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Konzert / Archiv | Beitrag vom 29.05.2020

Vogler Quartett und Oliver Triendl spielen CatoireBezaubernde Kammermusik ans Licht geholt

Moderation: Stefan Lang

Vier Musiker mit Instrumenten stehen in einem Park bei Gegenlicht. (Vogler Quartett / Özgür Albayrak)
Das Vogler Quartett möchte seine Begeisterung zu Catoires Musik weitergeben. (Vogler Quartett / Özgür Albayrak)

Georgi Catoire war eine Doppelbegabung: Mathe und Musik waren seine Steckenpferde. Die Musik gewann den Lebensweg. Er hinterließ großartige romantische Werke.

Im Sendesaal Köln haben sich das Vogler Quartett und Oliver Triendl eingefunden, um Musik von Georgi Catoire frisch für Sie einzuspielen - Romantik zwischen russischer Melancholie, französischer Feinsinnigkeit und deutscher Klangdichte.

In Russland geerdet

Georgi Catoire, geboren 1861, hinein in eine Moskauer Adelsfamilie französischer Abstammung. Der Junge zeigte früh Talente, die von Mutter und Vater liebevoll gefördert wurden. Vorerst entschied er sich für ein Studium der Mathematik und der Naturwissenschaften. Mit Auszeichnung schloss er das Studium in Moskau ab.

Der Pianist steht in einem Park und lächelt in die Kamera. (Oliver Triendl / Dietmar Scholz)Oliver Triendl ist dafür bekannt, Komponisten dem Vergessen zu entreißen. (Oliver Triendl / Dietmar Scholz)

Ein väterlicher Freund begeisterte Catoire für Wagners Musik. Die finanziellen Mittel der Familie ließen ausgiebiges Reisen für ihn zu - und so kam er nach Bayreuth und verbrachte auch etliche Monate in Paris. Hier gewann die Musik die Oberhand über das Leben von Catoire. Er kehrte nach Moskau zurück, um ein Musikstudium anzuschließen. Schnell wurde er selbst Professor am Konservatorium - eine Stellung, die er lebenslang inne hatte.

Wagner-Fan

Doch als bekennender Wagnerianer wurde er von Kollegen und musikalischen Begleitern skeptisch beäugt. Wagners Musik wurde nicht goutiert - seine Musik kaum im Land gespielt. Und so erging es schließlich auch seiner Musik, die zu deutliche europäische Spuren zeigte.

Romantische Linien

Seine Musik chanchiert zwischen seinen Vorbildern Peter Tschaikowsky, Rimski-Korsakov, Wagner, aber auch Debussy und Chopin.

Das Klavierquartett op. 31 schrieb Georgy Catoire im Jahr 1916 und ist das letzte seiner fünf Hauptwerke für diese Besetzung. Das Werk strahlt eine ganz eigene Wärme aus, voller Melancholie und sehnsüchtiger Leidenschaft, die sich mal in zarten Melodiefäden verliert, mal klangdicht steigert.

Dunkles Pendent

Und auch im Klavierquintett op. 28 zeigt sich französische Eleganz, aber mit deutlich dunklerem Grundton. Catoire deutet hier die Klangmöglichkeiten eines Streichquartettes samt Klavier verstrickter und eindringlicher als im Klavierquartett. Gerade der erste Satz entwickelt sich zu einem Abenteuertripp durch dichtes Harmonie-Gestrüpp. Beide Werke sind großartige Kammermusik-Entdeckungen!

Zugabe

Dass der Pianist Oliver Triendl den Abend mitgestaltet, ist kein Zufall. Hat er doch Catoires Klavierkonzert im vergangenen Jahr mit der Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin aufgenommen. Seine Begeisterung zu dem Komponisten zeigt sich auch in dieser Interpretation.


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Aufzeichnung des Konzertes am 27. Mai 2020 im Sendesaal Deutschlandfunk Köln

Georgi Catoire
Klavierquartett a-Moll op. 31
Klavierquintett op. 28

Vogler Quartett:
Tim Vogler und Frank Reinecke, Violine
Stefan Fehlandt, Viola
Stephan Forck, Violoncello
Oliver Triendl, Klavier

anschließend:

Georgi Catoire
Konzert für Klavier und Orchester

Oliver Triendl, Klavier
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Roland Kluttig

Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2019

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