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Tonart | Beitrag vom 03.06.2019

Vielfalt beim Musikfestival "Primavera Sound""Es gibt keine Ausreden mehr"

Von Elissa Hiersemann

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US-Sängerin Janelle Monáe auf dem Primavera Sound Festival am 31. Mai 2019. (imago images / Agencia EFE / Marta Perez)
US-Sängerin Janelle Monáe: Ein Highlight auf dem Primavera Sound Festival 2019 (imago images / Agencia EFE / Marta Perez)

Das Festival "Primavera Sound“ in Barcelona feierte in diesem Jahr unter dem Motto "The New Normal" die Gleichberechtigung. Unsere Musikkritikerin meint, ein diverses Line-up müsste heute eine Selbstverständlichkeit sein.

Das "Primavera Sound" ist mit 220.000 Besucherinnen und Besuchern eines der größten Musikfestivals der Welt. Dieses Jahr hatte es sich das Motto "The New Normal" auf die Fahnen geschrieben. Das Line-up sollte möglichst divers sein und aus mindestens 50 Prozent Frauen und genderqueeren Musikerinnen und Musikern bestehen. Ein gleichberechtigtes Line-up müsste heute eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, sagte Musikkritikerin Elissa Hiersemann im Deutschlandfunk Kultur, die das Festival im Rahmen einer Pressereise besucht hatte.

Frauen vergebens gesucht

"Die Hälfte der Menschheit besteht aus Frauen", sagte Hiersemann, "das scheint aber in vielen Bereichen des Alltags immer noch nicht angekommen zu sein". Das Musikmagazin "Pitchfork" habe im vergangenen Jahr nachgezählt: Auf den 20 größten Festivals standen gerade mal 19 Prozent Frauen auf den Bühnen. Das sei beim "Primavera Sound" zum ersten Mal anders gewesen: Mehr als die Hälfte der Künstlerinnen und Künstler waren Frauen oder genderqueere Künstlerinnnen und Künstler.

Das Festival habe im Grunde genommen den Zeitgeist abgebildet. Der habe sich vom männerdominierten Rock zu R'n'B und Hip-Hop verschoben, "und da geben eben oft Frauen den Ton an", erklärte Hiersemann. Ein Highlight sei etwa das Konzert der Sängerin Janelle Monáe gewesen, die in Hosen in Form einer Vulva aufgetreten ist und über das Pink der Vagina gesungen hat.

Alle Festivals sollten dem Beispiel folgen

Hiersemann lobte das gleichberechtigte Line-up ausdrücklich: "Es gibt keine Ausreden mehr, wenn es darum geht, ein Line-up zu gestalten, das alle Geschlechteridentitäten, die es in der Gesellschaft gibt, abbildet." Sie sei gespannt, ob andere Festivals in der Größe nachziehen werden. Bei Deutschen Festivals wie "Lollapalooza" oder "Rock am Ring" gebe es immer noch einen deutlichen Männerüberschuss auf den Hauptbühnen. Da müsse man die Frauen suchen, so Hiersemann. "Das ist an Ignoranz nicht mehr zu überbieten."

Das "Primavera" habe gezeigt, dass die künstlerische Qualität unter einem diversen Line-up nicht leidet: "Es ist ein sehr gutes Beispiel, dem auch andere Festivals folgen sollten."

(cmö)

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