Seit 22:00 Uhr Nachrichten
Sonntag, 19.09.2021
 
Seit 22:00 Uhr Nachrichten

Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 15.03.2017

Verhöre als Virtual Reality"Ein ganz andere Form von Empathie"

Martin Hartwig und Jana Wuttke im Gespräch mit Winfried Sträter

Stasi-Verhöre und falsche Geständnisse (Deutschlandradio Kultur)
Stasi-Verhöre mit einer VR-Brille nachempfinden - ein beklemmendes Erlebnis (Deutschlandradio Kultur)

Mit einer VR-Brille bewaffnet den Verhörmethoden der Stasi und der Angst der Untersuchungshäftlinge nachspüren: Ist das vielleicht die Geschichtsvermittlung der Zukunft? Martin Hartwig und Jana Wuttke haben ein solches Online-Projekt entwickelt.

Die Sendung "Zeitfragen" thematisiert etwas nicht ganz Alltägliches. Der Beitrag von Martin Hartwig entführt die Hörer  in eine Situation in die sie hoffentlich nie kommen werden: In die Situation verhört zu werden - er hat sich intensiv mit den Verhörtechniken der Stasi beschäftigt. Autorin Jana Wuttke wiederum wird am 16. März mit einem Beitrag über Verhöre in heutiger Zeit zu hören sein.

Gemeinsam haben beide ein Online-Projekt entwickelt, das ihnen die Möglichkeit gibt direkt in einen Verhör-Raum hinein zu gehen und zwar mittels einer Virtual Reality (VR)-Brille. Darüber informiert auf unserer Website  unsere Virtual Reality App.

Historische Ereignisse erschließen sich viel subjektiver

Im Interview berichten Hartwig und Wuttke, wie man sich das genau vorzustellen hat - und wie sie es selbst bei der Entwicklung empfunden haben.

Jana Wuttke sagt: Ich glaube, dass sich historische Ereignisse in einem Raum noch einmal viel subjektiver und viel unmittelbarer auch erschließen. Wenn ich eine lineare Geschichte erzähle dann führe ich den Nutzer natürlich viel strenger aber ich glaube wenn man wirklich in einem Raum ist und auch diese psychologischen Konstellationen eines Verhörs spürt dann natürlich eine ganz andere Form von Empathie.

Sollten die Historiker künftig also nicht mehr Bücher schreiben, sondern Skripte für VR-Brillen Gewissermaßen anfertigen? Geschichte zu dramatisieren, sei eigentllich "ein alter Hut", meint Martin Hartwig. 

"In meiner Kindheit ging ich noch davon aus, dass die ganze NS-Zeit schwarz-weiß war. Dann kam Guido Knopp und dramatisierte das, legte dramatische Tonspuren unter die ganzen alten Geschichtsfilme und montierte nachträglich eigene Aufnahmen hinein. Da haben wir damals auch diskutiert: Wie authentisch ist das? Was hat das Reflexion und Erkenntnis zu tun? In diesem Feld bewegt sich das letztlich auch. Das ist die nächste Stufe würde ich sagen und es hat seine Chancen und seine Risiken."

Hören Sie am 16. März Jana Wuttkes Feature "False Memory Forschung und polizeiliche Vernehmungstaktik", 19.37 Uhr.

Mehr zum Thema

Die Verhörtechniken der Stasi - Das perfide System der Einschüchterung
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 15.03.2017)

DDR-Geschichte - Der SED-Diktatur droht das Vergessen
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 12.03.2017)

Spaziergang mit Roland Jahn - Mit dem Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen durch Jena
(Deutschlandradio Kultur, Deutschlandrundfahrt, 12.03.2017)

Kontrollmechanismen - Der überwachende Blick
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 17.02.2017)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Zeitfragen

WeltraumbergbauAuf in die Tiefen des Universums!
Künstlerische Darstellung von Astronauten, die auf dem Mars nach Wasser bohren. (NASA)

Der Studiengang Weltraumbergbau erforscht die Ressourcen des Alls. Anfangs reine Utopie, gelingt es inzwischen, etwa Sauerstoff auf dem Mars zu produzieren. Die Erkenntnisse könnten auch helfen, irdische Probleme wie den Klimawandel zu lösen. Mehr

ZivilcourageWann wir uns für Mitmenschen einsetzen
Die Silhouette einer Batman-Legofigur hebt sich dunkel vor einem unscharfen Bildhintergrund ab. (Unsplash / Ali Kokab)

"Zivilcourage" hat einen guten Ruf: Man setzt sich ein gegen Ungerechtigkeiten. Allerdings wagen laut Forschungen im Ernstfall nur wenige einzugreifen. Und jüngst reklamieren auch die sogenannten "Querdenker" für sich, "Zivilcourage" zu zeigen. Zu Recht?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur