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Konzert / Archiv | Beitrag vom 17.04.2021

Verdis Oper "Otello" aus BarcelonaEifersucht auf Bestellung

Moderation: Volker Michael

Eine Sängerin und ein Sänger in dramatischer Haltung auf der Bühne
Krassimira Stoyanova und Gregory Kunde als Desdemona und Othello in Giuseppe Verdis Oper "Otello" am Gran Teatre del Liceu Barcelona am 27.3.21

Sie gehört zu den dunkleren, komplizierten Opern des Meisters. Der "Otello" ist ein Spätwerk Giuseppe Verdis - Gustavo Dudamel dirigierte eine aktuelle Aufführung am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, Gregory Kunde gab den Othello, Krassimira Stoyanova die Desdemona.

Eigentlich hatte er sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet und wollte seinen Ruhm genießen – doch dann war die Versuchung, eine neue Oper zu komponieren, viel zu groß. Sieben Jahre arbeitete Giuseppe Verdi an seinem Otello, bis das Werk mit nie dagewesenem Erfolg in Mailand uraufgeführt wurde. Wir bringen eine aktuelle Aufnahme aus dem Gran Teatre del Liceu Barcelona vom 27. März.

Viele verkleidete Mitwirkende auf einer OpernbühneDer Chor des Gran Teatre del Liceu Barcelona in einer Szene aus Giuseppe Verdis "Otello" am 27.3.21

Giuseppe Verdi wollte dieses Drama um Macht, Verblendung und Eifersucht eigentlich "Jago" genannt haben, denn der böse Untergebene des erfolgreichen Kommandeurs Othello spielt eine große Rolle in Verdis musikalischer Fassung. Das ist schon in Shakespeares Original so. Es gab jedoch schon eine Oper namens "Otello", die Ende des 19. Jahrhunderts noch hie und da gespielt wurde, und zwar die Shakespeare-Oper Gioacchino Rossinis.

Othello oder Jago?

Erst kurz vor der Vollendung des Werks gab Verdi dem Druck seines Verlegers Ricordi und seines Librettisten Arrigo Boito nach: Er benannte das Werk trotz aller Bedenken nach dem ursprünglichen Titelhelden Othello. Überhaupt hatten diese beiden Personen, Ricordi und Boito, den Ausschlag gegeben, dass der etablierte Komponist nach seiner "Aida" überhaupt wieder auf die musikdramatische Bühne zurückgekehrt war.

"Othello, der Mohr von Venedig" ("The Tragoedy of Othello, The Moore of Venice"), so heißt das Drama von Shakespeare im Original. Und auch Verdi verzichtet nicht ganz darauf, die Hautfarbe seines Titelhelden zum Thema zu machen. Der ist trotz seiner südländischen Herkunft aufgestiegen im Militär der Kolonialmacht Venedig, weil er ein guter Kommandeur war. Erst seit wenigen Jahrzehnten sehen Opernhäuser weltweit davon ab, den Darsteller des Othello dunkel zu schminken.

"Der Mohr von Venedig"

Blackfacing gilt inzwischen als rassistisch - selbst wenn man Verdis "Otello" so inszeniert, dass die Diskriminierung des Helden zum Thema gemacht wird. In Barcelona gab es eine Übernahme der "Otello"-Produktion der Münchner Staatsoper. Der Saal des Teatre del Liceu war mit Publikum gefüllt. Die meisten Rollen waren wie geplant besetzt – nur der Dirigent hat kurzfristig gewechselt. Niemand geringeres als Gustavo Dudamel ist eingesprungen und hat Begeisterung ausgelöst.

Aus lizenzrechtlichen Gründen können wir Ihnen diese Oper leider nicht zum Nachhören anbieten!

Gran Teatre del Liceu, Barcelona
Aufzeichnung vom 27. März 2021

Giuseppe Verdi
"Otello" - Oper in vier Akten nach William Shakespeare
Libretto: Arrigo Boito

Otello - Gregory Kunde, Tenor
Iago - Carlos Álvarez, Bariton
Cassio - Airam Hernández, Tenor
Roderigo - Francisco Vas, Tenor
Lodovico - Felipe Bou, Bass
Montano - Fernando Latorre, Bass
Desdemona - Krassimira Stoyanova, Sopran
Emilia - Mireia Pintó, Mezzosopran
Chor und Orchester des Gran Teatre del Liceu
Leitung: Gustavo Dudamel

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