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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 09.01.2008

Virtuelle Stadtbücherei

Onleihe biete eine elektronische Ausleihe

Von Dirk Asendorpf

Blick in ein Bücherregal (Stock.XCHNG / Paul Ijsendoorn)
Blick in ein Bücherregal (Stock.XCHNG / Paul Ijsendoorn)

Die Public Library im New Yorker Stadtteil Brooklyn hat 2005 als weltweit erste öffentliche Bibliothek damit begonnen, Medien als Download über das Internet zu verleihen. Seit einem halben Jahr gibt es das Angebot auch in Deutschland. Unter <papaya:link href="http://www.onleihe.de" text="www.onleihe.de" title="www.onleihe.de" target="_blank" /> bieten die ersten zehn Stadtbibliotheken Teile ihres Bestands auch online an.

Ein Lehrbuch zum Mithören und Mitsingen. So etwas kann man kaufen – oder man kann es in einer Stadtbibliothek ausleihen. Und wie bei der Wahlmöglichkeit zwischen Buchladen und Internetshop bieten seit diesem Jahr die ersten zehn Stadtbibliotheken neben dem physischen Bestand in ihren Regalen auch eine elektronische Ausleihe über das Internet an, Onleihe genannt.

"Wir haben jetzt ca. 8000 Medien im Bestand. Darunter 4500 Musiktitel, 2500 E-Books, 700 E-Audios, das sind Hörbücher aus Belletristik und Sachgebiet und ca. 200 Videos, das sind eigentlich nur reine Reisevideos."

Sven Instinske war für die Einführung der Onleihe in den Hamburger Bücherhallen zuständig, einer der größten öffentlichen Bibliotheken Deutschlands. Noch ist die Auswahl auf der Website gegenüber den 400.000 Medien in den Regalen äußerst bescheiden. Doch die Bibliotheken, die seit Jahren mit sinkenden Nutzerzahlen kämpfen, hoffen, mit dem neuen Angebot die Google-Generation zurückzugewinnen: Jugendliche, Berufstätige mit knapper Zeit und die Silver Surfer, denen der Weg in die Bibliothek zu beschwerlich geworden ist.

"Gerade für Kunden, die zu den herkömmlichen Öffnungszeiten nicht kommen können, die können dann eben 24 Stunden ortsungebunden die Bibliothek nutzen. Meistens werden ausgeliehen die E-Audios, also die Hörbücher, die laufen am besten, also gerade Krimis, Thriller halt. Und bei den E-Books laufen am besten die ganzen Themen, die sich im Bereich Beruf, Karriere, Wirtschaft orientieren. Also Bewerbungsratgeber, Office-Anwendungen, Unternehmensberatungen, alles in diesem Bereich läuft am besten. Aber man kann mit so einer Online-Bibliothek keine physische ersetzen, sondern einfach nur ergänzen."

Das Angebot besteht vor allem aus historischen Aufnahmen, so wie diesem Beitrag des Frankfurter Satirikers Robert Gernhard aus den 70er Jahren.

"Die Bundespost teilt mit: Es wird alles anders. Nach dem Straßenverkehr wird nun auch der Schriftverkehr von Grund auf modernisiert, vor allem wird die Schreibrichtung geändert. Nicht mehr von links nach rechts, sondern von hinten nach vorn, also auf den Leser zu, verläuft die neue Schreibart. Dadurch erfährt er nicht nur viel schneller …"

Am Abend vor der langen Zugreise schnell noch ein Hörbuch auf den MP3-Player laden, das ist die beliebteste Nutzung der Onleihe. Aktuelle Bestseller und die Hits aus den Popmusik-Charts fehlen allerdings.

"Natürlich gibt es eine Angst bei Inhalte-Anbietern, dass halt ein digitales Medium, einmal veröffentlicht, millionenfach ohne Qualitätsverlust kopiert werden kann."

Christian Hasiewitz ist bibliothekarischer Direktor der Divibib. Das Wiesbadener Unternehmen ist bisher der einzige Anbieter, bei dem die deutschen Stadtbibliotheken elektronische Medien für die Onleihe einkaufen können. Ohne detailliert geregelte Nutzungslizenzen wären die Verlage überhaupt nicht bereit, ihre E-Books, CDs oder Videos dafür heraus zu rücken.

"Wir haben es bisher geschafft, dass für die Bibliotheken die digitalen Inhalte entweder genauso viel kosten – also ein E-Book genau so viel wie ein normales Buch – oder weniger."

Allerdings kann in der Onleihe jedes elektronische Medium – genau wie sein physisches Pendant – auch nur ein einziges Mal ausgeliehen werden. Hat es bereits ein anderer Nutzer heruntergeladen, bleibt es so lange gesperrt, bis dessen Leihfrist abgelaufen ist. Bei aktuellen Zeitschriften wie dem Spiegel beträgt sie einen Tag, bei allen anderen Medien eine Woche. Danach sorgt das sogenannte Digital Rights Management oder DRM dafür, dass sich die ausgeliehene Datei auf dem Computer oder MP3-Player des Bibliotheksnutzers nicht mehr öffnen lässt.

"Ohne so ein DRM-System würde man natürlich keine Inhalte bekommen von den Verlagen. Wenn man nun firm ist, kann man das natürlich herausfinden, wie man auch ein geschütztes PDF-Dokument irgendwie kopieren kann. Aber da haben wir als Bibliothek kein Interesse dran und der Verlag natürlich auch nicht."

In der Nacht vor dem Trip nach Amsterdam schnell noch ein bisschen Niederländisch pauken, die Onleihe macht es möglich. Manchmal sogar bereits exklusiv. Frauke Untied ist als Lektorin der Hamburger Bücherhallen für den Einkauf der Medien zuständig. In einigen Fällen entscheidet sie sich bereits ausschließlich für eine elektronische Version.

"Das sind ganz kurz gefasste Informationen über Reiseziele, wie benehme ich mich in Amerika, wie benehme ich mich in einem anderen Land, worauf habe ich zu achten? Das sind Medien, die wahrscheinlich als 20-seitige Broschüre bei uns untergehen würden, die man aber extrem gut auch ausleihen kann online."

Und doch wird die Onleihe noch lange ein Nieschenangebot bleiben. 8600 Mal wurde sie in den ersten sechs Monaten in Hamburg genutzt – gegenüber fünf Millionen klassischen Ausleihen. Für viele Nutzer hat der Besuch ihrer Bibliothek einfach mehr Charme als ein paar Klicks am Bildschirm.

""Na, das ist eins der Hauptvergnügen am Bücherlesen: In die Bücherei gehen und erstmal wälzen und suchen."

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