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Kompressor | Beitrag vom 25.11.2019

Videoplattform TikTokBoomerfreie Zone

Samira El Ouassil im Gespräch mit Max Oppel

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Das Bild zeigt die App TikTok auf einem Handy. Auf dem Display zu sehen ist ein Hund mit Sonnenbrille und Mütze. (imago images/Hollandse Hoogte)
Der eigene Hund mit Sonnenbrille und Mütze: Tiere funktionieren auch auf TikTok (imago images/Hollandse Hoogte)

Über vier Millionen Nutzerinnen und Nutzer hat die Videoplattform TikTok alleine in Deutschland. Sie ist die hedonistische App der jungen Generation. Auch die "Tagesschau" sucht dort jetzt ein neues Publikum.

TikTok ist eine chinesische Video-Plattform für die ganz junge Generation. Wer in der App von unten nach oben wischt, bekommt jedes Mal ein neues Video in den Feed. Nicht länger als 60 Sekunden dürfen die sein – und passen damit in jede kurze Pause. 

"Wie ein einarmiger Bandit im Casino"

TikTok funktioniert deshalb für die Medienjournalistin Samira El Ouassil "wie ein einarmiger Bandit im Casino": "Man hat eine Unvorhersehbarkeit, die ähnlich ist wie beim Glücksspiel, und deswegen hat das auch etwas sehr suchtförderndes, weil man nicht weiß, ob das nächste Video nicht etwas ganz Großartiges, Lustiges, Wunderschönes oder furchtbar Interessantes ist."

Die Ästhetik und Codes beschrieb El Ouassil kürzlich anhand des Memes "OK Boomer", das TikTok-Nutzer verwendeten, um sich von der älteren Generation der Baby-Boomer abzusetzen. Ein besonderes Feature der App sei dabei das Duett – die Möglichkeit, im Split-Screen auf ein anderes Video einzugehen:

Die Hauptsache für die Nutzerinnen und Nutzer auf TikTok seien jedoch nicht besondere Features, sondern dass man dort bisher kaum auf Erwachsene treffe, erklärt El Ouassil: "Die Medienwissenschaftlerin Danah Boyd hat erklärt, dass Jugendliche im Internet immer dasselbe machen wie im Offline-Leben auch, nämlich sich Räume suchen, wo Erwachsene nicht sind. Und das ist bei TikTok noch der Fall."

Erklärvideos für junge Leute

Auch die "Tagesschau" versucht jetzt, diese jungen Menschen anzusprechen, und erklärt auf TikTok zum Beispiel, dass das Gaffen bei Verkehrsunfällen verboten ist:

Es sei bemerkenswert, dass ein Video der Tagesschau so viele Reaktionen erreichte, sagt El Ouassil, da die Moderatoren bei TikTok von Hand bestimmten, welche Inhalte empfohlen werden und in den Feeds auftauchen. Und wenn es aus der Sicht von China kritisch werde, greife man in der Moderation dieser Inhalte rigoros ein, wie das Beispiel der Proteste in Hongkong zeige.

Politische Inhalte spielten jedoch bei den Nutzerinnen und Nutzern von TikTok im Moment ohnehin nur eine untergeordnete Rolle: "Für die Nutzer ist das die hedonistische App ihrer Generation, und das ist auch total okay." Das Ok-Boomer-Meme sei auch eine Form der Subversion, auch wenn das von der älteren Generation nicht so wahrgenommen werde.

(sed)

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