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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.11.2019

Verkehrsexperte zur VW-SerienproduktionEine Quote für Elektroautos

Weert Canzler im Gespräch mit Dieter Kassel

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht im VW-Werk in Zwickau bei einem Festakt zum Produktionsstart des Elektroautos ID3. (Sebastian Willnow/dpa/picture-alliance )
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kam zum Produktionsstart des Elektroautos ID3 ins VW-Werk nach Zwickau. (Sebastian Willnow/dpa/picture-alliance )

Der VW-Konzern hat jetzt in Zwickau mit der Serienproduktion seines ersten vollelektrischen Fahrzeugs begonnen. Der Verkehrsexperte Weert Canzler begrüßt diese Entscheidung und schlägt vor, die gewerbliche Nutzung von Elektroautos gezielt zu fördern.

Über Jahrzehnte wurde zu DDR-Zeiten in Zwickau der Trabi gebaut. Nun läuft im dortigen Volkswagen-Werk die Fertigung des ersten reinen Großserien-Elektroautos von Volkswagen an. Der ID.3, soll eine neu konzipierte Fahrzeugserie begründen, die massentauglich ist und die Grundlage für weitere E-Modelle des Konzerns bildet. Zum Produktionsstart kamen neben VW-Vorstandschef Herbert Diess auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (beide CDU) nach Zwickau.

Er halte es für richtig, dass VW nun ganz auf das Elektroauto setze, sagte Weert Canzler, Verkehrsexperte am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialwissenschaftliche Verkehrs- und Mobilitätsforschung. Es handle sich jetzt um einen großen Schritt, da es sich nicht um einen umgebauten Golf, sondern um ein komplett neu konstruiertes Fahrzeug handele. "Es geht nicht in erster Linie um Umweltpolitik, sondern es geht um Industriepolitik", sagte Canzler.

Eine Fahrradfahrerin hält sich in einer Hauptverkehrsstraße in Peking wegen des Smogs eine Hand vor Mund und Nase. (epa/picture-alliance )China plant bei der Einführung von Elektroautos eine Quote im Autoverkehr. In den großen Städten ist Smog schon lange ein echtes Problem. (epa/picture-alliance )

Bei der Entscheidung von VW sei vor allem der chinesische Markt entscheidend, der Elektrofahrzeuge erfordere. In China sei eine Quote geplant, bei der ein bestimmter Prozentsatz aller Fahrzeuge in Zukunft elektrisch sein müsse. "Es ist klar, dass ab 2030 nur noch elektrische Fahrzeuge zugelassen werden und wenn man dann nicht im Geschäft ist, dann ist man draußen", sagte Canzler. China sei der größte und am stärksten wachsende Markt der Welt. "Das ist auch der entscheidende Grund, warum Volkswagen jetzt komplett auf Elektromobilität setzt."

Klares Ausstiegsdatum

Das sei die richtige Strategie, aber es würden in Deutschland und Europa auch klare Rahmenbedingungen benötigt, so der Verkehrsexperte. Es müsse deshalb auch ein klares Ausstiegsdatum für die Autos mit Verbrennungsmotor benannt werden. Als mögliche Förderung in Deutschland nannte Canzler die Einführung einer Quote für Elektroautos. Dabei sei vor allem die gewerbliche Nutzung von Fahrzeugen wichtiger als der private Autokäufer. "Millionen von Flottenfahrzeugen sind in Betrieb, sei es der Pflegedienst, sei es der Handwerksbetrieb."

Keine Gießkannen-Politik 

Es gebe schon lange den Vorschlag, dass es dabei zu einer gezielten Förderung über Steuerabschreibungen komme. Das könne sehr schnell funktionieren und auch einen Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos anstoßen, den es noch nicht gebe. Ein dritter Vorschlag sei, dass die Bundesregierung in ihrem eigenen Fuhrpark auf E-Carsharing setze. Man sollte nicht mit der Gießkanne oder einer globalen Prämie fördern, sondern gezielt bestimmte Segmente des Automarktes angehe, empfiehlt Canzler.

(gem)

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