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Studio 9 | Beitrag vom 18.11.2019

Verpackungsmüll auf RekordhochWas hilft gegen all den Müll?

Gerhard Kotschik im Gespräch mit Julius Stucke

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Der Inhalt einer typischen Straßenmülltonne in Berlin mit zahlreichen Verpackungen, Einwegbechern und Restmüll. ( Bernd von Jutrczenka / dpa)
Die Tonne ist voll: 226,5 Kilogramm Verpackung warf jeder Deutsche 2017 in den Müll. ( Bernd von Jutrczenka / dpa)

Single-Haushalte, Online-Bestellungen, Coffee-To-Go - es gibt viele Gründe, warum die Deutschen immer mehr Verpackungsmüll verursachen. Gerhard Kotschik vom Umweltbundesamt weiß, wie sich der Abfall auch wieder reduzieren ließe.

Manche kaufen im verpackungsfreien Supermarkt ein und lassen sich ihren Cappuccino nur noch in den eigenen Mehrwegbecher füllen. Doch die breite Masse in Deutschland verursacht immer mehr Verpackungsmüll: Im Jahr 2017 fielen insgesamt 18,7 Millionen Tonnen an. Das ist ein Rekordhoch, wie das Umweltbundesamt mitteilte. Pro Kopf sind das 226,5 Kilogramm.

Überraschend ist das zumindest für Experten nicht. "Wir beobachten diese Trends ja schon seit Längerem. Wir hatten ja auch letztes Jahr schon einen Höchststand", sagt Gerhard Kotschik vom Umweltbundesamt. "Dieses Mal haben wir wieder etwas mehr Verpackungen zusätzlich verbraucht."

Vermeiden statt ersetzen

Eine Ursache sei beispielsweise, dass es immer mehr Single- und Zwei-Personen-Haushalte gebe, die relativ mehr Verpackungsmüll produzieren als Haushalte mit mehreren Menschen, erklärt Verpackungsexperte Gerhard Kotschik. Eine Rolle spielen auch Trends wie To-Go-Essen und To-Go-Getränke, die mit einem höheren Verbrauch an Einwegverpackungen einhergehen.

Die nun veröffentlichen Müll-Zahlen stammen aus dem Jahr 2017. Gab es inzwischen eine Trendwende? Oder wie ist es möglich, dass das Verpackungsaufkommen steigt, obwohl insbesondere das Vermeiden von Plastikmüll einigen Menschen heute wichtig ist? Gerhard Kotschik erklärt sich das damit, dass "in den letzten Jahren tendenziell eher eine starke Substitution stattgefunden hat". Menschen, die weniger Kunststoff verwenden wollen, würden stattdessen nun zu Einwegverpackungen aus anderen Materialen greifen, etwa aus Papier. "Wichtig wäre aber, Verpackungen insgesamt zu verringern und zu vermeiden."

Komplette Verbote weder möglich noch sinnvoll

Was also tun gegen überflüssige Verpackungen? Mit Verboten lasse sich das Problem in Deutschland nicht lösen, so Gerhard Kotschik. Das sei aus europarechtlichen Gründen nicht möglich. Komplette Verbote von Verpackungen seien aber ohnehin wenig sinnvoll, da diese auch eine Schutzfunktion hätten. Aber natürlich müsse man über rechtliche Regelungen nachdenken, wenn das Verpackungsaufkommen immer weiter wachse.

Kotschik wünscht sich, dass eine Reduzierung des Verpackungsmülls über Vereinbarungen und Selbstverpflichtungen funktioniert. "Wenn die Unternehmen rechtliche Regelungen verhindern wollen, dann müssen sie jetzt tätig werden und etwas machen", sagt er. "Dann müssen sie ein gutes Mehrwegangebot schaffen, nicht nur bei Getränken." Ein gutes Beispiel sei der Coffee-To-Go-Becher, der bisher meist als Einwegbecher verwendet wurde, aber bei dem es inzwischen auch Mehrweg-Angebote gebe.

Plastik ist nicht automatisch böse  

Kunststoff als Material müsse nicht unbedingt vermieden werden, erklärt der Experte: Bei Verpackungen, die häufig in der Umwelt landen, wäre es tatsächlich gut, möglichst auf Kunststoffe zu verzichten. Aber bei der Verpackung etwa eines Geschirrspülmittels, das normalerweise im Hausmüll lande, sei das nicht nötig.

Für den durch Online-Bestellungen verursachten Verpackungsmüll gebe es mit wiederverwendbaren Versandtaschen und -boxen auch bereits eine sinnvolle Lösung, sagt Gerhard Kotschik: "Es muss bloß stärker angeboten werden."

(jfr)

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