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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 13.10.2010

Vogelkunde per Mausklick

Interaktive DVD stellt knapp 500 Vogelarten vor

Von Susanne Billig

Vogel des Jahres 2010: der Kormoran. (NABU/F. Möllers)
Vogel des Jahres 2010: der Kormoran. (NABU/F. Möllers)

Vögel sind faszinierend - aber leider oft schwierig zu beobachten. Eine neue, interaktive DVD aus dem USM-Verlag hilft nun dabei, sich den Vögeln Europas am Bildschirm anzunähern.

Allein lebt er im tiefen Wald, als nächtlicher Jäger gefürchtet bei Igel und Maus, mit leuchtend orangefarbenen Augen, die auch in der Dunkelheit noch winzige Spuren von Restlicht einfangen. Für Hobby-Vogelkundler sagt er freundlicherweise seinen Namen gleich dazu: der Uhu, größter Eulenvogel Europas.

Nicht alle gefiederten Lebewesen sind so leicht zu bestimmen. Nun gibt es elektronische Unterstützung: Die neue DVD "Der große Kosmos Vogel-Atlas" aus dem USM-Verlag stellt knapp 500 Vogelarten vor, die in Europa zu Hause sind. Kleine, Große, Graue, Bunte, Sänger, Krächzer, Räuber und Gejagte - mit ausführlichen Beschreibungen, detailreichen Zeichnungen, farbenprächtigen Fotografien und vielen kurzen Filmaufnahmen.

"Der Zilpzalp ist schon da, ehe die Bäume grün werden. Er sieht aus wie ein Fitis, singt aber ganz anders. Der Gesang ist sehr einfach, aber variabler, als man anfangs annehmen möchte. Die Alarmrufe sind nasal-hochgezogen und eher einsilbig."

Das Video zeigt ein scheues, braungrünes Kerlchen hoch oben im Baumwipfel, wo sich der Zilpzalp gerne versteckt. Zu den "grasmückenartigen Singvögeln" gehört die Art, verrät das zugehörige Datenblatt. Als Teilzieher brütet das Tier in ganz Europa. Französische und italienische Populationen bleiben im Winter dort; mittel- und nordeuropäische reisen bis in den Sudan und nach Tansania.

Hilfreiches Rückgrat der Silberscheibe ist der "Artenstammbaum". Er kann am linken Bildschirmrand auf- und zugeklappt werden und bietet stets Orientierung, wo man sich gerade befindet in der weiten Welt der Vogelarten. Die zwei großen Hauptgruppen, Sperlings- und Nicht-Sperlingsvögel, unterteilen sich in zahlreiche Familien, die dann zu Arten und Unterarten führen.

Ein Doppelklick mit der Maus - und schon erscheint das Datenblatt der Vogelart. Hier singt der auffällig-bunte Bienenfresser. Die Unterseite seines Körpers leuchtet türkisblau, die Oberseite rot und gelb, grünblau schimmern seine Flügel, während das orangefarbene Auge von einem dicken, schwarzen Band umrahmt wird. Der Bienenfresser ernährt sich von großen Insekten und legt seine Eier in einen Höhlengang, den er selbst gräbt.

Von den elektronischen Vogel-Datenblättern aus weisen klare Symbole den Weg zu Fotografien, Zeichnungen, Gesangsbeispielen oder Karten mit Verbreitungsgebieten. Wer sein ornithologisches Allgemeinwissen vertiefen möchte, findet unter dem Reiter "Vogelkunde" jede Menge Sachwissen zu Themen wie Vogelzug, Beringungstechniken, Artenschutz oder Evolution.

"Unter den Vögeln bildete sich Laufe der Erdzeitalter eine große Formenmannigfaltigkeit heraus, doch starben viele der entstandenen Arten wieder aus, wie zum Beispiel die eindrucksvollen 'Moa'. Die meisten der heutigen Arten beziehungsweise ihre direkten Vorfahren entwickelten sich während des Pleistozäns, welches den Zeitraum von vor etwa 1,8 Millionen bis vor 10.000 Jahren umfasst."

Dank vielfacher Quervernetzungen durch Links gleitet man von Art zu Art und kann auf diese Weise leicht Unterschiede oder Gemeinsamkeiten der europäischen Vögel erkunden. Besonders beeindruckend präsentiert sich die Vogelwelt der Küsten - Korallenmöwen und Kormorane, Seeschwalben und Sturmtaucher mit ihren windschnittigen Körpern. Und dieser hier, ein eifrig tönender Zeitgenosse:

"Trillernde Austernfischer hört man jederzeit an der Küste, lauter als andere Vögel. Ein Reviervogel trällert, wenn ein Artgenosse ihn überfliegt. Dem Gesang entspricht das gemeinsame Triller-Zeremoniell der Austernfischer. Wenn es im Flug vorgetragen wird, können sich weitere Paare beteiligen. Mit Schauflug und Fluggesang wird das Revier aus der Luft markiert."

Auch bei der Bestimmung von Vogelarten hilft das digitale Werk. Wer ein unbekanntes Tier erspäht hat, kann sich durch ein System detaillierter werdender Fragen lotsen lassen: Ist der Vogel klein oder groß? Welche Silhouette sieht ihm am ähnlichsten? Schimmert die Brust eher braun oder rötlich? Mit etwas Glück findet man ihn dann, den begehrten Namen:

"Der Lebensraum der Wasseramsel ist der Bach. Gegenüber dem Weibchen imponiert Er mit Schwatzgesang. Die scharfen Rufe müssen sich gegen das Wasserrauschen durchsetzen."

Der digitale Vogel-Atlas nimmt das Thema "Interaktivität" ernst: Nur alleine zu Hause vorm Bildschirm Natur erkunden - das soll gar nicht sein. Die Datenbank der Silberscheibe lässt sich ergänzen, mit persönlichen Vogelbeobachtungen, selbst gemachten Fotos oder Videoaufnahmen. Wer online ein Benutzerkonto anmeldet, kann Erlebnisse und Beobachtungen aus Feld und Flur sogar im Internet mit anderen Vogel-Freunden teilen.

Service:

Die interaktive DVD "Der große Kosmos Vogel Atlas" ist im United Soft Media Verlag erschienen und kostet 39,90 Euro.

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