Seit 13:05 Uhr Sein und Streit

Sonntag, 20.09.2020
 
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Kulturnachrichten

Mittwoch, 16. September 2020

Vier Frauen für Booker-Preis nominiert

Vier Frauen haben es in die engere Auswahl für den diesjährigen Booker-Preis für Belletristik geschafft. Die Jury gab in London bekannt, dass sechs Autorinnen und Autoren nominiert wurden. Die britische Zeitung "Guardian" bezeichnete die Shortlist als so divers wie noch nie, da vier der Nominierten Schwarze seien. Dazu zählen Maaza Mengiste ("The Shadow King"), die in Äthiopien geboren wurde, und Tsitsi Dangarembga ("The Mournable Body") aus Zimbabwe. Der Booker-Preis ist der wichtigste britische Literaturpreis. Ausgezeichnet wird seit 1969 jährlich der beste englischsprachige Roman, der im Vereinigten Königreich veröffentlicht wurde.

Filmregisseur Jessen gewinnt Kunstpreis

Der Filmregisseur Lars Jessen hat den mit 20.000 Euro dotierten Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein gewonnen. Die Poetry Slammerin Mona Harry erhält den Förderpreis. Lars Jessen und Mona Harry schafften es in ihren Werken, das Norddeutsche so zu pointieren, dass es das Herz berühre, erklärte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zur Preisverleihung am Mittwochabend in Büdelsdorf. Beide Preisträger drücken Günther zufolge mit der Kamera und mit Worten mit viel Gefühl, Wortwitz und einem unvergleichlichen Blick auf die Menschen und die Umgebung schleswig-holsteinische Besonderheiten und Ereignisse aus. "Für mich ist das Kunst mit Heimatgefühl-Faktor und auch mit Kult-Faktor." Die Filme des gebürtigen Kielers Jessen ("Tatort", "Großstadtrevier") seien ein absolutes Muss für alle, die norddeutsche Charakterstudien mögen.

Reeperbahn-Festival eröffnet

Ganz im Zeichen der Corona-Pandemie ist am Mittwochabend in Hamburg das Reeperbahn-Festival eröffnet worden. An der "Doors Open"-Show im Operettenhaus nahmen zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus Kultur, Entertainment, Medien und Politik teil. Vom ersten Konzert an soll bei dem Club-Festival vor allem getestet werden, ob Live-Musik in Zeiten von Corona und unter Einhaltung aller bestehenden Abstands- und Hygieneregeln auch Spaß macht. Bis Samstagabend sind - verteilt auf 20 kleinere und mittlere Spielstätten - rund 300 Veranstaltungen geplant. Etwa 140 davon sind Musikkonzerte. Der Rest der Hybridveranstaltung aus Musikfestival und Fachkonferenz gehört vor allem den Experten. Den Konferenzteil gibt es dabei ausschließlich digital. Auch zahlreiche Konzerte werden live gestreamt.

Einigung um Wehrmachtsdenkmal in Lüneburg

Nach einer Klage eines Holocaust-Überlebenden muss die Stadt Lüneburg den Begleittext zu einem Wehrmachtsdenkmal ergänzen. Darauf einigten sich am Mittwoch die Stadt und mehrere Kläger vor dem örtlichen Verwaltungsgericht, wie eine Justizsprecherin und die Stadt mitteilten. Den Klägern ging es dem Gericht zufolge darum, den Begleittext des Denkmals für die 110. Infanterie-Division der Wehrmacht dahingehend zu erweitern, dass die Einheit 1941 bis 1944 auch am Völkermord an den Juden in der Sowjetunion beteiligt war. Nach Angaben von Ulf Wuggenig, Professor für Philosophie und Kunstwissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg, waren die Soldaten der Division an der Ermordung von mehr als 9.000 Frauen, Kindern und Kranken im Konzentrationslager Osaritschi in Belarus beteiligt.

