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Konzert / Archiv | Beitrag vom 10.08.2013

Verdis "Attila" konzertant aus Berlin

mit dem Ensemble der Deutschen Oper

Giuseppe Verdi (AP Archiv)
Giuseppe Verdi (AP Archiv)

Giuseppe Verdi durchforstete auf seiner lebenslangen Suche nach "neuen, großen, schönen, abwechslungsreichen, kühnen Stoffen" auch die Dramen der deutschen Romantiker, vier Mal wurde er bei Schiller fündig. Auch Grillparzers Schicksalsdrama "Die Ahnfrau", auf das schon Beethoven aufmerksam geworden war, kam in seinen Fokus.

Wie Beethoven drang Verdi auch zu Zacharias Werner, dem vergessenen Erfinder des Schicksalsdramas, und dessen "Attila, König der Hunnen", vor. Nicht das Schicksalhafte zog ihn daran an, sondern das Mystische, Imaginäre, Traumverlorene. Auch die politische Dimension – Werner zog Parallelen zwischen Attila und Napoleon, allerdings ohne sich um historische Details zu kümmern.

Die größte Kühnheit des Stücks ist im imaginären Aufeinandertreffen Attilas mit Papst Leo, im Personenverzeichnis "Leone, ein alter Römer", am Ende des ersten Aktes erreicht. In einer Traumszene ahnt Attila den unbeugsamen Widerstand der Römer voraus und als aus dem Traum Wirklichkeit wird, glaubt er riesenhafte Gestalten mit flammenden Schwertern am Himmel zu sehen.

Das Libretto leidet etwas unter seiner eiligen Herstellung abwechselnd durch die beiden wichtigsten Mitarbeiter des frühen Verdi, Francesco Maria Piave und Temistocle Solera. Von Giftmischerei bis zum Tod des Negativ-Helden durch das Schwert einer Frau ist jedoch alles enthalten, was ein italienisches dramma liricojener Zeit bieten kann: unendliche Gelegenheiten zur Entfaltung musikalischer Augenblicke.


Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 19.06.2013


Giuseppe Verdi
"Attila"
Oper in einem Prolog und drei Akten
Libretto: Temistocle Solera und Francesco Maria Piave
nach Zacharias Werner
Konzertante Aufführung

Attila - Roberto Tagliavini, Bass
Ezio - Dalibor Jenis, Bariton
Odabella - Ljudmyla Monastyrska, Sopran
Foresto - Massimo Giordano, Tenor
Uldino - Jörg Schörner, Tenor
Leone - Ante Jerkunica, Bass
Chor der Deutschen Oper Berlin
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Leitung: Pinchas Steinberg


ca. 20:15 Uhr Pause mit Nachrichten

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