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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 26.05.2016

Von der Beweiskraft der GeneMittels DNA-Test zum geeigneten Lebenspartner

Von Julia Diekämper

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DNA-Strang (imago/stock&people/Science Photo Library)
Klingt nicht wirklich romantisch: den Partner mittels DNA-Test finden. (imago/stock&people/Science Photo Library)

"Liebe ist kein Zufall", verspricht eine Internet-Partnerbörse und sucht geeignete Kandidaten per DNA-Test. Fragt sich nur: Welche Beweiskraft und Autorität besitzen genetische Daten tatsächlich?

Wirklich romantisch klingt es zugegebenermaßen nicht, das Angebot einer Internet-Partnerbörse. Sie will geeignete Kandidaten für Amouröses mittels eines DNA-Tests auf Passgenauigkeit zum eigenen aktuellen und zukünftigen Leben hin zu prüfen, um einen idealen Match-Point zu finden.

Lässt sich durch einen Speicheltest herausfinden, wie hoch etwa die Reproduktionswahrscheinlichkeit liegt? Die in Aussicht gestellte Option, auch in Liebeslebensdingen auf Nummer sicher zu gehen und das schon zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die möglichen Partner noch nie gesehen haben, ist offensichtlich bestechend.

Das Geschäft mit Online-Gentests

"Liebe ist kein Zufall" - so möchte einer der Anbieter potenzielle Kunden beruhigen. Ein solcher Gentest, der sich online ordern lässt, ist einer von vielen sogenannten direct-to-consumer-Tests, mit denen seit etwa 2006 weltweit Unternehmen auf den Markt drängen und neben personalisierten Diäten auch versprechen, das Diabetes- oder Alzheimerrisiko zu ermitteln und Herkunfts- und Identitätsfragen zu klären.

Auf diesem Markt konkurrieren sowohl diagnostische und prädiktive Untersuchungen wie auch reine Lifestyle-Angebote. Subjekte sind durch sie angesprochen und aufgefordert, sich vorausschauend zu verhalten. Das heißt, vor dem Hintergrund eines bestimmten Risikobewusstseins - Krankheitsdisposition, Schönheitsideal, soziale Isolation - zeichnet sich ein Ausweg ab, den mündige Konsumenten bereitwillig gehen, um scheinbar selbstbestimmt Sorge für sich zu tragen.

Grundlegende Fragen des biopolitischen Wissens

Bei näherer Betrachtung allerdings wird offensichtlich, dass die Inanspruchnahme entsprechender Angebote nichts anders bedeutet, als den Eintritt in eine höchst paternalistische Sphäre. Und diese ist vorstrukturiert durch biologische Daten und Determinanten.

Dies wirft grundlegende Fragen nach der Produktion und Wirkmächtigkeit eines solchen biopolitischen Wissens auf. Auf der anderen Seite wird Krankheit privatisiert - schließlich hätte man ja auch vorsorgen können. Aber welche Mechanismen von Selbsttechniken spielen hier eine Rolle und welche Beweiskraft und Autorität wird damit genetischen Daten zugeschrieben?

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