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Interview | Beitrag vom 16.10.2019

Videointerview mit Angela MerkelCDU lässt Testballon in sozialen Medien steigen

Stephan Lamby im Gespräch mit Julius Stucke

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Angela Merkel und Ralph Brinkhaus sitzen einander auf einem Podium gegenüber. (Screenshot aus dem YouTube-Kanal von CDU/CSU-Bundestagsfraktion)
CDUler interviewt CDUlerin: Ralph Brinkhaus im Gespräch mit Angela Merkel. (Screenshot aus dem YouTube-Kanal von CDU/CSU-Bundestagsfraktion)

Auf YouTube plaudert Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus mit Angela Merkel über die Wende. Im Netz erntet das Video fast nur Spott. Dokumentarfilmer Stephan Lamby sieht darin den Versuch, Journalisten aus der politischen Kommunikation auszuschließen.

"Echt jetzt?" – "Soll das Journalismus sein" – "Bitte, bitte, Herr Brinkhaus, geben Sie zu: Das ist Satire." Oder: "Brinkhaus interviewt Merkel, und die Daltons verhören sich demnächst gegenseitig zum letzten Einbruch!" Die meisten Nutzer bei Twitter reagieren ziemlich hämisch auf das YouTube-Video, in dem Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus Bundeskanzlerin Angela Merkel Fragen zu den Wendejahren, der "friedlichen Revolution" und der deutschen Einheit stellt.

"Frau Bundeskanzlerin, liebe Angela, schön, dass wir heute das Interview hier führen können", steigt Brinkhaus in das Gespräch ein – und auch Angela Merkel zeigt sich "sehr dankbar" für das Interview. Eine gemütliche Plauderrunde: Beide sitzen in Ledersesseln, im Hintergrund eine massive Bücherwand. 16 Minuten, professionell in HD gefilmt.

Ein CDU-Politiker interviewt eine CDU-Politikerin: Journalismus ist das ganz sicher nicht. Was aber dann: Eine Simulation von Journalismus? Ein weiterer Versuch nach dem Rezo-Debakel, die Debatten-Lufthoheit in den sozialen Medien zu gewinnen?

Sollen Journalisten ausgeschlossen werden?

Der Dokumentarfilmer und Journalist Stephan Lamby sieht darin einen möglichen "Testballon", um direkt mit Wählern zu kommunizieren. Dabei gehe es dann "darum, dass Journalisten aus der politischen Kommunikation ausgeschlossen werden sollen".

Wohin das führe, sehe man bereits, wenn man in die USA blicke: Dort würden viele User, die Präsident Donald Trump bei Twitter folgen, nicht weiter über diese Art der Kommunikation nachdenken: "Die Phase, dass sich User Gedanken dort machen: Hat er Journalisten ausgeschlossen, da sind die schon drüber weg."

Die Pressestelle der CDU/CSU-Fraktion wiegelt allerdings ab: Das Videogespräch sei eine einmalige Sache – und keinesfalls dazu gedacht, journalistische Interviews zu ersetzen.

(lkn)

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