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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.07.2018

Verband wirft der Stadt Wuppertal Versagen vor"Etikettenschwindel" am Tanztheater Pina Bausch befürchtet

Bertram Müller im Gespräch mit Britta Bürger

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Opernhaus der Wuppertaler Bühnen und des Tanztheaters Pina Bausch (imago stock&people / Werner Otto)
Opernhaus der Wuppertaler Bühnen und des Tanztheaters Pina Bausch (imago stock&people / Werner Otto)

Der Vorstand des Dachverbandes Tanz, Bertram Müller, sieht im Konflikt am Tanztheater in Wuppertal auch den Oberbürgermeister in der Verantwortung. Er fordert: Änderte sich nicht der Umgang mit diesem Konflikt, sollte das Haus nicht länger Pina Bauschs Namen tragen dürfen.

Es ist ein Streit, der mit einer fristlosen Entlassung und einer Trennung zum Jahresende eigentlich hatte gelöst werden sollen: Die Krise um die Leitung des Tanztheater Pina Bausch in Wuppertal. Doch auch nach den Personaltentscheidungen der vergangenen Woche ist für die Öffentlichkeit weiter unklar, was die wirklichen Gründe sind für die sofortige Entbindung der Intendantin Adolphe Binder von allen Aufgaben der künstlerischen Leitung des Hauses, denn schließlich verlässt auch Adolphe Binders Gegenspieler, der Geschäftsführer Dirk Hesse, das Haus - dies allerdings erst zum Jahresende.

Nach Einschätzung von Bertram Müller, vor 20 Jahren Gründer des Tanzhauses NRW und dort für viele Jahre Intendant, braucht das Tanztheater Wuppertal eine grundlegend neue Struktur, weil die "Kuriosität" des Hauses in erster Linie darin bestehe, dass die Geschäftsführung hier das Sagen auch "über alle letztlich künstlerischen Entscheidungen" habe.

Der Intendantin fehlten die Befugnisse

Zwar habe zuletzt die Intendantin Adolphe Binder künstlerische Vorschläge machen können, aber wirklich etwas entscheiden konnte sie nicht, so Müller:

"Sie hatte zwar einen Vertrag, aber de facto war die Struktur so, dass das Handeln der Stadt Wuppertal oblag mit ihrem Beauftragten Dirk Hesse."

Solch eine Struktur wie in Wuppertal gebe es sonst nicht an Theatern. Müller wirft hier dem Kulturdezernenten, dem Oberbürgermeister und dem Beirat ein Versagen vor. Hier hätte rechtzeitig eingegriffen werden müssen, meint er. Und Müller empfiehlt nicht nur Änderungen in Führungsstil, sondern auch in der Namensgebung und Pflege des Andenkens von Pina Bausch: "Nur wenn der berühmte Pina-Bausch-Geist, diese enge gemeinschaftliche Arbeit, das Ringen nach Lösungen, wenn das weitergeführt werden kann, dann darf es den Namen Pina Bausch weiter führen, sonst ist es ein Etikettenschwindel."

Der Beirat - das Aufsichtsorgan des Theaters - hatte als Reaktion auf anhaltende Querelen am Freitag beschlossen, sich von Binder zu trennen. Dies sei "leider notwendig geworden, um die Handlungsfähigkeit wiederherzustellen", hatte der Beirat mitgeteilt. Er warf Binder Fehlverhalten und Mobbing vor.

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