Rosenhang-Museum zeigt Werke von Banksy

Das Rosenhang-Museum in Weilburg an der Lahn zeigt Werke des Streetart-Künstlers Banksy. In der Ausstellung ab dem 26.September würden rund 25 Kunstwerke präsentiert, sagte Museumsgründerin Antje Helbig. Die Ausstellung trägt den Titel "Who the fuck is Banksy?" Ihres Wissens sei es die erste museale Banksy-Ausstellung, so Helbig. Gezeigt werden unter anderem Plattencover von Banksy, darunter Cover für Blowpop Records oder das Kate-Moss-Cover von Dirty Funker aus dem Jahr 2006. Ein Raum im Museum werde für die Ausstellung als urbaner "Kunstkäfig" gestaltet. Eine Sound-Installation verstärke die Wirkung der Kunstwerke. Der Ausstellungskurator P.C. Neumann gelte als ausgewiesener Banksy-Kenner. Aktuell unterstützt der geheimnisumwitterte Künstler ein Sea-Watch Schiff zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer.

RBB überarbeitet Somuncu-Podcast

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hat nach Kritik an Äußerungen des Comedians Serdar Somuncu eine redaktionell überarbeitete Fassung des betroffenen Podcasts veröffentlicht. Die Originalfassung sei nicht mehr zugänglich, erklärte Robert Skuppin, Programmchef von Radioeins. Beides sei in Abstimmung mit den beteiligten Künstlern erfolgt. Kern der Debatte ist, was Somuncu mit rassistischen und sexistischen Äußerungen bezweckte: Die einen sehen sie als Grenzüberschreitungen, die anderen als entlarvende Provokation auf Meta-Ebene. Somuncu schildert seine Satire als bewusst eingesetzte Strategie. Laut Skuppin sahen sich viele Menschen durch einzelne Passagen beleidigt und herabgewürdigt.
Der Originalpodcast der Satiriker Florian Schröder und Serdan Somuncu sei bis Dienstag online gewesen, erklärte Skuppin. Der Sender hatte bereits erklärt, die Veröffentlichung in nicht bearbeiteter Form sei ein schwerer redaktioneller Fehler gewesen, und um Entschuldigung gebeten. "Aber: Wenn man Fehler korrigieren kann, soll man es tun." Deswegen habe Radioeins die Redaktionsarbeit nun nachgeholt.

Riesenkugel von Anish Kapoor in München

Die riesige Installation "HOWL" des Bildhauers Anish Kapoor empfängt ab sofort die Besucher der Pinakothek der Moderne in München. In der Rotunde im Eingangsbereich des Museums wurde eine gigantische Kugel aus dunklem PVC angebracht, die sich über drei Etagen erstreckt. Es sei ein großer Akt gewesen, die Skulptur zwei Tage lang aufzubauen und in den Raum einzupassen, teilte die Pinakothek mit. Rund zwei Jahre lang hatte das Museum das von Oliver Kase kuratierte Projekt mit dem in London lebenden Künstler entwickelt. Das Kunstwerk ist 14 Meter hoch und 22 Meter breit. Die Skulptur sei auch ein Ausdruck von weiblicher Kraft und Leidenschaft, sagte Kapoor in einem Videogespräch. Die dunkle, braun-rote Farbe könne man auch mit Menstruationsblut assoziieren. Der Titel "HOWL" ist laut Kapoor eine Anlehnung an das gleichnamige Gedicht "Das Geheul" von Allen Ginsberg. 1955 hatte der berühmte Dichter der Beat-Generation mit seinen Versen über Sex, Rausch und ein neues Lebensgefühl für einen Skandal gesorgt.

Kunstfestival an der australischen Gold Coast

Am Currumbin Beach an der Gold Coast im Osten Australiens sind mehr als 50 teils großformatige Skulpturen installiert worden. Sie sind Teil der 18. Ausgabe des "Swell Sculpture Festivals". Die Schau vereint Kunstwerke australischer und internationaler Künstler. Auf internationale Besucher müssen die Veranstalter aber in diesem Jahr verzichten: Wegen der Corona-Pandemie dürfen seit Monaten keine Touristen nach Down Under. Zu den Exponaten zählt die riesige Plastik "Contortion", mit der Clayton Blake auf die "Verzerrungen" und häufigen Fehlinformationen im Rahmen der Corona-Krise aufmerksam machen will. Eine in einem Gerüst aufgehängte Matratze ist das Werk "Turning in" von Aaron Chapman. Das Bett sei "ein starker Ort des Träumens, an dem Wünsche und Ängste verstärkt werden", erklärte der Künstler. Die Skulptur spiele mit dessen "Eigenschaften wie Schutz, Reflexion, Vertraulichkeit und Komfort".

