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Interview | Beitrag vom 20.07.2021

VersicherungspflichtFinanzielles Risiko von Unwetterschäden verteilen

Christian Kuhlicke im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Sperrmüll türmt sich in den Strassen von Sinzig. Das Unwetter hat das Mobiliar in zahlreichen Haushalten zerstört.  (picture alliance / dpa / Thomas Frey)
Das Wasser hat Häuser und Infrastruktur zerstört, wie hier in Sinzig, im Landkreis Ahrweiler. (picture alliance / dpa / Thomas Frey)

Überschwemmungen haben in Deutschland einen Milliardenschaden verursacht - und das nicht zum ersten Mal. Risikoforscher Christian Kuhlicke fordert schon seit langem eine Versicherungspflicht für alle.

Eine Jahrhundertflut hat den Westen und Süden Deutschlands heimgesucht, und es ist nicht die erste in diesem Jahrhundert: Schon 2002 und auch 2013 - damals entlang von Donau, Saale und Elbe - kam es in Deutschland zu katastrophalen Überschwemmungen. Unwetterereignisse dieser Art hinterlassen Milliardenschäden.

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Nun müssen erneut Brücken, Häuser und Straßen wiederaufgebaut werden. Und wie bei vorhergehenden Fluten wird darüber diskutiert, wie das finanziert werden soll.

Eine Idee ist die Versicherungspflicht für alle. Zu denen, die das als wesentlich für die Katastrophenvorsorge ansehen, gehört Christian Kuhlicke, Professor für Umweltrisiken und Nachhaltigkeit an der Universität Potsdam und Leiter der Arbeitsgruppe Umweltrisiken und Extremereignisse am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig.

Die Forderung nach einer Versicherungspflicht stehe zwar im Raum, doch getan habe sich in den vergangenen Jahren in dieser Hinsicht wenig, muss Kuhlicke einräumen: "Da sind wir eigentlich genauso weit wie vor Jahren oder Jahrzehnten."

Je mehr Vorsorge, desto geringer die Prämie

Das Argument gegen eine solche Pflicht sei, dass sich der Bürger dann mental in die Hängematte lege und keine Hochwasservorsorge mehr betreibe, sagt Kuhlicke. "Wir wissen aber aus anderen Ländern, dass die Versicherungspflicht über eine Risiko- und Prämienstaffelung die Gebäudevorsorge steuern kann."

Insofern wäre es angebracht, eine risikogesteuerte Versicherungspflicht einzuführen: Je mehr ein Hauseigentümer vorsorge, desto geringer sollten die Versicherungsbeiträge ausfallen.

Beim Wiederaufbau der zerstörten Gebiete sei Kreativität gefragt, sagt Kuhlicke, auch Häuser auf Stelzen seien denkbar. Es werde künftig zu grundlegenden Veränderungen beim Wetter kommen. Hier liege eine große Zukunftsaufgabe.

(ahe)

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