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Interview / Archiv | Beitrag vom 27.05.2015

Vatikan-Kritik an der Homo-Ehe"Die Kirche tut sich einfach schwer mit Veränderungen"

Markus Gutfleisch im Gespräch mit Marianne Allweiss und André Hatting

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Pietro Parolin, Kardinal-Staatssekretär im Vatikan (pa/dpa/Peri)
Pietro Parolin, Kardinal-Staatssekretär im Vatikan, sieht das irische Ja zur Homo-Ehe überaus kritisch. (pa/dpa/Peri)

"Eine Niederlage für die Menschheit" - so urteilte der Vatikan über das Ja der Iren zur Homo-Ehe. Diese Aussage sei weder theologisch noch biblisch haltbar, kritisiert Markus Gutfleisch von der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche.

Der Pressesprecher der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche, Markus Gutfleisch, hat die Reaktion des Vatikans auf das Ja der Iren zur Homo-Ehe kritisiert. Die Aussage des Vatikans, der das Votum als eine "Niederlage für die Menschheit" bezeichnet hatte, sei "wirklich dummes Zeug", sagte Gutfleisch im Deutschlandradio Kultur. Die Aussage sei weder theologisch noch biblisch haltbar:

"Weil die Katholische Kirche schon im Zweiten Vatikanischen Konzil vor mehr als 50 Jahren gesagt hat, dass die Ehe nicht nur dafür gedacht ist, dass die Eheleute Kinder bekommen und sie groß ziehen. Sondern die Ehe hat eben auch den Sinn, dass zwei Menschen sich lieben. Und das können natürlich auch lesbische und schwule Paare."

Dieser damals bereits gemachte Schritt müsse jetzt weiter gedacht werden, forderte Gutfleisch – im Hinblick auf die mögliche Lebenssituation heutiger Partnerschaften. Die Haltung des Vatikans sei wohl mit dem Festhalten an Traditionen zu erklären, meinte er:

"Die Kirche tut sich einfach schwer mit Veränderungen. Sie müsste sich dazu bekennen, dass sie hier Dinge auch sehr eng ausgelegt hat, einige Jahre, viele Jahre. Auch Homosexuelle ja verfolgt hat. Das heißt, sie muss sich zu ihrer Schuld, zu ihrer Verstrickung hier bekennen. Und sie muss sagen: 'Wir machen es jetzt anders. Und bleiben trotzdem voll biblisch, voll christlich.' Wie es auch andere Kirchen, die evangelischen Kirchen zum Beispiel, machen."

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