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Konzert / Archiv | Beitrag vom 05.10.2019

Verdis "Il Corsaro" beim Festival Chopin und Sein EuropaFabio Biondi rehabilitiert Verdi

Moderation: Volker Michael

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Die Mitwirkenden der Oper "Il Corsaro" beim Festival Chopin und Sein Europa im Warschauer Moniuszko-Auditorium am 24.08.19 (Wojciech Grzędziński/NIFC)
Großer Schlussapplaus nach der Aufführung von Verdis "Il Corsaro" in Warschau (Wojciech Grzędziński/NIFC)

Verdis Oper "Il Corsaro" wurde im europäischen Revolutionsjahr 1848 kaum wahrgenommen. Nun brachte sie Fabio Biondi mit seinem Originalklangensemble Europa Galante in Warschau zum Klingen, mit fabelhaften Solisten und dem Philharmonischen Chor Białystok.

Eigentlich hat das Werk alles, was eine gute Oper braucht - einen heroischen Piratenhauptmann, gleich zwei Frauen, die ihn inbrünstig lieben, einen brutalen Herrscher und mitreißende Chorszenen, und eine verdichtete Handlung mit gut eineinhalb Stunden Länge. Doch Giuseppe Verdis Korsaren-Oper nach Lord Byron fiel im Jahr 1848 durch. Schon zuvor schien der Komponist das Interesse an dem orientalistischen Stoff verloren zu haben. Mehr als drei Jahre brauchte er bis zur Fertigstellung, andere Projekte waren wichtiger geworden.

Die Mitwirkenden der Oper "Il Corsaro" beim Festival Chopin und Sein Europa im Warschauer Moniuszko-Auditorium am 24.08.19 (Wojciech Grzędziński/NIFC)Die Mitwirkenden der Oper "Il Corsaro" beim Festival Chopin und Sein Europa im Warschauer Moniuszko-Auditorium am 24.08.19 (Wojciech Grzędziński/NIFC)

Wie es beim Festival "Chopin und sein Europa" üblich ist, spielte das Orchester - in diesem Fall Europa Galante - auf historischen Instrumenten, wie sie Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa gebräuchlich waren. Dank des Engagements von Fabio Biondi wurden dabei besondere Klangfarben hörbar, die Verdi in seine Partitur geschrieben hatte, um das drohende Unheil der Handlung, aber auch das maritime Setting und die martialischen Hintergründe der Piratenoper erlebbar zu machen.

Viel Liebe und wenig Glück

Der Korsar heißt Corrado - anders als in der historischen Wirklichkeit sind die mediterranen Freibeuter, die Korsaren, bei Byron und Verdi Widersacher der osmanischen Herrscher. Corrado beschließt auf Anraten der griechischen Freiheitskämpfer, mit seinen Mitpiraten die nahe gelegene osmanische Garnison und ihren Anführer Seid Pascha zu überfallen. Der Versuch misslingt, Seid Pascha verurteilt Corrado zum Tode. Gulnara, die Lieblingssklavin aus Seid Paschas Harem, verhilft Corrado jedoch zur Flucht. Sie hat Seid Pascha ermordet, ohne Corrados Gunst zu gewinnen. Sie liebt ihn, doch er liebt Medora. Die zurückgebliebene Geliebte hat aber schon Gift genommen, weil sie Corrado gestorben wähnte. Das Finale ist äußerst traurig - Gulnara bleibt allein zurück.

Festival "Chopin und sein Europa"
Teatr Wielki, Moniuszko-Auditorium, Warschau
Aufzeichnung vom 24. August 2019

Giuseppe Verdi
"Il Corsaro", Oper in drei Akten
Libretto: Francesco Maria Piave nach Lord Byron

Corrado - Matheus Pompeu, Tenor
Medora - Ilona Mataradze, Sopran
Gulnara - Karen Gardeazabal, Sopran
Seid - Aleksey Bogdanov, Bariton
Giovanni - Mateusz Stachura, Bass
Selimo, Eunuch, Sklave - Paweł Cichoński, Tenor
Chor der Podlachischen Oper und Philharmonie
Europa Galante
Leitung: Fabio Biondi

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