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Interview / Archiv | Beitrag vom 22.04.2016

Vegetarische Ernährung und MedizinGibt es ein Menschenrecht auf veganes Essen?

Ralf Müller-Amenitsch im Gespräch mit Marianne Allweiss und André Hatting

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Veganes Essen aus Linsen, Kürbis, Zwiebeln und Tomaten auf einem Teller (picture alliance / ZB / Jens Kalaene)
Veganes Essen aus Linsen, Kürbis und Tomaten. Doch vielen Menschen wird der gewünschte Zugang zu vegetarischem oder veganem Essen verwehrt - das beschäftigt zunehmend auch die Gerichte (picture alliance / ZB / Jens Kalaene)

Bei der Gemeinschaftsverpflegung in öffentlichen Einrichtungen sind Vegetarier und Veganer oft benachteiligt. Auch in Schulen wird darum gestritten. Doch darf der Staat überhaupt in das Grundrecht der Gewissensfreiheit eingreifen?

Der Rechtsanwalt Ralf Müller-Amenitsch berät Vegetarier und Veganer in Rechtsfragen. In vielen seiner Fälle ginge es darum, überhaupt einen Zugang zu vegetarischem oder veganem Essen zu erhalten, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Das betreffe etwa Gefängnisse, psychiatrische Einrichtungen oder Altersheime.  

Auch in Berliner Schulen gebe es oft Streitfälle. Eltern würden sich dagegen wehren, dass sie das Bezirksamt zur Teilnahme an den Kosten einer unerwünschten Verpflegung zwingen wolle:

"Das wird natürlich von Menschen, die sich ethisch ernähren, als unfair empfunden. Denn sie finanzieren ja Menschen mit, die Produkte konsumieren, die sie selber nicht konsumieren wollen. Sie beteiligen sich dann aus ihrer Sicht an der Massentierhaltung und all den Sachen, die damit verbunden sind."

Bei vielen Auseinandersetzungen stelle sich für ihn eine entscheidende Frage, stellte Müller-Amenitsch heraus:

"Kann der Staat in das Grundrecht der Gewissensfreiheit eingreifen? Und ist der ethische Veganismus oder der Vegetarismus nicht ein Menschenrecht gemäß Artikel neun der Europäischen  Menschenrechtskonvention?

Die gastrosophischen Gebote der Frankfurter Schule 

Wer die Befreiung von Gemeinschaftskost einklagen wolle, müsse seine ethischen Vorstellungen sehr genau darlegen, so schilderte der Rechtsanwalt aus seiner Praxiserfahrung:

"Was sind die Motivationen? Wir haben hier die sogenannten gastrosophischen Gebote der Frankfurter Schule. Also sich so zu ernähren, dass Welthunger vermieden wird, dass auch zukünftige Generationen etwas zu essen haben. Und sich auch so zu ernähren, dass Tiere möglichst wenig leiden. Das ist ein guter Hintergrund, um zu argumentieren."       

Vom 22. bis 24. April 2016 findet in Berlin die "VegMed" statt, ein wissenschaftlicher Kongress über vegetarische Ernährung und Medizin. Er wird unter anderem von der Charité Berlin und vom Vegetarierbund Deutschland organisiert. Dort hält Ralf Müller-Amenitsch einen Vortrag über "Vegan im Recht".

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