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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.10.2010

Vom Chemielehrer zum Drogenmischer

Arte bringt die US-amerikanische Kultserie "Breaking Bad" ins deutsche Fernsehen

Von Silke Lahmann-Lammert

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Mit Drogengeschäften will der todkranke Walter die Familienkasse aufbessern (AP)
Mit Drogengeschäften will der todkranke Walter die Familienkasse aufbessern (AP)

Sein Gehalt ist so gering, dass er sich noch nebenbei Geld verdienen muss. Dann die erschütternde Diagnose: Walter White leidet an Krebs und hat nicht mehr lange zu leben. Um das finanzielle Desaster zu verhindern, produziert der Chemielehrer Chrystal Meth - und steigt ins Drogengeschäft ein.

Sympathisch ist er nicht – der Mann, um den es in dieser Serie geht.

"Hast du dein Echinachea genommen?"
"Ja. Ist ja auch schon besser."

Walter White heißt er, trägt einen schütteren Schnäuzer und weiße Unterhosen aus Feinripp. Ein verklemmter Typ, der als Chemielehrer in der amerikanischen Provinz arbeitet. Sein Sohn, Walter jr., leidet seit seiner Geburt an Zerebralparese, Ehefrau Skyler ist wieder schwanger. Und weil das Geld vorn und hinten nicht reicht, muss Walter nebenbei in einer Autowaschanlage jobben.

"Hey, Mr. White!"

Eine demütigende Erfahrung. Besonders, wenn die Felgen, die er schrubbt, zum Sportwagen eines renitenten Schülers gehören.

"Schön blitzblank polieren!"

Wenige Tage nach seinem 50. Geburtstag bricht Walter zwischen den frisch gewienerten Autos zusammen.

"Mr. White, sind Sie Raucher?"
"Nein, war ich nie. Warum fragen Sie?"

Kurz darauf sitzt er einem Onkologen gegenüber.

"Sie haben doch verstanden, was ich gerade gesagt hab?"
"Lungenkrebs. Inoperabel. Nach der Chemotherapie habe ich bestenfalls noch ein paar Jahre."

Erstaunlich, wie viel Realität der US-Kabelkanal AMC bereit ist, seinen Zuschauern zuzumuten. Welcher deutsche Sender würde sich an solche Themen herantrauen? Krebs mit der sicheren Aussicht auf den Tod. Und ein Protagonist, der so schlecht versichert ist, dass er sich die lebensverlängernden Therapien nicht leisten kann. In Serien hierzulande liefern Krankheit und Tod – wenn überhaupt – den Stoff für rührselige Randgeschichten. Aber "Breaking Bad" hält sich nicht mit Gefühlsduseleien auf:

"Wie war's heute bei dir?"
"Ich weiß nicht. Keine Ahnung."
"Gut!"

Walter verschweigt die Diagnose und grübelt, wie er das finanzielle Desaster verhindern kann, das seiner Familie nach seinem Tod droht. Sein Schwager Hank bringt ihn unfreiwillig auf die zündende Idee: Hank arbeitet als Polizei-Agent im Drogendezernat DEA und protzt mit den Koffern voller Dollars, die er bei Razzien in illegalen Crystal-Meth-Laboren beschlagnahmt.

"Walt, du musst es nur sagen, dann kann ich dich mitnehmen, wenn du mal sehen willst, wie wir so ein Labor ausheben. Damit du endlich auch mal was erlebst."

Als Hank und seine Mitarbeiter den nächsten Tatort stürmen, wartet Walter im Einsatzwagen darauf, dass sie ihn ins Haus rufen. Bevor es soweit ist, beobachtet er, wie sein ehemaliger Schüler, Jesse Pinkman, aus dem angrenzenden Fenster klettert. Statt die DEA zu informieren, macht der Chemielehrer Jesse einen Vorschlag:

"Du kennst das Geschäft. Und ich kenne mich mit Chemie aus. Deshalb meine ich: Vielleicht tun wir beide uns zusammen."
"Sie sagen, Sie wollen Chrystal Meth kochen. Sie? Sie und ich?"

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