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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 15.03.2017

Verhöre als Virtual Reality"Ein ganz andere Form von Empathie"

Martin Hartwig und Jana Wuttke im Gespräch mit Winfried Sträter

Stasi-Verhöre und falsche Geständnisse (Deutschlandradio Kultur)
Stasi-Verhöre mit einer VR-Brille nachempfinden - ein beklemmendes Erlebnis (Deutschlandradio Kultur)

Mit einer VR-Brille bewaffnet den Verhörmethoden der Stasi und der Angst der Untersuchungshäftlinge nachspüren: Ist das vielleicht die Geschichtsvermittlung der Zukunft? Martin Hartwig und Jana Wuttke haben ein solches Online-Projekt entwickelt.

Die Sendung "Zeitfragen" thematisiert etwas nicht ganz Alltägliches. Der Beitrag von Martin Hartwig entführt die Hörer  in eine Situation in die sie hoffentlich nie kommen werden: In die Situation verhört zu werden - er hat sich intensiv mit den Verhörtechniken der Stasi beschäftigt. Autorin Jana Wuttke wiederum wird am 16. März mit einem Beitrag über Verhöre in heutiger Zeit zu hören sein.

Gemeinsam haben beide ein Online-Projekt entwickelt, das ihnen die Möglichkeit gibt direkt in einen Verhör-Raum hinein zu gehen und zwar mittels einer Virtual Reality (VR)-Brille. Darüber informiert auf unserer Website  unsere Virtual Reality App.

Historische Ereignisse erschließen sich viel subjektiver

Im Interview berichten Hartwig und Wuttke, wie man sich das genau vorzustellen hat - und wie sie es selbst bei der Entwicklung empfunden haben.

Jana Wuttke sagt: Ich glaube, dass sich historische Ereignisse in einem Raum noch einmal viel subjektiver und viel unmittelbarer auch erschließen. Wenn ich eine lineare Geschichte erzähle dann führe ich den Nutzer natürlich viel strenger aber ich glaube wenn man wirklich in einem Raum ist und auch diese psychologischen Konstellationen eines Verhörs spürt dann natürlich eine ganz andere Form von Empathie.

Sollten die Historiker künftig also nicht mehr Bücher schreiben, sondern Skripte für VR-Brillen Gewissermaßen anfertigen? Geschichte zu dramatisieren, sei eigentllich "ein alter Hut", meint Martin Hartwig. 

"In meiner Kindheit ging ich noch davon aus, dass die ganze NS-Zeit schwarz-weiß war. Dann kam Guido Knopp und dramatisierte das, legte dramatische Tonspuren unter die ganzen alten Geschichtsfilme und montierte nachträglich eigene Aufnahmen hinein. Da haben wir damals auch diskutiert: Wie authentisch ist das? Was hat das Reflexion und Erkenntnis zu tun? In diesem Feld bewegt sich das letztlich auch. Das ist die nächste Stufe würde ich sagen und es hat seine Chancen und seine Risiken."

Hören Sie am 16. März Jana Wuttkes Feature "False Memory Forschung und polizeiliche Vernehmungstaktik", 19.37 Uhr.

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