere, gehen jedoch nicht so intensiv mit ihnen raus. Aber, so die Mahnung der Tierärztin: "Gassi gehen heißt Gassi gehen!"  

Von Menschen und ihren Haustieren
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Mario Ludwig und Janine Sommer. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de

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