Festspielintendantin Katharina Wagner kehrt zurück

Die Intendantin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, hat nach ihrem gesundheitlichen Zusammenbruch im April mehrere Wochen im Koma gelegen. Sie sei in der Regensburger Universitätsklinik behandelt worden. "Dort hat man mein Leben gerettet", sagte die 42-Jährige der "Passauer Neuen Presse". Wagner kündigte an, am kommenden Montag an ihren Schreibtisch bei den Bayreuther Festspielen zurückzukehren. Sie nehme ihre Arbeit wieder auf und sei "vollständig genesen". Nach der Absage der Wagner-Festspiele als Folge der Pandemie in diesem Jahr wolle sie sich nun unter strengen Corona-Regelungen mit voller Kraft der Vorbereitung der Festspiele im nächsten Jahr widmen.

Kate Winslet und Anthony Hopkins geehrt

Für ihre schauspielerische Leistung sind Kate Winslet und Anthony Hopkins beim 45. Toronto International Film Festival (TIFF) mit dem TIFF Tribute Actor Award ausgezeichnet worden. Das Filmfest ehrt mit dem Award herausragende Filmschaffende. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Veranstaltung in diesem Jahr online übertragen. Neben Winslet und Hopkins wurden Stars wie Jodie Foster und Olivia Colman mit Video-Botschaften eingeblendet. Hopkins widmete seine Auszeichnung all jenen, die auf der ganzen Welt an vorderster Front gegen das Virus kämpfen. Der britische Schauspieler ist beim TIFF mit "The Father" vertreten. Auch Winslet bedankte sich in ihrer Rede bei Ersthelfern und sprach Familien und Einzelpersonen, deren Leben durch die Corona-Krise verändert wurde, ihr Mitgefühl aus. Ihr Drama "Ammonite" hatte beim TIFF Weltpremiere gefeiert. Chloé Zhao wurde mit dem TIFF Ebert Director Award ausgezeichnet. Die 38-jährige Regisseurin hatte erst am Wochenende bei den Internationalen Filmfestspielen Venedig für ihr US-Drama "Nomadland" den Goldenen Löwen für den besten Film erhalten.

Josefine Israel erhält Boy-Gobert-Preis

Der mit 10 000 Euro dotierte Boy-Gobert-Preis für Nachwuchsschauspieler an Hamburger Bühnen geht in diesem Jahr an Josefine Israel aus Frankfurt/Oder. Das teilte die Körber-Stiftung mit. Die 29-jährige Schauspielerin ist seit der Spielzeit 2015/2016 Ensemblemitglied am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. "Josefine Israel versteht es, sowohl im Solomoment als auch im musikalischen Gefüge des Ensemblespiels ihr kraftvolles Spiel zu entfalten, das dabei stets auch die Zerbrechlichkeit ihrer Figuren durchscheinen lässt", begründete die Jury unter dem Vorsitz des Schauspielers Burghart Klaußner ihre Entscheidung. Der Preis erinnert an den Schauspieler und Intendanten des Thalia Theaters, Boy Gobert (1925-1986). Bisherige Preisträger waren unter anderen Ulrich Tukur, Martin Wuttke, Susanne Wolff und Hans Löw. Die Auszeichnung soll am 29. November in einer Matinee im Thalia Theater überreicht werden.

Sotheby`s versteigerte Hip Hop-Artefakte

Das Auktionshaus Sotheby`s hat am Abend eine bunte Sammlung von Hip Hop-Artefakten versteigert. Wegen der Corona-Pandemie fand die Veranstaltung nur im Internet statt. Es war die erste Versteigerung dieser Art durch ein internationales Auktionshaus. Nach Angaben der Veranstalter beliefen sich die Gesamteinnahmen auf mehr als zwei Millionen Dollar. Das teuerste Stück war mit knapp 600.000 Dollar die goldene Krone des Rappers Notorious B.I.G. Er trug sie Mitte der 1990-er Jahre bei einem Fotoshooting, bei dem er als König von New York porträtiert wurde. Insgesamt standen 120 Artikel aus 40 Jahren Hip-Hop-Geschichte zum Verkauf. Ein Teil des Erlöses wird für wohltätige Zwecke gespendet.

