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Konzert / Archiv | Beitrag vom 31.05.2012

Vergessenheit und Renaissance

Manfred Honeck dirigiert Braunfels beim DSO

Manfred Honeck (Toshiyuki Urano / DSO Berlin)
Manfred Honeck (Toshiyuki Urano / DSO Berlin)

Als "Halbjude" gehörte Walter Braunfels zu den von den Nazis "verfemten" Komponisten, nach dem Krieg konnte er nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen. Die meisten Künstler, die Braunfels’ Werk gekannt und geschätzt hatten, waren aus Deutschland vertrieben worden. Zudem galt Braunfels, der Konservative mit den musikalischen Wurzeln im 19. Jahrhundert, der "Zeitlos-unzeitgemäße", wie ihn einmal der Musikwissenschaftler Alfred Einstein nannte, Anfang der Fünfzigerjahre plötzlich als unmodern und war schnell vergessen.

Seit einigen Jahren entdeckt man die musikalische Qualität seiner Werke wieder. Eine CD-Aufnahme der Erfolgsoper "Die Vögel", die das DSO zusammen mit Lothar Zagrosek für die DECCA-Reihe "Entartete Musik" 1994 einspielte, verfehlte ihre internationale Wirkung nicht. Auch die "Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna", Braunfels’ letzte, in den Kriegsjahren entstandene Oper, erlebten 2001 in Stockholm endlich ihre konzertante und 2008 an der Deutschen Oper Berlin ihre szenische Uraufführung.

Der österreichische Dirigent Manfred Honeck hat sich nicht zuletzt während seiner Zeit als Generalmusikdirektor in Stuttgart regelmäßig für das Œuvre von Braunfels eingesetzt. Er dirigierte die "Johanna" in Stockholm und war mit dem beeindruckenden "Te deum" 2008 beim DSO zu Gast. Die Pultkarriere des ehemaligen Bratschisten der Wiener Staatsoper begann als Assistent Claudio Abbados und führte ihn nach Stationen am Züricher Opernhaus, beim MDR Sinfonieorchester Leipzig und beim Oslo Philharmonic Orchestra von 2000 bis 2006 als Chefdirigent zum Swedish Radio Symphony Orchestra Stockholm und an das Stuttgarter Opernhaus. Derzeit ist Manfred Honeck Musikdirektor des Pittsburgh Symphony Orchestra.

Nun kehrt er mit den "Phantastischen Erscheinungen …" von Walter Braunsfels ans Pult des DSO zurück und stellt ihnen mit der Vierten Symphonie von Johannes Brahms ein Werk gegenüber, das in Vollendung die romantische Klangtradition repräsentiert, in deren Nachfolge sich Walter Braunfels bewegte. Eine weitere Entdeckung bietet er dem DSO-Publikum mit dem heiteren Cellokonzert des Braunfels-Zeitgenossen Arthur Honegger. Solist ist der Ausnahme-Cellist Jan Vogler.
(nach: Maximilian Rauscher in DSO-Nachrichten 05/06/2012)
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin



Live aus der Philharmonie Berlin

Walter Braunfels
Auszüge aus "Phantastische Erscheinungen eines Themas von Hector Berlioz"
für großes Orchester op. 25

Arthur Honegger
Konzert für Violoncello und Orchester

ca. 20:50 Uhr Konzertpause mit Nachrichten

Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98


Jan Vogler, Violoncello
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Manfred Honeck

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