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Tonart | Beitrag vom 29.09.2015

Vokalquartett "Kraja"Schwedische Folklore in perfektem Harmoniegesang

Von Kerstin Poppendieck

Die vier Sängerinnen der schwedischen A-Capella-Band Kraja beim Bardentreffen 2009 in Nürnberg. (picture alliance / dpa / Nikolas Pelke)
Die vier Sängerinnen der schwedischen A-Capella-Band Kraja beim Bardentreffen 2009 in Nürnberg. (picture alliance / dpa / Nikolas Pelke)

Traditionelle schwedische Volkslieder neu arrangiert, vertonte schwedische Gedichte und außergewöhnlicher vierstimmiger Harmoniegesang: das ist das Markenzeichen der schwedischen Band Kraja. Nun interpretieren sie auch Volkslieder aus anderen Ländern.

Allting börjar med ett slut – Alles beginnt mit einem Ende. Mit diesem Titel beginnt das aktuelle Album von Kraja, und es dauert keine 30 Sekunden, bis man in die musikalische Welt der Band hineingezogen wird. Unglaublich beruhigend, fast meditativ ist diese Welt. Vier Frauen, alle um die 30, die mit beeindruckendem Harmoniegesang schwedische Folklore singen. Frida Johannson erinnert sich, wie alles anfing.

"Als wir angefangen haben, Volkslieder zu singen vor ungefähr 13 Jahren, wussten wir gar nicht so viel über schwedische Volksmusik. Erst als Eva an einem Kurs dazu teilgenommen hat, hat sie festgestellt, dass es in Schweden viele wunderbare Volkslieder gibt. Daraufhin haben wir uns mehr uns mehr damit beschäftigt und haben immer neue Volkslieder gefunden. Uns gefielen die Melodien, und die Texte waren sehr direkt und eindeutig. Wir mochten, dass diese Songs einfach waren und gleichzeitig wunderschön."

Traditionelle schwedische Volkslieder neu arrangiert, Eigenkompositionen, vertonte schwedische Gedichte – alles a capella. Das war Kraja bisher. Mit ihrem aktuellen Album sind sie einen Schritt weiter gegangen. Die vier Musikerinnen haben sich mit traditioneller Musik in anderen Ländern beschäftigt. Sie wollten sehen, ob diese Texte sie genauso berühren wie schwedische. Sie haben Lieder aus dem Kongo, aus Malaysia und von Indianerstämmen aus Nordamerika genommen, und diese Texte ins Schwedische übersetzt.

Jetzt mit dezenter Instrumentierung

Die Stücke stechen überraschenderweise nicht heraus, sondern fügen sich harmonisch in das Kraja Klangbild. Dazu eine sehr dezente und zurückhaltende Instrumentierung. Im Vordergrund stehen stets die Gesangsstimmen.

Frida Johannson: "Bei unserem aktuellen Album wollten wir gerne ein paar andere Musiker mit einbeziehen. Und je nachdem, welches Instrument diese Musiker spielten, haben wir dann das jeweilige Instrument eingebaut. Einen Klavierspieler, einen Violinisten und einen Trompeter. Uns gefällt das sehr. Diese Instrumente sind wie Gewürze, sie bringen eine andere Dimension in unsere Musik. Das Klavier zum Beispiel bringt einen tieferen Ton, tiefer, als wir singen können und die Violine ist bissiger. Es ist definitiv ein Zugewinn."

Ihr halbes Leben machen die vier Schwedinnen zusammen Musik. Kennengelernt haben sie sich auf einer Musikschule in Umea. Lisa und Eva Lestander sind Schwestern, Linnea Nilsson und Frida Johansson machen das Quartett komplett.

 Musik, die an Elfen, Feen und Märchen erinnert

 Kraja haben sich der traditionellen schwedischen Volksmusik verschrieben, allerdings mit ihrem ganz eigenen, kreativen Dreh. Ihre Musik hat nichts Altbackenes und nichts Skurriles, wie manchmal deutsche Volksmusik. Es ist vielmehr Musik, die an Elfen, Feen und Märchen erinnert.

Mittlerweile haben Kraja vier Alben veröffentlicht, spielen zum Beispiel Konzerte in Finnland, Norwegen, Estland, der Ukraine und Japan und geben Gesangsunterricht. Außerdem haben sie eine eigene Kindershow: Helgas Reise. Ein Programm für Kinder zwischen drei und zehn Jahren. Auch hier beschäftigen sich Kraja mit schwedischer Volksmusik.

Diese schwedische Kultur bringen Kraja jetzt wieder nach Deutschland. 2006 haben sie das erste Mal hier gesungen. Seitdem haben sie eine besondere Beziehung zu Deutschland, denn nach Schweden ist es das Land, in dem sie am meisten aufgetreten sind.

Sie sind zum Beispiel begeistert davon, wie lange das deutsche Publikum bei ihren Auftritten klatscht, viel länger als die Schweden, erzählt Frida Johansson mit einem Lachen. Sie freut sich auf die anstehende Tour.

"Wir werden natürlich A Capella singen, unseren typischen vierstimmigen Harmoniegesang. Größtenteils werden es Lieder von unserer aktuellen CD sein. Also ein Mix aus schwedischer Volksmusik und Volksliedern aus anderen Ländern. Wir werden aber auch noch andere traditionelle schwedische Volkslieder singen, die uns sehr gut gefallen. Es wird ein typisches Kraja Konzert. Wir freuen uns sehr darauf, wieder nach Deutschland zu kommen. Wir waren jetzt eine ganze Weile nicht da. In der Zwischenzeit haben wir auch einige neue deutsche Sätze gelernt. Wir werden also auch etwas Deutsch sprechen."

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