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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.09.2015

Vergebung von Abtreibung"Das ist schon eine kleine kirchenrechtliche Sensation"

Moderation: Liane von Billerbeck und Hans-Joachim Wiese

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Papst Franziskus an einem Rednerpult, im Hintergrund bunte Lichter. (Fernando Maia, dpa picture-alliance)
Papst Franziskus an einem Rednerpult: Für die katholische Kirche ist Abtreibung eine der schwersten Sünden. Nun erlaubt der Papst ein Jahr lang allen Priestern, diese zu vergeben. (Fernando Maia, dpa picture-alliance)

Papst Franziskus erlaubt den einfachen katholischen Priestern die Vergebung von Abtreibung. Damit setze das katholische Oberhaupt neue Maßstäbe bei strittigen Themen, erklärt Rom-Korrespondent Jan-Christoph Kitzler.

Papst Franziskus hat auch "einfachen" katholischen Priestern erlaubt, Frauen und Männer – etwa Ärzte – von der Sünde der Abtreibung loszusprechen, sofern sie Reue zeigen und um Vergebung bitten. Dann könne ihnen "die Vergebung Gottes" nicht verweigert werden, so der Papst.

Die Regelung gelte ab dem 8. Dezember, erläuterte Rom-Korrespondent Jan-Christoph Kitzler im Deutschlandradio Kultur – dann beginne in der katholischen Weltkirche ein so genanntes Heiliges Jahr.

"Das ist schon eine kleine kirchenrechtliche Sensation", kommentierte Kitzler. Nicht unbedingt für Deutschland, aber in der Weltkirche sei es so geregelt, "das nur ein Bischof, von einer solch schweren Sünde – und das bleibt es [die Abtreibung] für die katholische Kirche (…) lossprechen kann". Möglich sei das allerdings nur während der Beichte.

"Gräben, die sehr, sehr schwer zu überbrücken sind"

Deutlich werde, dass der Papst versuche, "einen anderen Blick auf das Thema zu werfen" – er stelle nicht die Sünde, sondern die Barmherzigkeit in den Vordergrund und betone, dass den Sündigen "die Gnade der Kirche" zu Teil werde.

Hier spiele sicher auch eine Rolle, dass im Herbst eine Synode – also eine Versammlung der Bischöfe der ganzen Welt – stattfinden werde. Und innerhalb der katholischen Kirche seien die Spannungen bei Themen wie Abtreibung, Umgang mit Homosexuellen oder auch wiederverheirateten Geschiedenen sehr groß – "da gibt es Gräben, die sehr, sehr schwer zu überbrücken sind", so Kitzler.

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