Samstag, 18.08.2018
 

Kompressor | Beitrag vom 11.06.2018

Verhaltenskodex des Bühnenvereins"So ein Dokument ist ein deutliches Signal"

Ulrich Khuon im Gespräch mit Max Oppel

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Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters Berlin.  (Klaus Dyba)
Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins: "Sehr viel weiter gegangen." (Klaus Dyba)

Der Bühnenverein hat einen Verhaltenskodex vorgelegt zur Prävention etwa von sexuellen Übergriffen. Vereinspräsident Ulrich Khuon sieht darin einen Referenzpunkt, auf den sich jeder beziehen kann - und aus dem sich heftige Sanktionen ableiten ließen.

Der Hashtag #Aufschrei und später die #MeToo-Debatte haben gezeigt, wie erschreckend stark verbreitet sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch sind, in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch und besonders in der Kultur und in Kreativberufen. Der Deutsche Bühnenverein, der Bundesverband der Theater und Orchester, hat nun einen Verhaltenskodex vorgelegt.

Der Präsident des Bühnenvereins, Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters, betont im Deutschlandfunk Kultur, dass solch ein Kodex ein deutliches Signal sei. Der Kodex beschreibe zunächst einmal, was gewollt ist:

"Wie wir leiten wollen, wie wir Grenzüberschreitungen definieren und welche Forderungen sich daraus für die Leitung, aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergeben. Und das gab es ja bisher noch nicht."

Verschwiegenheit beendet

Auch wenn im Kodex mitunter Selbstverständlichkeiten stünden, nun sei es eben ausgesprochen und kodifiziert und damit ein Referenzpunkt. 

"Bisher gab es überhaupt keine Möglichkeit, sich auf irgendwas zu beziehen. Wenn also einer einen blöden Witz macht, unter der Gürtellinie, und man hat gesagt 'Das finde ich aber nicht gut', dann konnte der andere sagen, 'Das machen wir aber schon immer so beim Theater' und 'Da wird man doch so was sagen können'. Es gibt viele soziale Milieus, in denen ungeschriebene Regeln, auch was solche Dinge angehen, bestehen, die im Grund vieles möglich machen, was dann im Verschwiegenen passiert – und diese Verschwiegenheit haben wir beendet."

Nun beginne an den Häusern ein Verständigungsprozess, wenn er nicht ohnehin schon in Gang gekommen sei. 

Der Intendant des Deutschen Theaters bekräftigt, dass der Verhaltenskodex ein wichtiger Schritt sei:

"Wir sind mit diesem, mit großer Mehrheit verabschiedeten Papier sehr viel weiter gegangen, als wir je gegangen sind. Und das finde ich sehr ermunternd, dass also alle Intendantinnen und Intendanten, Träger und so weiter sagen: 'Hinter so einem Papier stehen wir.'"

Orientierung für junge Menschen am Theater

Bei Verstößen reichten die Sanktionen von der Rüge über die Abmahnung bis zur Kündigung, je nachdem, wie schwer der Verstoß sei. "Je nachdem, wie gravierend das ist, müssen da auch Konsequenzen erfolgen", sagt Khuon.

Einige Mitglieder des Bühnenvereins hätten auch ganz gut beschrieben, dass der Kodex auch als  Orientierung diene für diejenigen, die neu an ein Theater kommen:

"Dass zum Beispiel junge Menschen, die zu uns kommen, einfach wissen: Aha, das und das will die Leitung, oder dieses Haus will sich so oder so verhalten – und wenn jetzt was anderes von mir verlangt wird, oder wenn jemand eine anzügliche Bemerkung macht, kann ich mich darauf beziehen. Und wenn das dann weiter geht, dann gehe ich vielleicht zur Leitung oder zu den entsprechenden Stellen."

(mf)

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