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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 28.10.2013

Videoschnipsel, Selbsttests und Quizfragen

Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam bietet IT-Fernstudiengänge im Internet an

Von Annette Weiß

Luftaufnahme des Hasso-Plattner-Instituts (HPI / Lutz Hannemann)
Luftaufnahme des Hasso-Plattner-Instituts (HPI / Lutz Hannemann)

Kostenlos und für jedermann offen sind die sogenannten Massive Open Online Courses des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam. Nutzer jeden Alters informieren sich darin über spezielle IT-Themen, es gibt Hausaufgaben, eine Abschlussklausur und bei Bestehen ein Zertifikat.

"”’Ladies and Gentleman, I´d like to welcome you to the new HPI course on Business Process on Modeling and Analysis.’ - Genau, das ist das Einstiegsvideo, das seit einigen Wochen online ist.""

Professor Mathias Weske sitzt in seinem Büro und schaut nicht ohne Wohlwollen das Video an, das er vor wenigen Tagen aufgenommen hat. Das war schon die erste Hürde bei seinem ersten MOOC: zu erklären, was die Vorlesung leistet und was nicht, wen sie ansprechen soll.

"Normalerweise 80 bis 100 im Hörsaal, jetzt spricht man zu mehreren Tausend Personen, und das ist schon spannend, dass diese Personen sich mit unserem Lehrstoff beschäftigen."

Und das noch bei einem so speziellen Thema: Die Modellierung von Geschäftsprozessen anhand der Computersprache BPMN. Professor Weske leitet den Fachbereich "Business Process Technology". Aber: die Videosequenz mit den eingeblendeten Folien allein macht noch keinen MOOC. Das gab es schon vorher als Teleteaching oder E-Learning.

Sprecher: "Ein MOOC ist auf eine bestimmte Zeitspanne festgelegt, am Hasso-Plattner-Institut auf sechs Wochen. Die Lerninhalte sind keine 90-minütigen Vorlesungen, sondern kleine Videoschnipsel von ungefähr 10 Minuten. Daran schließen sich Selbsttests an und Quizfragen, es gibt Hausaufgaben und eine Abschlussklausur – mit Zertifikat, wenn man erfolgreich bestanden hat. Durch den engen Zeitraum arbeiten alle Teilnehmer zur gleichen Zeit an der gleichen Aufgabe. Das facht das Diskussionsforum an, die Teilnehmer tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig, ähnlich wie bei einem Seminar."

Mathias Weske hat erheblich mehr Aufwand mit seinem ersten MOOC als mit seiner Vorlesung. Der wesentliche Unterschied: Es gibt kein Feedback von den Studenten, der Dozent kann keine Fragen klären. Die Folien, die Selbsttests und Übungsaufgaben müssen eindeutig sein, und das System muss die Antworten automatisch korrigieren, sagt Matthias Kunze, wissenschaftlicher Mitarbeiter im "Teaching Team".

"Wenn wir Tausende Teilnehmer haben, ist es völlig utopisch, den Studenten eine Aufgabe zu geben, wo wir Freitext bekommen, die wir lesen und bewerten müssen, typische Aufgaben sind zum Beispiel Multiple Choice Fragen oder Lückentexte, wo mehrere Antworten vorgegeben sind, aber nur eine richtig ist."

Die MOOC-Entwickler sind sich bewusst, dass sie zu den Pionieren der neuen Wissensvermittlung gehören. Das gibt ihnen Ansporn. Und: Die Technologie, die dem zugrunde liegt, ist gleichzeitig wieder Gegenstand der Forschung und Lehre, und daran ist das Hasso-Plattner-Institut als führende Kaderschmiede des IT-Nachwuchses naturgemäß interessiert. Luise Pufahl, wissenschaftliche Mitarbeiterin:

"Ich denke, dass es wiederum auch für uns eine Chance ist, dass wir Feedback bekommen, was wir verbessern können, jetzt merke ich schon, wir merken schon, was wir verbessern können in der Vorlesung, ganz tolle Sache, das durchzuführen."

Das Open-hpi-Team, die "Entwicklertruppe": Ein Dutzend junger Männer sitzt im hellen voll verglasten Büro. Es sind Bachelor- und Masterstudenten, eine bewusst gemischte Gruppe aus ersten und erfahrenen Semestern. Vor jedem Rechner steht noch ein aufgeklappter Laptop, in Zweierteams tüfteln sie am nächsten MOOC von Mathias Weske. Eine große Baustelle ist die Plattform, sagt Doktorand Christian Willems.

"Die alte Plattform war ein Schnellschuss, nur bedingt geeignet, um Massive Open Online Courses durchzuführen mit hohen Nutzerzahlen. Wir haben pro Kurs 8 bis 15.000 Teilnehmer auf open hpi, auf open SAP waren es auch schon über 40.000 in einem Kurs."

Angreifen wie ein Hacker

Andere Baustellen sind "Gamification", alles, was den Online-Kurs unterhaltsamer macht, zum Beispiel Aufmunterungen wie: Komm doch mal öfter, dein Kumpel war schon fünfmal da. Oder das "Virtuelle Labor": geschützte Sandkastenspiele, wenn die Teilnehmer zum Beispiel bei einem Kurs über Internetsicherheit Angriffe wie ein Hacker ausüben sollen, ganz legal.

Für die Doktoranden Christian Willems und Tom Staubitz sind MOOCs aber weitaus mehr als technologische Herausforderungen. Ihre Motivation:

"Dass das Feedback der Nutzer so positiv war, manche haben nicht verstanden, warum wir das kostenlos anbieten. Habe daran teilgenommen, auch bei der Konkurrenz, ich finde es super für Long-Life-Learning, mir noch was anderes angucken zu können. Ne ganz tolle Sache."

Das entspricht auch einer ersten Analyse der Nutzerschaft durch das HPI:

Sprecher: "Der durchschnittliche Nutzer der MOOCs ist 30 bis 40 Jahre alt, männlich, arbeitet seit mehr als zehn Jahren in einem technischen Beruf mit hohem IT-Anteil. Gerade die 40- bis 50-Jährigen schließen den Kurs erfolgreich mit Zertifikat ab. Insgesamt waren es 50.000 Teilnehmer aus 114 Ländern."

Darunter sogar ein Teilnehmer von einer kleinen Insel bei Tahiti. Das Nutzerspektrum ist sehr breit, schwärmt Institutsleiter Professor Christoph Meinel.

"Der jüngste war acht Jahre, der älteste 91, einer ist zehn Jahre IT-Spezialist, der andere fängt gerade an, als Geisteswissenschaftler sich mit der Thematik zu befassen, wir hatten einen Taxifahrer, der immer, wenn er gewartet hat auf seine Gäste, sich diese Kursinhalte angeguckt hat. Das befeuert auch das Engagement, dass das was Sinnvolles ist."

Noch sind die offenen Onlinekurse des HPI kostenlos, aber in den USA wird bereits darüber nachgedacht, die Daten der Nutzer an werbetreibende Firmen zu verkaufen oder die Teilnehmer mit den besten Abschlüssen an Head-Hunter zu vermitteln. Das schließt das Hasso-Plattner-Institut völlig aus. Aber Christoph Meinel könnte sich eine andere Finanzierung vorstellen.

"Eine Idee könnte sein, dass man sich das Zertifikat bezahlen lässt, nicht den Kurs, aber das Zertifikat, denn mit so einem Zertifikat hat derjenige auch die Chance, dass er eine höhere Bezahlung oder einen besseren Job kriegt."

Mehr zum Thema:
Webseite des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam
Zu den Online-Kursen

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