Nachwuchs-Oscar für Filmakademie in Ludwigsburg

Ein Abschlussfilm der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg ist unter den diesjährigen Gewinnern der Studenten-Oscars. Der Kurzfilm "The Beauty" von Regisseur Pascal Schelbli siegte in der Sparte Animation im internationalen Wettbewerb. Das teilte die Oscar-Akademie in Beverly Hills mit. In diesem Jahr reichten 207 amerikanische und 121 internationale Hochschulen knapp 1.500 Beiträge ein. 18 Studenten wurden als Preisträger in sieben Film-Kategorien ausgewählt. Die Arbeiten sollen am 21. Oktober in Los Angeles in einer virtuellen Zeremonie gewürdigt werden. Die Gewinner können ihre Filme auch für den Oscar-Wettbewerb im kommenden Jahr einreichen.

Madonna führt Regie bei Biopic-Film über ihr Leben

Popstar Madonna will ihr eigenes Leben verfilmen, dabei selbst Regie führen und auch am Drehbuch mitwirken. Das gab das Hollywood-Studio Universal Pictures bekannt. Demnach sind die Oscar-Preisträgerin Diablo Cody ("Juno") als Drehbuchautorin und Amy Pascal ("Little Women") als Produzentin an Bord. "Ich möchte meinen unglaublichen Lebensweg als Künstlerin, Musikerin, Tänzerin - und als Mensch, der versucht hat, sich in dieser Welt zu behaupten, vermitteln", erklärte Madonna in einer Mitteilung. Der Fokus des Films sei ihre Musik. Musik und Kunst seien die treibenden Kräfte in ihrem Leben. "Es ist wichtig, diese Achterbahnfahrt meines Lebens mit meiner eigenen Stimme und aus meiner Sicht zu teilen", so Madonna.

Düsseldorfer Schauspielhaus: Sanierung wird teurer

Nach mehrjährigen Arbeiten steht die Sanierung des Düsseldorfer Schauspielhauses kurz vor dem Abschluss - und wird noch einmal teurer. Die Kosten für die Arbeiten an Dach und Fassade lägen mit jetzt 20,4 Millionen Euro etwa 1,4 Millionen Euro höher als geplant, teilte die Stadt mit. Es hätten sich Probleme bei der Entwässerung der Dachflächen im Fall von Starkregen ergeben. Fast alle Baumaßnahmen seien aber nach fast drei Jahren abgeschlossen, hieß es. Die finalen Arbeiten und die Begrünung der Dachfläche sollen bis November fertig sein. Insgesamt hat die Sanierung des Hauses gut 60 Millionen gekostet. Das Theater mit der markant geschwungenen Fassade gilt als eine Ikone der 60er-Jahre-Architektur. Eröffnet wurde es Anfang 1970.

Britisches Museum "dekolonialisiert" sich

Im Zuge einer kritischen Auseinandersetzung mit Großbritanniens kolonialer Vergangenheit hat ein Museum der Oxford-Universität etliche Ausstellungsstücke aus seiner Sammlung entfernt - darunter einige Schrumpfköpfe. Das sei Teil eines Prozesses, in dem man sich kritisch mit den Ausstellungsstücken und ihrer Kolonialgeschichte auseinandersetze, teilte das anthropologische Museum Pitt Rivers mit. Einige Exponate und ihre Beschriftungen hätten andere Kulturen als primitiv oder unterlegen dargestellt und damit Vorurteile oder sogar rassistisches Denken bestärkt. Man wolle dies ändern und dabei auch neue Perspektiven einbringen. Zur Sammlung des Museums gehören rund eine halbe Million Objekte - darunter Musikinstrumente, Waffen, Werkzeuge und Knochen.

Marion Poschmann erhält Hölty-Preis

Die Schriftstellerin Marion Poschmann bekommt den mit 20.000 Euro dotierten Hölty-Preis der Stadt Hannover. Die Jury würdigt damit ihr Werk als Lyrikerin. Poschmann wisse sich "in subtiler Konsequenz" der Neuaneignung der poetischen Tradition verpflichtet, hieß es zur Begründung. Die Jury hob besonders ihre "ungeheuer bildstarke Sprache" hervor. Poschmann wurde 1969 in Essen geboren. Sie studierte Germanistik und Slawistik und lebt heute als Dichterin, Romanautorin und Essayistin in Berlin. Für ihre Lyrik und Prosa wurde sie bereits mit zahlreichen renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet. Der Hölty-Preis gilt als höchstdotierter Lyrik-Preis im deutschsprachigen Raum. Er erinnert in zweijährigem Rhythmus an den Dichter Ludwig Christoph Heinrich Hölty (1748-1776).

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