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Nachspiel | Beitrag vom 01.09.2019

Vergessene Sportart SchlagballBaseball auf Deutsch

Von Fritz Schütte

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Ein Junge wirft einen Schlagball (imago / Liane / Panthermedia)
Früher war Schlagball ein beliebtes Spiel. Nun ist es in Vergessenheit geraten. (imago / Liane / Panthermedia)

Schlagball, die deutsche Version von Baseball oder Cricket, wurde in der Nazizeit als völkischer Sport gepriesen. Nach dem Krieg geriet er in Vergessenheit. Nur auf den ostfriesischen Inseln Langeoog und Spiekeroog hat der Sport überlebt.

Manfred Schimmler aus Kiel hat in seiner Jugend hochklassig Handball gespielt. Schlagball kannte er nur vom Hörensagen:

"Ich bin 1986 das erste Mal nach Spiekeroog gefahren. Da haben wir gesehen, dass die am Strand so ein verrücktes Spiel spielen. Dann haben wir mal mitgespielt, mein Sohn und ich. Wir fanden das gut, und so sind wir daran gekommen."

Schlagball galt als "deutscher Sport"

Ein Spieler befördert den 80 Gramm schweren Lederball mit einem Schlagholz ins Spielfeld und rennt zu einer der beiden Stangen in 60 Meter Entfernung, dem Tick. Zwölf Spieler der verteidigenden Mannschaft versuchen, den Läufer mit dem gefangenen Ball abzuwerfen.

"Dabei darfst du aber selbst nicht mit dem Ball laufen und ihn auch nicht länger als drei Sekunden halten."

Schlagball war Schulsport und galt im Gegensatz zu Fußball als deutscher Sport, was sich später als schwere Hypothek erwies. 1954 wurde zum letzten Mal ein Endspiel um die Deutsche Meisterschaft ausgetragen.

"Weil es bei den Nazis so favorisiert worden ist, ist es nach dem Krieg dann von den Lehrplänen verschwunden. Es galt als anrüchig. Aber ich glaube, jetzt gerät das so ein bisschen in Vergessenheit. Deshalb können wir es wieder neu aufbauen."

Spielen auf dem Sandstrand

Gespielt wird auf dem nur bei Ebbe nicht überspülten harten Sandstrand. Urlauber schicken ihre Kinder zum täglichen Training. Ein Förderverein bietet Jugendlichen, wenn sie später ohne Eltern zum Schlagballspielen nach Spiekeroog kommen, kostenlose Unterkunft auf dem Zeltplatz.

Höhepunkt der Saison ist der traditionsreiche Wettkampf mit Langeoog, das eine ähnliche Sporttradition aufweist. Zu diesem Anlass verkehrt eine Fähre zwischen den Nachbarinseln, die sonst nur über den Umweg Festland zu erreichen sind. Christardt trainiert Spiekeroogs Jugendteam.

"Ich komme seit meinem ersten Lebensjahr hier hin. Mein Vater hat früher mal gespielt, auch immer ziemlich gut. Wir haben dann immer mit trainiert und wollten irgendwann ins Herrenteam, das war unser größtes Ziel."

"Man merkt im Schlagball, dass die Handballer vor allem, dass die alle gut sind, weil sie im Werfen einfach drin sind." Mittlerweile gibt es Schlagballteams in Kiel, Mühlheim, Köln, Hamburg und Rostock. Wie viele Schlagballer betreibt Charlotte am Festland auch anderen Sport: "Ich spiele Feldhockey. Erste Bundesliga."

Wettkampf zweier ostfriesischer Inseln

Am Strand sitzen sich Schlachtenbummler beiderseits des Spielfeldes gegenüber. Grün steht für Spiekeroog, rot für Langeoog.

"Lauf! Lauf! Scheiße, warum zieht er da nicht durch? Der fängt immer an zu traben. Meine Fresse. Lauf durch!"

Weitschläge, einhändiges Fangen und Läufe zum Tick und zurück bringen Punkte. Peter te Heesen, Teamchef des früheren Seriensiegers Langeoog, muss ein weiteres Jahr auf den ersehnten Sieg im Inselwettkampf warten.

"Schlagball begleitet mich jetzt schon relativ lange. 1977 habe ich das erste Mal hier auf der Insel gespielt, 1984 den ersten Vergleichskampf. Und ich möchte behaupten, ich habe noch nie so geile 30 Minuten gesehen wie heute von Spiekeroog. Da ziehe ich meinen Hut. Letztendlich verdienter Sieger. Kommt bitte nach vorne!"

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