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Interview | Beitrag vom 21.04.2021

Verschwundene minderjährige GeflüchteteKinderschutz muss grenzenlos sein

Meike Riebau im Gespräch mit Ute Welty

Die Hand einer erwachsenen schwarzen Frau und eines schwarzen Kindes halten sich (imago / imagebroker / Stephan Goerlich)
8000 unbegleitete geflüchtete Kinder und Jugendliche sind in den letzten zwei Jahren in Deutschland verschwunden. (Symbolbild) (imago / imagebroker / Stephan Goerlich)

Mehr als 18.000 minderjährige Geflüchtete sind in Europa aus staatlicher Obhut verschwunden. Viele von ihnen seien auf der Suche nach Angehörigen, sagt Meike Riebau von "Save the Children". Sie fordert eine bessere Kooperation der Behörden in der EU.

Zwischen 2018 und 2020 sind in Europa 18.292 unbegleitete Flüchtlingskinder und Jugendliche als verschwunden gemeldet worden, nachdem sie in staatlicher Obhut waren. In Deutschland sind es etwa 8000. Das meldet der Rechercheverbund "Lost in Europe".

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Hunderte von Kindern bleiben verschwunden, ihr weiteres Schicksal ist ungewiss. Es gebe über den Verbleib der Kinder und Jugendlichen nur Vermutungen, sagt Meike Riebau von Save the Children. Man wisse beispielsweise zu wenig darüber, inwieweit sie in die Hände von kriminellen Banden gerieten.

Auf der Suche nach Angehörigen

Die Juristin ist bei der Hilfsorganisation für den Bereich Flucht und Migration zuständig. Ein wichtiger Aspekt: Viele junge Geflüchtete seien auf der Suche nach ihren Angehörigen, die sich teils in anderen europäischen Ländern aufhielten.

Riebau fordert deshalb: "Was es aus unserer Sicht bräuchte, wäre tatsächlich, dass die grenzüberschreitende Kooperation, etwa im Bereich Kinderschutzbehörden, mit den Kollegen aus dem Ausland verbessert wird."

Mehr Aufmerksamkeit für junge Geflüchtete

Zwar gebe es inzwischen Apps und Hotlines, an die junge Geflüchtete sich wenden könnten, doch seien diese oft nicht bekannt in der Community. "Und vielfach fehlt es auch an Vertrauen, sich an diese vermeintlich staatlichen Stellen zu wenden."

Für Riebau ist es ein grundsätzliches Problem, dass Kinder und Jugendliche oft nur als Anhängsel ihrer geflüchteten Eltern wahrgenommen würden. Etwa die Hälfte aller Geflüchteten seien Minderjährige und diese hätten vielfältige Fluchtgründe und Fluchtgeschichten, die mehr Aufmerksamkeit verdienten. 

(mkn)

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